Meinung
Denn sie wissen nicht, was sie glauben

Über den Glauben auf dem Niveau denken und sprechen zu können, auf dem man auch sonst zu denken und sprechen gewohnt ist.“ Dies formulierte die Gründerin der THEOLOGISCHEN KURSE, Margarethe Schmid immer wieder als Zielsetzung des Theologischen Kurses. 1940, am Anfang, ging es darum, Laien zu befähigen, den nationalsozialistischen Anfeindungen theologisch fundiert entgegentreten zu können. Der Grundauftrag ist heute unvermindert gültig: Fähig zu sein, „jederzeit Rede und Antwort zu stehen“ (vgl. 1 Petr 3,15) für interessierte aber auch kritische Fragen. Mehr denn je braucht die Kirche Menschen, die wissen, was sie glauben, und ihre Überzeugung Suchenden und Fragenden verständlich machen können. Regina Polak sieht das als eine Überlebensfrage für die Kirche.

Demgegenüber befindet der Psychologe Franz Buggle „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“. Natürlich geht es im Glauben nicht primär um Wissen. Glaube ist Beziehung, Vertrauen, sich Einlassen auf Gott. Natürlich ist das erste und glaubwürdigste das Zeugnis des Lebens, das Tun des Glaubens: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (vgl. Mt 7,16). Natürlich ist auch das erzählende Zeugnis der eigenen Glaubens- und
Bekehrungsgeschichte wichtig. Aber wir glauben als vernunftbegabte Menschen, deshalb sucht der Glaube auch das Verstehen: Welchem Gott vertraue ich? Was sind die geschichtlichen Wurzeln? Es wäre ja auch in einer Liebesbeziehung unvorstellbar zu sagen: „Ich liebe dich, das reicht. Wer du bist, deine Lebensgeschichte, was du denkst, das interessiert mich nicht …“

Theologie erschließt den Glauben, vertieft das Glaubensverständnis, gibt Orientierung in einer unübersichtlichen Welt und bietet tragfähige Argumente. Theologie lädt ein zu erkennen, was dahinter steckt. Es reicht nicht, Glaubensformeln und Lehrsätze – so richtig sie auch sind – einfach zu wiederholen. Die Menschen wollen verstehen, was gemeint ist, wenn wir sagen: „Wir sind durch Jesus Christus erlöst“; „Gott ist dreifaltig“ usw. – Wissen Sie, was Sie glauben?

Mag. Erhard Lesacher (58) ist Leiter der THEOLOGISCHEN KURSE und der AKADEMIE am DOM.

Siehe auch das Interview mit der neuen Vorsitzenden des Katholischen Akademiker/innen-Verbandes Wien, Ille C. Gebeshuber, die im Rahmen der Theologischen Kurse am 6. Oktober über das Prinzip Schöpfungsverantwortung spricht.

Autor:

Wolfgang Linhart aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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