Auf Umwegen berufen
Mein Papa, der Neupriester

Immer im Austausch. Neupriester Robert Rintersbacher und Tochter Monica diskutieren auch kontrovers: „Aber das macht uns nicht böse aufeinander.“
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  • Immer im Austausch. Neupriester Robert Rintersbacher und Tochter Monica diskutieren auch kontrovers: „Aber das macht uns nicht böse aufeinander.“
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Monica Rintersbacher hat es schon einmal geschafft, dass es Kardinal Schönborn (fast) die Sprache verschlägt: „Ich möchte Sie herzlich begrüßen und mich vorstellen. Ich bin die Tochter eines künftigen Priesters.“ Nach einer kurzen Aufklärung freute sich unser Erzbischof, die Tochter seines Priesterseminaristen Robert Rintersbacher kennenzulernen. Wie es dazu kam, erzählen Vater und Tochter beim gemeinsamen Gespräch.

Eine Woche ist seit der Priesterweihe von Robert Rintersbacher vergangen, ein langer Berufungsweg hat ein gutes Ende gefunden für einen neuen Anfang. Zum Gespräch am späten Vormittag mit seiner Tochter Monica gibt es eine süße Jause: Kardinalschnitten schmecken dem Neupriester und den Gästen. Robert Rintersbacher trägt ein Kolar-Polohemd, bei den Finessen der priesterlichen Kleidung erweist er sich bereits als Kenner von Modellen und Preisen. Monica, in der Familie kurz „Nikki“ genannt, schildert, wie die Familie den antiken Kelch aufarbeiten hat lassen – eine gelebte Form der Nachhaltigkeit und ein schönes Zeichen, dass auch liturgische Gegenstände verstorbener Priester in Ehren gehalten werden, indem sie weiterverwendet werden. So sind wir mitten bei der zentralen Frage: Warum wird man mit 68 Jahren katholischer Priester?

Ich wäre schon auf den Gedanken gekommen, Priester zu werden. Aber ich hatte das Familienbild vor mir.

Robert Rintersbacher wollte als junger Mann eine große Familie gründen, sechs Kinder hätte er gerne gehabt: „Wir sind immer eine sehr katholisch geprägte Familie gewesen. Wir haben jeder als kleines Kind schon von der Großmutter ein Büchlein mit Kindergebeten bekommen. Ich bin zu den Piaristen im vierten Bezirk in die Volksschule gegangen und dort haben sie dann auch natürlich fürs Ministrantensein geworben. Also wurde ich Ministrant. Ich hatte immer eine klare Stimme. Mit der neuen Liturgie 1966/1967 wurden Lektoren gesucht und mit 13 Jahren habe ich dann schon lektoriert. Im Jahr 1973 wurde ich von Kardinal König zum Kommunionsspender als Absolvent des zweiten Lehrgangs ernannt. Mit 14 oder 15 wäre ich schon einmal auf den Gedanken gekommen, Priester zu werden. Aber ich hatte immer das Familienbild vor mir. Also ich war schon immer katholisch prononciert.“

Monica und Robert Rintersbacher

Nach der Matura hat der junge Robert eine ganz andere Idee: „Ich habe nämlich den Versuch unternommen, ins Reinhardt-Seminar zu gehen. Ich wäre fast von zuhause ausgesperrt worden. Das sind brotlose Berufe(!). Heute bin ich froh darüber, wenn man weiß, wie diese Karrieren verlaufen und welche moralisch-sittlichen Hintergründe sich hier manchmal auftun. So hätte ich nie Karriere machen wollen.“

Robert Rintersbacher heiratet, Tochter Nikki kommt auf die Welt. Doch nach der frühen Scheidung orientiert er sich anders, beendet sein Studium, wird Offizier auf Zeit, macht beruflich Karriere in der Baugenossenschaft Alpenland. Er engagiert sich in seinen Studentenverbindungen Herulia und Norica sowie im caritativen Lazarusorden. Für Tochter Nikki hatte und hat er immer Zeit. Beide verbindet ihre Tierliebe zu Pferden, mit dabei ist Familienhund „Puppe“. Doch Robert Rintersbacher spürt, dass es da eigentlich eine ganz andere Seite gibt.

