Gebärdensprache
Eine besondere Sprache
- Eine Gebärdensprache ist ebenso komplex wie eine Lautsprache: Wie ein Wort kann eine Gebärde mehrere Bedeutungen beinhalten.
- Foto: JuanCi Studio / Adobe
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Rund 10.000 Menschen verwenden die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS). Die Diözese St. Pölten bietet ab September einen Einführungskurs in diese faszinierende Welt an.
Dass die Gebärdensprache mit 1. September 2005 offiziell anerkannt wurde, nennt Brigitte Baumann einen „wichtigen Schritt für die Rechte und die Sichtbarkeit gehörloser Menschen“. Seitdem ist die mit Gesten, Gesichtsmimik und Mundbild operierende Sprache ÖGS in der österreichischen Bundesverfassung als Minderheitensprache verankert.
Selbst gehörlos und zudem sehbehindert, führt die Wienerin – allen Einschränkungen zum Trotz – ein aktives Leben und wird u. a. in St. Pölten einen Einführungskurs in die Österreichische Gebärdensprache leiten, bei dem sie die Sprache vorstellt und Einblicke in die Gehörlosenkultur gewährt. Dabei werden die Teilnehmenden üben, sich an die nonverbale Kommunikation zu gewöhnen.
Eine Gebärdensprache ist ebenso komplex wie eine Lautsprache: Wie ein Wort kann eine Gebärde mehrere Bedeutungen beinhalten. Die Hände bilden dabei die „Wörter“, die Mimik zeigt Emotionen und Grammatik. Die Frage „Warum?“ wird mit einer fragenden Mimik begleitet, das Wort „Trauer“ mit einer traurigen Mimik, erklärt die Referentin, die auch an der Universität Wien unterrichtet. Körperhaltung und Bewegung spielen ebenfalls eine Rolle, z. B. bei einem Rollenwechsel in einem Gespräch: Die Richtung der Körperbewegung zeigt, wer spricht oder wohin etwas geht. Die Gestik mit dem Mund, die nichts mit Lautsprache zu tun hat, wie Brigitte Baumann betont, unterstützt den Ausdruck (z. B. BAMM für „laut“).
Ein Beispiel: So grüßt man ...
Hallo! Hand leicht vom Kopf wegwinken
Tschüss! locker winken mit der Hand
Guten Morgen! Für „gut“ werden Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, den „Morgen“ zeigt man, indem beiden Hände nach oben hin „aufgehen“ wie die Sonne.
Meist wird nicht Wort für Wort in die Gebärdensprache übertragen, sondern es gibt ein eigenes grammatikalisches System. Weltweit existieren viele Gebärdensprachen und sogar Dialekte.
Kurs in St. Pölten
Brigitte Baumann leitet den Einführungskurs „Gebärdensprache lernen“ in St. Pölten (Klostergasse 15), der am Donnerstag, 11. September, startet. Er richtet sich an Anfänger ohne Vorkenntnisse und bietet neben dem Erlernen und Üben der Sprache auch Einblicke in die Gehörlosenkultur.
Infos und Anmeldung (bis 13. 6.) bei Christiane Schalk, Tel. 02742/324- 3333, c.schalk@dsp.at.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.