Franziskanerinnen in Simmering
Seht, die erste Kerze brennt

Zu Weihnachten stehen Laternen vor den Zimmertüren der Schwestern.
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  • Zu Weihnachten stehen Laternen vor den Zimmertüren der Schwestern.
  • Foto: Franziskanische Schwestern von der Schmerzhaften Mutter
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Acht Schwestern und eine Postulantin leben im Kloster der Franziskanerinnen in Wien-Simmering. Die Bräuche der Vorweihnachtszeit werden in der kleinen Hausgemeinschaft mit Liebe gepflegt. Sr. Elisabeth von der Gnade Gottes erzählt uns, wie sie und ihre Mitschwestern den Advent 2020 gestalten und regt an, traditionelle Bräuche wiederzubeleben.

Adventlich geschmückte Reisigzweige an den Türen, ein großer Adventkranz aus Tannengrün in der Kapelle, ein duftender Weihnachtsteller mit Kerzen im gemütlichen Wohnzimmer sowie intensives Keksebacken in der Klosterküche. Das Lebensmotto der Franziskanerinnen in Wien-Simmering „Um anderen die Fülle des Lebens zu bringen“ gilt ganz besonders auch in der Advent- und Weihnachtszeit und drückt sich in liebevoll gepflegten Adventritualen aus.

Wonach wir uns sehnen
„Der Lockdown bietet uns die Möglichkeit, dass wir diese geschenkte Zeit auch für Ruhe und Besinnung nützen können, für dieses Warten und Erwarten des Weihnachtsfestes“, sagt Sr. Elisabeth von der Gnade Gottes im Gespräch mit dem SONNTAG. Für viele sei der Advent in „normalen Zeiten“ eine sehr stressige Zeit mit Einkäufen, Erledigungen und Terminen. Sr. Elisabeth, Ordensfrau seit 1995, regt an, den jetzigen Lockdown zu Hause auch für das Pflegen von traditionellen Adventbräuchen zu nützen, die in anderen Jahren vielleicht zu kurz kommen. „Möglicherweise ist dieser ruhige Adventbeginn ja genau das, wonach wir uns sehnen“, überlegt die Franziskanerin und Kindergärtnerin. Sr. Elisabeth leitet die österreichische Delegation der Franziskanischen Schwestern von der Schmerzhaften Mutter.

„Spontan auf das reagieren, was gerade möglich ist“ lautet derzeit die Devise. Die Schwesterngemeinschaft setzt im Advent mit ihren Erfahrungen aus dem ersten Lockdown auf Flexibilität und streamt fast täglich Gebete und Impulse auf ihrem Youtube-Kanal.

„Der Advent ist für uns jedes Jahr eine ganz besondere Zeit. Am Beginn haben wir einen Schwesternabend, wo wir die Zeit bis Weihnachten planen und uns ausmachen, wer welche Aufgaben übernimmt“, erzählt Sr. Elisabeth.

Adventkranz selber segnen
Jede Phase der Vorweihnachtszeit wird bei den Schwestern intensiv begangen und mit fast kindlicher Freude gepflegt. Den Beginn markiert im Kloster der Franziskanerinnen die Abendvigil mit Adventkranzsegnung am Vorabend zum ersten Adventsonntag. Adventkranzsegnungen in den Kirchen fallen heuer aus. Sr. Elisabeth: „Wir haben immer einen sehr großen Adventkranz bei uns in der Kapelle, den wir auch selber binden. Wir haben diesen schon in den vergangenen Jahren, seit wir keinen Hauspriester mehr haben, selbst gesegnet. Das darf man auch, denn segnen kann jeder.“

An jedem Sonntag-Abend im Advent sitzen die Ordensschwestern rund um den Adventkranz im Wohnzimmer. „Wir zünden die Kerzen an und singen. Ich mag die Adventlieder sehr gerne und freue mich, wenn wieder die Zeit kommt. Es gibt Geschichten oder beruhigende Musik.

