Zeit für meinen Glauben
„In dieser Lebensform fühle ich mich wohl"

Diakon Siegfried Bamer: „Ich kenne auch das Gefühl der Verliebtheit. Aber ich habe gemerkt, dass es mich in Richtung Priesteramt zieht. Ich habe mich also bewusst für den Zölibat entschieden."
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  • Diakon Siegfried Bamer: „Ich kenne auch das Gefühl der Verliebtheit. Aber ich habe gemerkt, dass es mich in Richtung Priesteramt zieht. Ich habe mich also bewusst für den Zölibat entschieden."
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Siegfried Bamer wollte schon als Kind Priester werden. Nun steht er kurz vor der Weihe.

Es war einmal ein kleiner Bub, der zog den Pfarrer am Messgewand, schaute zu ihm auf und sagte: „Das, was du machst, möcht‘ ich auch machen.“ Der Bub ist mittlerweile 35 Jahre alt und steht nun tatsächlich kurz davor, in die priesterlichen Fußstapfen seines damaligen Heimatpfarrers zu treten. Im Oktober wird Siegfried Bamer zum Priester geweiht.

Dass sich die Begebenheit in seiner frühen Kindheit so zugetragen hat, weiß Siegfried von den älteren Leuten aus seinem Heimatdorf Niederabsdorf im Weinviertel. Erinnern kann er sich selber nicht daran. Woran er sich erinnert: „Meine Großmutter hat mich in die Kirche mitgenommen. Als ich die laute Orgel gehört habe, habe ich mich dermaßen erschreckt, dass ich weinend aus der Kirche gelaufen bin.“ Lange dürfte der Schreck nicht gedauert haben, denn bereits mit sechs Jahren begleitet Siegfried seine erste Heilige Messe an der Orgel.

Ein Leben lang ohne Frau?
Siegfried ist ein musikalischer Frühstarter, der sich die Grundlagen an der Orgel autodidaktisch beibringt und dessen Talent auch seine Volksschullehrerin erkennt. „Als meine Lehrerin Wind davon bekommen hat, dass ich in der Kirche die Vorabendmesse an der Orgel begleite, hat sie meinen Eltern gesagt: Der hat Talent! Ihr müsst was mit ihm machen.“ Also nimmt Siegfried Klavierunterricht. Die Leidenschaft für Musik lässt ihn nicht mehr los, Siegfried leitet siebzehn Jahre lang diverse Kirchenchöre (im Bild rechts an der riesigen Orgel im Passauer Dom) und heute noch ein Hochzeitsensemble. „Über die Musik bin ich in den Glauben hineingeschlittert“, sagt er.

Schon früh vom Priestersein fasziniert will Siegfried als junger Erwachsener dennoch gründlich prüfen, ob dieser Weg der richtige für ihn ist. „Ich wollte zuerst einen Zivilberuf erlernen und mir klar werden, ob der Zölibat meins ist. Als Jugendlicher hab ich mich schon gefragt: ‚Willst du wirklich dein Leben lang ohne Frau leben?‘“ Siegfried macht eine Lehre als Drogist und kennt auch das Gefühl der Verliebtheit. „Ich habe aber gemerkt, dass es mich in Richtung Priesteramt zieht. Ich habe mich also bewusst für den Zölibat entschieden. In dieser Lebensform fühle ich mich wohl.“

Kirche tut gut
Auf die Priesterweihe muss Siegfried coronabedingt nun doch länger warten, als ursprünglich geplant. „Das hat mich schon geschmerzt“, räumt er ein. „Mir hat da die Gelassenheit der Brautpaare geholfen, auf deren Hochzeit unser Ensemble musiziert hätte. Die mussten ihre Hochzeiten auch verschieben und haben das angenommen.“

Anvisiert ist nun der 17. Oktober als Weihetag. „Ich bin zwar eigentlich Optimist, aber angesichts der aktuellen Coronazahlen skeptisch, ob das klappen wird.“ Derweil ist Siegfried in der Pfarre Kalvarienberg im 17. Bezirk als Diakon eingesetzt. Nach der Priesterweihe geht es zurück aufs Land, in den Pfarrverband Leiser Berger.

Seine große Sehnsucht: „Ich will beweisen, dass das, was in der Kirche passiert, den Menschen gut tun soll. Dass es bei Weitem mehr in der Kirche gibt, über das man sich freuen, als über das man schimpfen kann.“

Diakon Siegfried Bamer: „Ich kenne auch das Gefühl der Verliebtheit. Aber ich habe gemerkt, dass es mich in Richtung Priesteramt zieht. Ich habe mich also bewusst für den Zölibat entschieden."
Siegfried Bamer: „Ich will beweisen, dass es bei Weitem mehr in der Kirche gibt über das man sich freuen, als über das man schimpfen kann."
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Sandra Lobnig aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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