Zweiter Weltkrieg
Kinder des Krieges

Aufwachsen ohne Vater: Foto und Taschenuhr von Herbert B. (Jahrgang 1937), durchschlagen von dem Granatsplitter, der seinen Vater 1943 tötete. Der Vater trug Foto und Uhr in seiner Uniformtasche, als er im Zweiten Weltkrieg tödlich verwundet wurde. | Foto: Andreas Giesswein / NÖN
  • Aufwachsen ohne Vater: Foto und Taschenuhr von Herbert B. (Jahrgang 1937), durchschlagen von dem Granatsplitter, der seinen Vater 1943 tötete. Der Vater trug Foto und Uhr in seiner Uniformtasche, als er im Zweiten Weltkrieg tödlich verwundet wurde.
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Die Generation der Kriegskinder hatte schon im Krieg das Verdrängen gelernt, das Wegschauen, das An-etwas-Gutes-Denken: „Schau auf die Wand, dann sieht man nix“, wurde Kindern geraten. Einige haben das so verinnerlicht, dass sie sich tatsächlich an vieles nicht mehr erinnern können. Andere brauchten Jahrzehnte, um über das Erlebte zu sprechen.

So war es auch bei Ferdinand K., der im April 1945 mit 15 Jahren heimlicher Zeuge eines heute als „Endphaseverbrechen“ kategorisierten Massakers in der Nähe von Randegg wurde: Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wurden in den Schliefaugraben getrieben und dort von SS-Männern erschossen, ihre Leichen verbrannt. Erst 74 Jahre später sprach Ferdinand zum ersten Mal darüber und die aufgewühlten Erinnerungen belasten ihn schwer. (...)

Während und nach dem Krieg war es kaum möglich, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen. Auch die Eltern fanden oft keine Worte dafür. Das Schweigen half, die Erinnerungen zu verdrängen. „Das war halt damals so“, hört man in diesem Zusammenhang oft. (...)

Am 8. Mai 1945 empfahl es sich, den „Feindsender“ BBC zu hören, über den in englischer Sprache aus Ennsdorf verlautbart wurde, dass der Krieg in Europa nun beendet sei. (...)

Der Historiker Ernst H., Jahrgang 1940, aufgewachsen in Thaya im Waldviertel, erinnert sich, dass der Krieg für ihn zu Ende war, als die ersten Soldaten der Roten Armee in die kleine Stadt kamen. „Die Häuser waren alle verbarrikatiert. Durch einen Spalt zwischen Holzlatten habe ich gesehen, wie sie mit Autos und Pferden in den Ort eingezogen sind.“ Auszug aus der NÖN-Sonderedition „Schicksalsjahre 1945 bis 2005“. Verfasser: Christian Rapp. Andrea Thuile und Benedikt Vogl.

Information:
Das Magazin der NÖN-Edition Geschichte „Schicksalsjahre 1945 bis 2005. Menschen, Zäsuren und Lebensgeschichten“ (98 Seiten) ist um € 8,90 (+ € 3,00 Versand) erhältlich. Wer auch ein NÖN-Abo hat, bezahlt keine Versandkosten. Bestellungen auf NÖN.at/shop oder per E-Mail an shop@noen.at mit Namen, Adresse, Telefonnummer und NÖN-Abonummer (wenn vorhanden).

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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