Wort Gottes
Wer seid ihr? Namenlose Frauen in der Bibel

Ein seltenes Bild: Maria von Magdala berichtet den Jüngern von der Auferstehung Jesu. Ausschnitt aus einer Miniatur des Albani-Psalters. 
 | Foto: Wikimedia Commons
  • Ein seltenes Bild: Maria von Magdala berichtet den Jüngern von der Auferstehung Jesu. Ausschnitt aus einer Miniatur des Albani-Psalters.
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Sie werden meist übersehen und überlesen. Doch sie alle hatten einmal einen Namen. Alle hatten eine Geschichte, die wir von manchen in Teilen noch kennen. Oft drücken diese Frauen etwas Exemplarisches, Typisches aus, damit Leserinnen und Hörer selbst in ihre Rolle schlüpfen können.

Ich habe dich beim Namen gerufen“, spricht Gott im Buch Jesaja. Der Name steht für die individuelle Persönlichkeit eines Menschen und Gott spricht jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit an. Die Namensgebung ist in der Antike ein Zeichen von Macht und Anerkennung zugleich: Nur dem Vater stand in der Regel das Recht zu, seinen Kindern einen Namen zu geben. Der Name eines Menschen zeigte in erster Linie seine familiäre Abstammung und Zugehörigkeit, während heute die Namensgebung auch ein Ausdruck eines Lebensgefühls sein kann oder die Beziehung zu einem besonderen Menschen widerspiegelt.

Die Schreiber und Poeten der Bibel lebten in einer Welt, die von Männern dominiert war. Dass auch Frauen an den vielfältigen Texten der Bibel mitgeschrieben haben, lässt sich nicht beweisen. Aber: Dass Frauen Akteurinnen in den biblischen Erzählungen sind, ist unbestreitbar: von Eva und Sara (der Frau des Abraham) – um nur die berühmtesten zu nennen – über Heldinnen wie Judit und Ester bis hin zu Prophetinnen wie Mirjam oder die Jüngerin Maria von Magdala. Und es gibt die große Schar jener, deren Namen nicht genannt werden: die Frau, die Tochter, die Magd ... Sie stehen meist im Schatten großer Personen oder wichtiger Ereignisse.

Es gab „viele andere“ Frauen, die sich Jesus angeschlossen hatten: die sein Leben teilten, ihn unterstützten, von ihm lernten und mitarbeiteten.

Auch zur Jesusbewegung gehörten bekanntlich nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Und neben den berühmten Frauen wie Maria, der Mutter Jesu, oder Maria aus Magdala, Johanna, Salome und Susanna gab es noch „viele andere“ Frauen (vgl. Lk 8,3), wie die Bibel sagt, die sich Jesus angeschlossen hatten: die sein Leben teilten, ihn unterstützten, von ihm lernten und mit ihm arbeiteten. Auch die Namen der meisten männlichen Jünger kennen wir nicht – abgesehen von den zwölf Aposteln. Offenbar überliefern die Evangelisten vor allem die Namen jener Personen, die für ihre Adressaten von Bedeutung waren.
Doch auch die namenlosen Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Bibel, die weit über ihre schattenhaften Konturen hinausgeht. Sie stehen oft symbolisch für etwas Typisches und Exemplarisches. Ihre Namenlosigkeit schafft die Möglichkeit, sich mit ihnen zu identifizieren – über die Jahrtausende hinweg.

Die Arme hilft noch Ärmeren

So stellt Jesus seinen Zuhörerinnen und Zuhörern eine namenlose Witwe als Vorbild vor Augen, die von dem wenigen, das sie besitzt, „alles, ihren ganzen Lebensunterhalt“ (Mk 12,44) in den Opferkasten wirft. Diese Frau steht im Kontrast zu den Schriftgelehrten, die zwar fromm reden, aber sich auf Kosten der Armen bereichern (Mk 12, 38-40). Die arme Witwe hingegen hilft noch ärmeren Menschen. Jene anonyme Frau, die Jesus kurz vor seinem Sterben das Haupt salbt, macht den Leserinnen und Lesern deutlich, wer Jesus wirklich ist: der Gesalbte Gottes, der Messias (Mk 14,3–9). Während der Gastgeber namentlich genannt wird, bei dem Jesus einkehrt (Simon der Aussätzige), bleibt die Frau mit dem kostbaren Alabastergefäß namenlos: Sie wird für ihre Verschwendung kritisiert, lässt sich aber nicht beirren: Sie salbt Jesus wie einen König, dessen Herrschaft darin besteht, dass er den letzten Platz als Diener einnimmt.

Und natürlich sind unter denen, die Jesus geheilt hat, auch Mädchen und Frauen: die Schwiegermutter des Petrus etwa (Mk 1,29–31), die „gekrümmte“ Frau (Lk 13,10–17) oder die Tochter des Synagogenvorstehers JaÏrus, die vom Tod erweckt wird (Mk 5,21 ff.). Dass Gott über alle Grenzen hinweg großzügig ist und sein Heil allen Menschen gilt, beweist eine Syro-Phönizierin (aus der römischen Provinz Syrien) mit ihren Argumenten. Sie widerspricht Jesus und dieser lässt sich von ihr überzeugen (Mk 7,26–39).

Wo bin ich „gekrümmt“, blind oder unverständig?

„In den Heilungsgeschichten scheint es bei aller Individualität der Schicksale, die in ihnen zum Ausdruck kommt, auch um Exemplarisches zu gehen“, schreibt die deutsche Theologin Sabine Bieberstein in der Zeitschrift „Bibel heute“. Verschiedene Menschen erfahren Gottes Kraft am eigenen Leib, ihr Leben nimmt eine heilsame Wendung. Auch wenn wir heute eine Heilungsgeschichte lesen, können wir uns angesprochen fühlen: Wir können uns mit der Person identifizieren und uns fragen: Wo bin ich „gekrümmt“, blind oder unverständig – wo brauche ich Heilung und Gottes Hilfe? Habe auch ich Heilung erlebt?
Insgesamt 20 Frauen werden im Neuen Testament ohne Namen genannt und sie gewähren auch einen Blick in die damalige Alltags-Welt von Frauen. Zwei davon sehen Sie in den Info-Kästen rechts vorgestellt.

Online-Vortrag zum Thema: Was erzählen die biblischen Geschichten über die Frauen damals und was über uns und unsere Zeit? Wie können sie in der Pastoral eingesetzt werden? Am Welttag des Buches, 23. April, spricht die Theologin Barbara Janz-Spaeth ab 19 Uhr über namenlose Frauen der Bibel. Kein Teilnahmebeitrag! Bibelwerk Linz, Tel. 0732/7610-3231, bibelwerk@dioezese-linz.at.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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