Inlandshilfe: Hin- statt wegschauen
3.000 Caritas-Haussammler "on tour" für Menschen in Not
- Die Caritas startet die Haussammlung 2026: v. l.: Haussammlerin Anna Hauer, Hannes Ziselsberger, Direktor der Caritas der Diözese St. Pölten, Christa Herzberger, Leitung PfarrCaritas, Haussammlerin Drazenka Meissl, Christoph Riedl, Generalsekretär der Caritas der Diözese St. Pölten, Tamara Majnek, Armutsexpertin und Fachbereichsleiterin Caritas Inlandshilfe.
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
In den kommenden Wochen beteiligen sich 3.000 Freiwillige an der Solidaritätsaktion der Caritas in unserer Diözese, gehen von Tür zu Tür und bitten um Spenden für Hilfsbedürftige im Inland. Zudem „hören sie zu, erklären und bauen Brücken zwischen jenen, die etwas geben können, und jenen, die etwas brauchen“, heißt es seitens der Caritas.
Soziales Netz wird ausgedünnt
11.660 Menschen in Niederösterreich sind auf Sozialhilfe angewiesen. 190.000 Menschen gelten als armutsgefährdet und 67.000 leben in absoluter Armut. Weitere geplante Kürzungen im Sozialbereich würden armutsgefährdete Menschen noch weiter abzuhängen, warnt die Caritas. Maßnahmen wie die Anhebung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge bei Niedrigverdienenden, die fortgesetzte Nichtvalorisierung von Familienleistungen oder die Wiedereinführung der Anrechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe würden das soziale Netz weiter ausdünnen, erklärte Caritasdirektor Hannes Ziselsberger bei einer Pressekonferenz.
Was bedeutet Armut? „Das sind Familien, die abends überlegen, ob sie die Heizung aufdrehen oder Strom sparen. Alleinerziehende, die ihren Kindern erklären müssen, warum sie beim Schulausflug nicht dabei sein können“, so Ziselsberger weiter. Dabei müssten Menschen an sozialer Teilhabe einsparen, erklärte Tamara Majnek, Armutsexpertin und Leiterin der Caritas Inlandshilfe. „Viele ziehen sich zurück, weil selbst kleine Ausgaben nicht mehr möglich sind.“
Ein einschneidendes Ereignis – Jobverlust, Krankheit, Trennung – reiche oft aus, um eine Familie in eine akute Notlage zu treiben, so Caritas-Generalsekretär Christoph Riedl. Von den 11.663 Beziehern von Sozialhilfe kann mehr als die Hälfte – rund 7.000 Personen – kein eigenes Einkommen verdienen. Die größte Gruppe sind Kinder unter 15 Jahren (47 Prozent, 3.294 Kinder), gefolgt von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen (18,9 Prozent), und Personen im Pensionsalter (13,4 Prozent). Der durchschnittliche Bezug lag bei 786 Euro pro Monat – für im Schnitt 8,1 Monate.
Sozialberatung: Bedarf bleibt hoch
Der Bedarf an Sozialberatung der Caritas bleibe hoch, erläuterte Majnek. Die Problemlagen würden zunehmend komplexer: Zu Wohn- und Energiekosten kämen psychische Belastungen und gesundheitliche Probleme hinzu. 2025 gab es laut Caritas 12.478 Kontakte mit Klientinnen und Klienten, davon 42 Prozent Erstkontakte. 16 Prozent der Hilfesuchenden waren alleinerziehend – fast dreimal so viel wie in der Gesamtbevölkerung (6 Prozent). Insgesamt wurden 769.212 Euro an Unterstützungszahlungen geleistet.
Das mache die Haussammlung zu Botschaftern der Nächstenliebe, erklärte Ziselsberger. Zehn Prozent des Sammelergebnisses bleiben in der jeweiligen Pfarre für konkrete Hilfsprojekte vor Ort. Der Rest fließt in Einrichtungen und Projekte der Caritas in der Diözese St. Pölten, etwa in Sozialberatung, Sozialmärkte, Mutter-Kind-Häuser und die Soforthilfe nach Naturkatastrophen. 2025 wurden 700.600 Euro an Spenden erzielt. Die Sammlung wird von der EVN unterstützt, womit die Druckkosten nicht aus Spendengeldern finanziert werden müssen.
Hilfsmöglichkeiten
Caritas Spendenkonto: IBAN: AT28 3258 5000 0007 6000; Kennwort: Haussammlung; Online-Spenden unter www.caritas-haussammlung.at.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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