Sommerakademie in Gaming
Arbeitnehmervertreter diskutierten volkswirtschaftliche Herausforderungen

Vertreterinnen und Vertreter der Katholischen Arbeitnehmer/innen Bewegung (KAB), der Betriebsseelsorge, der Arbeiterkammer und der Gewerkschaft trafen sich drei Tage lang in der Kartause Gaming zum traditionsreichen Austausch über aktuelle gesellschafts- und wirtschaftspolitische Herausforderungen.

Besonders gewürdigt wurde der langjährige Amstettner Betriebsseelsorger und Initiator der Sommerakademie, Franz Sieder. Er sei ein „Brückenbauer zwischen Kirche und Arbeitswelt“, hieß es. Sieders Engagement beruht auf der Überzeugung, dass der Glaube an Jesus Christus untrennbar mit dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Frieden verbunden ist. Er verwies u. a. auf die weltweiten Rüstungsausgaben: Würden diese halbiert, stünden 1.220 Milliarden Euro für zivile Zwecke zur Verfügung. Damit könnten viele gute Arbeitsplätze geschaffen, Hunger und Armut bekämpft, Bildung ermöglicht, die Trinkwasser- und Sanitärversorgung verbessert sowie Maßnahmen gegen den Klimawandel finanziert werden.

Vereint im Einsatz gegen menschenverachtende Ideologien

Prof. Georg Kovarik, Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschaftsfunktionär, unterstrich die Bedeutung der Sommerakademie: „Die hier vertretenen Organisationen setzen sich gegen menschenverachtende Ideologien ein. Bei ihnen hat der Mensch Vorrang vor dem Kapital. Gerade in diesen Zeiten ist ihr Einsatz besonders wichtig!“ In seinem Referat beschäftigte er sich mit volkswirtschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt.

Mit Sorge diskutierten die Teilnehmenden u. a. die Entwicklung in den USA. Diese führe teilweise weg von rechtsstaatlichen Strukturen und könne demokratische Institutionen gefährden. Dabei gehe es nicht allein um wirtschaftliche Fragen, sondern ebenso um gesellschaftliche und ideologische Entwicklungen. Große Technologie- und IT-Konzerne würden zudem zunehmend politischen Einfluss gewinnen.

Überzeugung, dass der Glaube an Christus untrennbar mit dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit und Frieden verbunden ist.

Kovarik beschrieb eine Weltwirtschaft im Umbruch. Die Phase einer immer stärkeren Globalisierung scheine vorbei zu sein. Zölle, Exportbeschränkungen und nationale Interessen gewännen wieder an Bedeutung. Europa gerate zunehmend zwischen die USA und China und könnte unter deren wirtschaftlicher Konkurrenz besonders leiden.

Als warnendes Beispiel nannte Kovarik den früheren „China-Schock“. Durch Produktionsverlagerungen gingen im Westen viele Industriearbeitsplätze verloren, ganze Regionen gerieten wirtschaftlich und sozial unter Druck. Deutschland und Österreich seien aufgrund ihrer spezialisierten Industrie vergleichsweise besser durch diese Entwicklung gekommen. Nun drohe eine neue Phase: Die USA schützten verstärkt ihren eigenen Markt und beschränkten Chinas Zugang zu Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig könnten dadurch mehr chinesische Waren nach Europa drängen und den Wettbewerbsdruck auf europäische Betriebe erhöhen.
Kaplan Sieder und weitere Teilnehmer resümierten: „Der Markt braucht Regeln. Gemeinwohlorientierte Bereiche dürfen nicht privatisiert, soziale Standards und Errungenschaften der Gewerkschaften nicht demontiert werden – dies entspricht auch der Katholischen Soziallehre.“

40 Jahre Partnerschaft mit der KAB Hildesheim

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft kam es auf Einladung der KAB St. Pölten zu einem Treffen mit der KAB Hildesheim auf Vorstandsebene, berichtet Josef Riegler von der KAB. Im Mittelpunkt standen der Austausch über kirchliche und gesellschaftspolitische Aktivitäten beider Bewegungen sowie das gegenseitige Lernen. Die Gäste besuchten auch die Sommerakademie in Gaming. Abgerundet wurde die Begegnung mit einer Führung bei der Landesausstellung in Mauer mit Schwerpunkt auf der NS-Zeit, einer Andacht sowie einer Wanderung durch die Erlaufschlucht

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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