Mobiler Hospizdienst und Krankenseelsorge
Beistehen – auch in Coronazeiten!

Viele Senioren haben sich gerade in den vergangenen Wochen mit digitalen Medien auseinandergesetzt und sind mit Computer, Laptop oder Handy vertrauter geworden. Der Mobile Hospizdienst bietet Angehörigen auch via diesen Mitteln Begleitung an.
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  • Viele Senioren haben sich gerade in den vergangenen Wochen mit digitalen Medien auseinandergesetzt und sind mit Computer, Laptop oder Handy vertrauter geworden. Der Mobile Hospizdienst bietet Angehörigen auch via diesen Mitteln Begleitung an.
  • Foto: Tanja Esser – stock.adobe.com
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Den sterbenden Menschen besuchen, für ihn da zu sein, seine Hand zu halten, ihn zu berühren und sich liebevoll zu verabschieden, gehört zu den letzten Liebesdiensten, die man einem Menschen schenken kann. Diese Zuwendungen sind auch wichtige Schritte in der Abschieds- und Trauerarbeit für die Hinterbliebenen. In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen waren solche Handlungen und Rituale nur sehr eingeschränkt möglich. Das mussten vor allem Angehörige, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mobilen Hospizdienstes der Caritas St. Pölten sowie der Krankenseelsorge der Diözese St. Pölten schmerzlich erfahren.

„Wir standen den Sterbenden und ihren Angehörigen, nach einer Zeit der höchsten Vorsicht, so gut es ging und es möglich und gewünscht war, zur Seite“, sagt Edda Kaufmann, Leiterin des Mobilen Hospizdienstes. Doch es galt dabei einige Hürden zu bewältigen: Einerseits war die Situation insgesamt wegen der Auflagen wie das Tragen des Nasen-Mund-Schutzes oder der Abstandsregeln sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Angehörigen eine schmerzhafte Erfahrung, sagt Edda Kaufmann. „Es ist so wichtig, dass man die Hand des Sterbenden halten darf, dass es Nähe gibt, dass man die Gestik und Mimik des anderen sieht. Das alles war durch das Virus nicht möglich.“ Edda Kaufmann befürchtet, dass es wohl „eine Weile dauern wird, um das alles richtig verarbeiten zu können“, und dass es auch zu verzögerten und komplizierten Trauerreaktionen kommen kann.

Andererseits konnte eine Anzahl von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen selbst zur Risikogruppe zählen, keine Begleitung übernehmen. Sie – und andere Mitarbeiter des Mobilen Hospizdienstes – konnten aber Trauernde – soweit es möglich war – über das Telefon bzw. das Internet begleiten.

Diese Formen der Begleitung – ob nun via Telefon, Video, Sprachnachrichten oder Briefe – seien zwar hilfreich, aber kein wirklicher Ersatz für den unmittelbaren Kontakt und für Be­rührungen, sagt Edda Kaufmann. Zudem seien diese Mittel für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen oder mit Demenzerkrankungen nur eingeschränkt oder gar nicht nutzbar. Diese Menschen bräuchten nicht nur, aber gerade bei schweren Erkrankungen oder in der letzten Lebensphase durch ihre Angehörigen, durch Seelsorger oder Mitarbeiter des Hospizdienstes die persönliche und unmittelbare Zuwendung. „Wichtig ist, dass bei Beachtung aller Regeln die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt“, sagt Kaufmann. Das gelte auch jetzt, wo die Vorgaben aufgelockert wurden und regelmäßige Besuche leichter möglich sind als bisher.

Krankenseelsorge in Corona-Zeiten

Christine Winklmayr, Leiterin der Krankenseelsorge der Diözese St. Pölten, weist ebenfalls darauf hin, dass sich momentan die Türen in Krankenhäusern und Heimen immer mehr öffnen und die Seelsorge wieder mehr Zutritt zu den Patienten bzw. Klienten bekommt. Allerdings immer unter Einhaltung der bekannten Auflagen wie des Tragens des Nasen-Mund-Schutzes oder der Einhaltung der Abstandsregel. „Jetzt ist wieder mehr möglich“, sagt Winklmayr. Aber auch sie verweist auf die schwierige Situation während der Zeit der Ausgangsbeschränkungen. Da habe sie von älteren Menschen, die in einem Pflegeheim von keinem Angehörigen besucht werden durften, schon einmal Sätze wie diese gehört: „Wenn ich so leben muss, dann will ich lieber sterben.“ Die Seelsorgerin befürchtet: „Was die Isolation bewirkt hat, wird man wohl erst später sehen. Ich glaube, da muss viel nachgeholt werden.“

Auch Winklmayr verweist auf die besonders schwierige Lage während der Ausgangsbeschränkungen für Menschen mit intellektuellen Einschränkungen oder Demenzkranke. Immer wieder habe man gehört, dass es sehr schwierig bis unmöglich war, den Betroffenen die Situation zu erklären.

