Erlass des Kaisers am 3. März 321
Sonntagsruhe wurde vor 1.700 Jahren Gebot

Die vor 1.700 Jahren erstmals in einem Rechtstext festgehaltene Sonntagsruhe ist auch heute in vielen Staaten Bestandteil der Verfassung. Im Bild eine entsprechende Regelung in der Weimarer Verfassung des Deutschen Reichs 
vom 31. Juli 1919.
  • Die vor 1.700 Jahren erstmals in einem Rechtstext festgehaltene Sonntagsruhe ist auch heute in vielen Staaten Bestandteil der Verfassung. Im Bild eine entsprechende Regelung in der Weimarer Verfassung des Deutschen Reichs
    vom 31. Juli 1919.
  • Foto: Foto: Harald Oppitz/KNA
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Der römische Kaiser Konstantin war es, der am 3. März des Jahres 321 nach jüdischem Vorbild die Sonntagsarbeit gesetzlich einschränkte und den Tag für Richter, Händler und die Stadtbevölkerung zum öffentlichen Ruhetag machte.

Brötchenverkauf am Sonntagmorgen, Einkaufsbummel in der City und Freizeitkleidung statt Festtagsoutfit: Der Sonntag ist nicht mehr das, was er mal war. Wenn Städte zu verkaufsoffenen Sonntagen einladen, wenn der Online-Händler Amazon an Adventsonntagen Zehntausende arbeiten lassen will – dann liegen sie quer zu einem 1.700 Jahre alten Gebot.

„Erlass des Kaisers: Alle Richter, die Stadtbevölkerung und die Betriebe aller Gewerbe sollen am verehrungswürdigen Sonn-Tag (venerabilis die solis) ruhen. Die ländliche Bevölkerung soll dennoch der Landwirtschaft frei und ungehindert nachgehen, da es oft vorkommt, dass es keinen besseren Tag gibt, um Getreide zu säen oder Weinstöcke zu pflanzen; denn ein Vorteil, den die himmlische Vorsehung gewährt hat, soll nicht durch die Wahl des Zeitpunkts verschenkt werden.“

Was Konstantin der Große mit Datum vom 3. März 321 an den römischen Stadtpräfekten Helpidius schrieb – diese Abschrift ist erhalten –, dürfte für das gesamte Reich gegolten haben. Und hat Folgen bis heute. Ob der Kaiser in seiner Entscheidung christlich motiviert war, ist unter Historikern umstritten. Der Erlass selbst gibt keinen Hinweis.

Der Begriff Sonntag ist dabei keine Erfindung der Christen. Griechen und Römer benannten ihre Wochentage nach den Planeten und deren angeblich göttlichen Kräften. Die frühen Christen dagegen feierten die Auferstehung Jesu am Tag des Herrn – „dies dominica“. Schließlich setzte sich in einigen Sprachen aber doch wieder die antike Bezeichnung durch, war doch Jesus die neue Sonne.

Der wöchentliche Ruhetag war im Frühmittelalter im deutschen Sprachraum noch kein Thema. Doch die Kirche machte Druck: Das Konzil von Narbonne (589) verhängte bei Verstößen sechs Goldstücke für einen „Freien“ und 100 Geißelhiebe für einen „Hörigen“. Es gab immer präzisere Vorschriften: Der Sonntag wurde zu einem Tag umfassender Enthaltsamkeit. Neben knechtischer Arbeit, Sex und Kriegsdienst wurden zeitweise auch Rasieren, Reiten oder Kartenspielen verboten.

Auch bei Christen blieb die Sonntagsruhe nicht unumstritten. Es sei Gott wohlgefälliger, nach dem Gottesdienst Gras zu schneiden und zu heuen und andere notwendige Arbeiten zu verrichten, als sich liederlich dem Müßiggang hinzugeben, belehrte der Züricher Reformator Ulrich Zwingli 1523 seine Gemeinde.

Die Arbeitsruhe sei im Verlauf der Kirchengeschichte fälschlicherweise immer wieder zum wesentlichen Kriterium der Sonntagsheiligung gemacht worden, kritisierte der Mainzer Liturgiewissenschaftler Adolf Adam in einem Standardwerk über das Kirchenjahr. Die Kirche habe sich den strengen Sabbat-Vorschriften des Judentums wieder angenähert, so Adam. Erst in der Neuzeit habe die katholische Kirche wieder klar in den Mittelpunkt gerückt, was schon für die frühen Christen den Kern ausmachte: die gemeinschaftliche Feier des Gottesdienstes.

Sonntagsruhe oft und vielfältig bedroht

Die Grundzüge einer Sonntagskultur mit Familienkaffee und Spaziergang bildeten sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts heraus. Allerdings nur für das Bürgertum, denn weder Bauern noch Arbeiter konnten einen regelmäßigen Ruhetag genießen. Erst mit den Sozialgesetzen zu Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Arbeit am Sonntag wieder eingeschränkt.

Immer wieder war der Sonntag auch politisch bedroht: Die Französische Revolution versuchte ebenso wie die Bolschewisten, eine andere Zeitrechnung einzuführen und den Sonntag abzuschaffen. Die Nazis organisierten Feste, Propagandamärsche und Gruppenstunden für Jugendliche, um dem Gottesdienst Konkurrenz zu machen. In der Nachkriegszeit brachten Wirtschaftswachstum sowie der arbeitsfreie Samstag ein verändertes Wochenendgefühl. Auto und Fernsehen sorgten für neue Riten. Maschinen sollen rund um die Uhr ausgelastet werden, Börsen und international arbeitende Unternehmen können sich nach eigener Darstellung eine Auszeit nicht leisten. Viele Menschen empfinden die Sonntagsruhe zudem als langweilig, wollen etwas erleben – und lassen den lieben Gott einen guten Mann sein.

Die kirchlich-gewerkschaftliche „Allianz

für den freien Sonntag“ ruft dieses historische Datum mit einer Online-Pressekonferenz am 1. März um 9.30 Uhr in Erinnerung. Mit am Podi­um ist Bischof Alois Schwarz als kirchlicher Sprecher der Sonntagsallianz.
Christoph Arens (KNA) / Red.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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