Diese Abende sind ganz individuell gestaltet“, schildert Sr. Elisabeth von der Gnade Gottes. Auch einen Adventkalender mit Geschichten und Texten gibt es im Speisesaal des Klosters. „Wir haben einen befüllbaren Adventkalender und jede Schwester übernimmt zwei bis drei Türchen. Meist ist nichts Materielles drinnen, sondern ein kleiner Text, ein Gedicht oder ein Impuls. Der jeweilige Inhalt des Adventkalenders ist dann immer für alle Schwestern gedacht“, erzählt Sr. Elisabeth. Sr. Michaela stellt beim Adventkalender einen gemütlichen Schaukelstuhl und eine schöne Lampe auf, damit man es sich gemütlich machen kann, um den jeweiligen Impuls zu lesen und auf sich wirken zu lassen.

Barbarazweige und „Hühneraugen“

Hier im Speisesaal der Schwestern wird am 4. Dezember auch an das Fest der hl. Barbara mit einer Vase voll Barbarazweige erinnert. „Jede Schwester kann sich dann einen der Zweige mit auf ihr Zimmer nehmen und sich an den Blüten freuen“, so Sr. Elisabeth.

Ganz klassisch wird das Fest des hl. Nikolaus am 6. Dezember begangen: „Wir sitzen bei Punsch und Lebkuchen um den Tisch im Wohnzimmer. Unsere Leiterin, Sr. Annemarie, richtet die Nikolaussackerln her – meist rote Sackerln mit Mandarinen, Äpfeln, einem SchokoNikolaus und Nüssen.“ Jede Schwester bekommt natürlich eines, ebenso die Postulantin (Novizin) und Teilnehmerinnen am Freiwilligen Ordensjahr, die für eine gewisse Zeit im Kloster mitleben.

Während die ersten Adventheiligen ins Land ziehen, wird in der Klosterküche bereits eifrig gebacken. „Kekse backen ist ein großes Thema bei uns. Sr. Theresa ist unsere Haus- und Hofbäckerin. Ihre Kekse schmecken nicht nur gut, sie sind auch eine Augenweide“, schwärmt Sr. Elisabeth. Die Geschmäcker in der Klostergemeinschaft sind sehr unterschiedlich: „Einige mögen alle Kekse, wo Marmelade drinnen ist, einige wollen Windbäckerei, andere wollen die gar nicht. Sehr beliebt sind auch Linzer Augen, Nusstascherl (Mürbteig mit einer Nussfülle drinnen), die guten Bissen (Mürbteigkekse gefüllt mit Marmelade und zur Hälfte in Schoko getunkt), ebenso ,Hühneraugen‘ – Nusskugerl mit einer Dotterglasur. Auch Lebkuchen darf nicht fehlen.“

Wird zum Fest des hl. Nikolaus der erste Lebkuchen verkostet, steht am 7. Dezember, vor dem Hochfest „Mariä Empfängnis“, ein Fasttag auf dem Programm. Sr. Elisabeth: „Der 8. Dezember ist für unsere ganze Ordensgemeinschaft eines der höchsten Feste.

Vor besonderen Festen gibt es bei uns einen Fasttag. Einige Schwestern haben an diesem Marienfeiertag ihre ewigen Gelübde abgelegt. Wir singen die Laudes und Vesper besonders feierlich und schmücken die Kapelle.“

Regen Austausch pflegen die Schwestern mit der Pfarre Alt-Simmering. „Wir haben ein sehr gutes Miteinander mit unserer Pfarre, von der wir nur wenige Schritte entfernt sind. Unsere Christmette werden wir heuer voraussichtlich aufgrund der Abstandsregeln in der Pfarrkirche feiern“, blickt Sr. Elisabeth voraus.

Die Weihnachtszeit dauert dann noch bis zum 10. Jänner („Taufe des Herrn“) an und wird von den Franziskanerinnen mit besonderer Freude begangen. Möge ihnen das neue Jahr Glück und Segen bei all ihren Aufgaben und Vorhaben bringen!

Autor:

Agathe Lauber-Gansterer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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