Monica und Robert Rintersbacher

Monica Rintersbacher erinnert sich: „Das Theologiestudium war schon ein bisserl im Gedanken. Der Papa hat dann ein Post-Graduate-Studium in Kirchenrecht gemacht. Er wollte schon immer in der Richtung etwas weiter tun – vielleicht in beratender Funktion durch seine wirtschaftliche Kompetenz. Da er schon z.B. einige Priester-Wohnungen gebaut hat. Für ihn ist das natürlich eine schöne Kombination, das Know-how mit der Leidenschaft zu verbinden. Und ja, es hat sich angebahnt. Also es war nicht eine „von einem Tag auf den anderen“- Geschichte.“ So erzählt sie weiter: „Der Grundplan war einmal, Diakon zu werden. Der Priester ist ein bisschen später dazugekommen. Und dann haben wir uns natürlich alle, auch die Familie, weil wir einen engen Familienverbund leben und der Papa auch sehr eng mit seinen zwei Schwestern verbunden ist, auf die Priesterweihe vorbereitet.“ Für die Familie war die Diakonenweihe ein besonderer Moment: „Das hat uns emotional so mitgenommen, weil wir gewusst haben, er hat Jahrzehnte eigentlich auf das auch unausgesprochen und jetzt ungeplanter Weise in Wirklichkeit darauf hingearbeitet. Ich war in der ersten Reihe und der Papa ist vor mir gestanden. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie mein Vater sich vor mir auf den Boden legt und quasi Gott hingibt.“

Monica und Robert Rintersbacher

Was ist Robert Rintersbacher als Seelsorger wichtig? „Die Verkündigung will ich in der Alltagssprache herüberbringen. Denn die historische Sprache mit den Gleichnissen hat das damals auch getan. Das haben die Menschen damals alles verstanden, weil sie es in der Lebenssituation miterlebt haben. Heute ist oft der Alltag sehr unterschiedlich zu dem, was sie in der Kirche erleben.“ Hier kann der Neupriester mit seiner Lebenserfahrung viel einbringen. Auch zu Hause hat er gesehen, dass es manchmal länger mit dem Glauben dauern kann. Seine Tochter wollte nämlich zunächst nichts von der Firmung wissen: „Und dann bin ich 21 Jahre alt geworden und ich habe gesagt: ‚Du Papa, ich lass mich jetzt firmen.‘ Und er hat gesagt: ‚Da schau her.‘ Für mich war es absolut richtig. Ich habe dann einen Erwachsenenfirmkurs besucht und bin im Stephansdom von Kardinal Schönborn gefirmt worden.“

Als Familie hatten wir das Gefühl: Jetzt haben wir es geschafft!

Seine Ehelosigkeit betrachtet Robert Rintersbacher nicht von der theologischen Seite, sondern von einer sehr pragmatischen Seite: „Wenn ein Priester wirklich seiner Berufung folgen will, dann hat er keine Zeit für eine Familie.“ Das sieht Monica Rintersbacher ganz anders: „Wir sind uns hier nicht einig. Aber das macht uns nicht böse aufeinander, sondern es gibt so viele Berufsbilder, wo das nicht möglich ist, also wo die Väter einfach nicht da sind. Es ist aber ganz egal, was man macht. Aber ich finde, Geistliche sind so in ihrer Haltung familiären Themen schon nahe, dass sie meiner Meinung nach – und das ist auch eine große Diskussion in der Kirche – doch sehr gute Väter sein können. Und das bestätigt sich ja. Ich bin zwar schon erwachsen und volljährig und kann über mein Leben selbst bestimmen, aber ich möchte hier schon positiv erwähnen: Mein Vater ist in einen Familienverbund aufgenommen. Wir sind sehr eng, die Geschwister vom Papa und die Cousins, Cousinen sind wie Geschwister. Der Papa ist Geistlicher und jetzt geweihter Priester. Aber er hat doch die Rolle eines Familienmitglieds und lebt damit. In der Vorstellung bei der Priesterweihe und in der Predigt der Primizmesse hat man nicht verheimlicht, dass es einen Geistlichen gibt, der ein Kind hat, sondern dass das legitim ist. Also da kann man schon gut damit umgehen.“

Und so sagt Monica Rintersbacher in ihrer fröhlichen Art: „Mir geht es eine Woche nach der Priesterweihe hervorragend, ich habe natürlich den Primizsegen vom Papa bekommen. Das war wirklich toll, weil wir als Familie jetzt das Gefühl hatten: Wir haben es geschafft.“

Autor:

Sophie Lauringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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