Rituale tragen und bergen

Wie wichtig Rituale sind, wie sie tragen und bergen können und etwas Heiliges sind, wurde vielen Hinter­bliebenen gerade bei den Begräbnissen in den letzten Wochen bewusst. Diese waren nur im kleinen Kreis möglich. Doch gerade deshalb wurde in unseren Pfarren besonders darauf geachtet, dass die Trauerfeiern sehr würdig und auf ihre Weise schön gefeiert wurden.

Vielen Trauerfamilien ist es dennoch wichtig, dass nach der Aufhebung der Corona-Beschränkungen ein Gedenk-gottesdienst für ihre Verstorbenen gefeiert wird. Ein Sohn, dessen Vater im April starb, zu Kirche bunt: „Wir haben unseren Vater in einer sehr schönen, stillen und trotzdem feierlichen Zeremonie zur letzten Ruhe getragen, aber dass viele aus unserer Familie, aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis nicht kommen konnten, hat uns weh getan. Das wäre für unsere Familie tröstlich gewesen. Wir werden aber bestimmt später, wenn hoffentlich bald alles vorbei ist, zu einem Gedenkgottesdienst einladen.“


Ein Brief aus Mariazell

Mag. Thomas Pichler ist Krankenhausseelsorger in der Universitätsklinik in Krems. Rund um die Corona-Krise hat er sich an eine alte Familiengeschichte erinnert, die er uns in einem „Brief aus Mariazell“ freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Vor hundert Jahren erhielten meine Ururgroßeltern einen Brief aus Mariazell: Eine geistliche Krankenschwester hatte ihn im Namen eines Patienten im Lazarett geschrieben. Er war Alumne, also ein Priesterseminarist, und war durch die Wirren des Ers­ten Weltkrieges in diesem Lazarett gelandet. Im Brief war zu lesen, dass es ihm nicht gut gehe und er die Eltern gerne noch einmal sehen würde. Sofort machten sich meine Ururgroßeltern auf den Weg vom oberen Waldviertel nach Mariazell, hauptsächlich per Eisenbahn. Als sie im Bahnhof St. Sebastian ankamen, war gerade das Läuten einer kleinen Glocke zu hören. Meine sehr fromme Ururgroßmutter interpretierte es als „Zügeglocke“ und bat ihren Mann: „Jetzt beten wir ein Vaterunser für die arme Seele!“ Als sie ins Lazarett kamen, teilte man ihnen mit, dass ihr Sohn gerade vor einer Viertelstunde verstorben sei.

Da eine Überführung der Leiche in diesen Zeiten viel zu kostspielig gewesen wäre und es der letzte Wunsch des Verstorbenen war, im Gnadenort begraben zu liegen, kümmerten sich die Eltern um eine einfache Grabstätte, bestatteten den Sohn mit einer stillen und einfachen Einsegnung und fuhren wieder mit dem Zug nach Hause. Erst als sie wieder daheim waren, wurden die Geschwister und Verwandten über den Tod des Sohnes informiert und in der zuständigen Pfarrkirche ein Requiem gehalten.

Meine Großmutter hat mir oft diese Geschichte ihres Onkels erzählt. Erst kürzlich, nach Wegfall der Archiv­sperre, habe ich die Eintragung im Mariazeller Totenbuch erforscht. Nun kenne ich auch Datum und Todesursache, die mir meine Großmutter nicht überliefern konnte: 17. Dezember 1918. Todesursache: Spanische Grippe. Am 100. Todestag habe ich für ihn eine Messe in Mariazell zelebriert. Dass es bald darauf wieder eine Epidemie mit ähnlichen Situationen geben würde, konnte ich da noch nicht ahnen.

Die neuen Vorschriften

  • Bei der Krankenkommunion (und beim Viaticum) außerhalb von Krankenhäusern ist im Vorfeld der Besuch mit den Ange­hörigen gut zu besprechen und vorzubereiten.
  • Der Spender hat den Mund-Nasen-Schutz zu verwenden und bei den Gebeten den Mindestabstand von 2 Metern einzuhalten.
  • Da es sich in der Regel um die Mundkommunion handelt, ist für die Kommunionspendung ein Einweghandschuh zu verwenden.
  • Die Verwendung eines Einweghandschuhs gilt auch für die Spendung der Krankensalbung.
Autor:

Sonja Planitzer aus Niederösterreich | Kirche bunt

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