Theologe Bernd Hillebrand
Firmung - und was dann?

Firmung im Pfarrverband St. Josef im Waldviertel durch Altabt Georg Wilfinger.
 | Foto: Dieter Holzer
  • Firmung im Pfarrverband St. Josef im Waldviertel durch Altabt Georg Wilfinger.
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„Kirche bunt“ thematisiert in mehreren Beiträgen und Ausgaben ein Thema, das für viele Pfarren sehr relevant ist: Was bietet die Kirche der Jugend nach der Firmung? Hier ein theologischer Aspekt.

Ein theologischer Ausgangspunkt zur Firmung müsste lauten, dass das Sakrament der Firmung gnadentheologisch freigebend und bedingungslos ist, damit es überhaupt einen Freiraum Gottes, für seinen Geist, gibt. Dies hat weitreichende Folgen für die Vorbereitung zur Firmung und für die Frage, wie man Firmlinge nach der Firmung einbindet.

Wenn es also beim Sakrament der Firmung um eine Stärkung junger Menschen geht, die aus einer Öffnung und einem Freiraum für den Heiligen Geist geht, dann wäre weniger die Frage, wie man den Glauben und Jesus Christus in die Jugendlichen hineinpflanzen kann, sondern dann geht es zunächst um die Begleitung junger Menschen. In dieser Begleitung und im Dasein mit und für sie entsteht ein Möglichkeits- und Erfahrungsraum für das Leben und für den Glauben – es müsste also um das Leben und um den Glauben gehen, da Christus selbst Gott und Mensch war. Daraus kann eine vorläufige Entscheidung für den Glauben an Christus entstehen, weil Jugendliche im Alter von 13, 14 Jahren noch nicht in der Lage sind, Lebensentscheidungen zu treffen.

Am Leben der Jugend ansetzen

Von diesem Ansatz müsste dann die Firmvorbereitung geprägt sein. Sie setzt am Leben der Jugendlichen an: ihrer Musik, an Videos, an Serien, an Fragen zu Klima und Krieg, an Themen wie Familie und Beziehung, an popkulturellen Zeichen wie Tattoos ... Am besten können diese Themen eingeholt werden, wenn im Leitungsteam der Firmung selbst Jugendliche fester Bestandteil sind. Sie sind noch nah am Leben der Firmanden dran.

Ein weiteres Problem stellen die Unterschriften- oder Punktelisten in der Vorbereitung zur Firmung dar, durch die Jugendliche die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen ableisten müssen. Ein Jugendlicher sagte mir einmal, dass er froh ist, wenn er die Liste abgeleistet hat und dann würde man ihn hier nie wieder sehen. Wenn das Sakrament von Gott her tatsächlich bedingungslos ist, dann stellt sich die Frage, was die Bedingungen für den Erhalt der Firmung sind. Vielleicht sind es ein paar Basics. Für alle Jugendlichen, die mehr wollten, bot ich immer einen Kurs Lebensfragen an. Dieser war allerdings freiwillig. Ohne Freiraum, in dem sie spüren, dass es um sie geht und nicht um eine Rekrutierung in ein System, wird es schwierig sein, dass sie auch nach der Firmung noch Interesse haben.

Gute Beziehungen entscheidend

Das Entscheidende in der Firmvorbereitung wird womöglich sein, dass sie die Erfahrung machen, dass es um sie geht und dass sie mit ihrem eigenen Lebenswissen ernst genommen werden, dass sie sich über Glaubens- und Lebensfragen austauschen können und vor allem dass es Menschen gibt, sowohl Begleiterinnen und Begleiter als auch andere Jugendliche, mit denen sie in Beziehung gekommen sind. Mit denen möchten sie auch nach der Firmung noch in Kontakt bleiben. Vielleicht ist das Entscheidende, dass in der Vorbereitung Begegnungs- und Beziehungsräume eröffnet werden und nicht nur Katechesen, die eine kommunikative Einbahnstrasse darstellen. Als solche werden sie nicht besonders nachhaltig sein. Und nach der Firmung müsste es dann wiederum Beziehungs- und Begegnungsräume geben, in denen es Raum für das Soziale und für die Beziehung zu Gott gibt.

Ob die überalterte Struktur von Pfarren, in der es oft keinen Blick und keinen Schwerpunkt für Jugendarbeit gibt, überhaupt in der Lage ist, einen Begegnungsraum für junge Menschen zu sein, der wiederum ihre eigenen Heimaträume verändern würde, stellt nochmals eine viel grundsätzlichere Frage dar. Deshalb glaube ich, dass Diözesen und Pfarren eine grundsätzliche Entscheidung für junge Menschen treffen müssten und sie sie nicht nur als Appendix im Rahmen der Firmung ansehen dürften. Eine solche Entscheidung würde aber eine Entscheidung für Räumlichkeiten und hauptamtlich geeignete Personen bedeuten, die sich im Verbund mit anderen Playern im Sozialraum, den Schulen, den Vereinen oder offenen Treffs, für ein gutes Leben junger Menschen engagieren würden. Eine Kirche, eine Pfarre, eine Gesellschaft ohne junge Menschen, die oft vergessen sind, werden nicht zukunftsfähig sein.

Autor ist Univ.-Prof. Dr. Bernd Hillebrand vom Institut für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie an der Uni Graz. Er zählt zu den führenden Experten zum Thema.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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