6. Sonntag der Osterzeit | 14. Mai 2023
Meditation

Die Installation „Store, (Windstoß)“ von Nina Schuiki, zu sehen 2021 in der Ausstellung „EINATMEN – AUSATMEN“ des KULTUM Graz, ist Teil seiner Sammlung.
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Der Geist des Konzils

Für mich hat das Konzil insgesamt sehr viel mit dem Heiligen Geist zu tun, und sein Wirken ist eben nicht einzugrenzen oder vorauszusehen, kann nur da und dort erfahren werden. Für mich aber hat der Heilige Geist unübersehbar vieles bewirkt.

Was das Konzil wollte, ist erstaunlich schnell in den Ortskirchen aufgenommen worden. In manchen Ländern, wie in Lateinamerika, hat die Kirche in einer ganz neuen Art zu leben begonnen, selbst die Bischöfe haben ihr Amtsverständnis und ihren Lebensstil total verändert. Ich staune, dass heute Priester und Laien, die das Konzil noch gar nicht bewusst miterlebten, oft seine Intentionen besser verstehen und zu verwirklichen versuchen als jene, die das Konzil noch mitgestalteten und später Zweifel bekamen.

Ich sehe das Wirken des Geistes bis hinein in die neuen Aufbrüche der Kirche, die es ohne das Konzil wohl nicht gegeben hätte. Ich meine nicht nur neue spirituelle Gruppen, sondern ein so erstaunliches Engagement von immer mehr Laien in den Pfarren.

Für mich sind auch die kirchenkritischen Gruppen eine Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes, der sich wohl ihrer bedient, um unerkannte Mängel in der Kirche endlich aufzudecken und längst fällige Erneuerungen anzumahnen. Der Geist des Konzils hat zu einer wachsenden Offenheit in der Kirche geführt, zur größeren Selbstständigkeit der einzelnen Kirchenglieder, zum Mut, Neues zu beginnen und alten Ballast abzuwerfen. Ich meine, dass der Geist heute in Basisgruppen wirkt und auch in Bischöfen weltweit, dass er auch in anderen christlichen Kirchen wirkt, um uns an das gemeinsame Erbe zu mahnen, aber auch an die Mängel, die zur Trennung führten.

Der Geist des Konzils lässt sich nicht aufhalten. Und wo man sich ihm widersetzt, wird manches so ad absurdum geführt, dass es dann, wenn auch später, wie von selbst zu großen Änderungen kommen wird.
Mein Priesterleben ist durch das Konzil geprägt. Ich bin dankbar dafür, erleben zu dürfen, wie Gott seine Kirche führt. Ich sehe meine Aufgabe, dies anderen mitzuteilen und ihnen so neue Freude an der Kirche zu geben. Darum habe ich auch dieses Buch geschrieben in der Hoffnung, dass viele, die es lesen, sich fragen: Was will Gott heute mit seiner Kirche? Und: Was will er gerade von mir in dieser Kirche, dass ich für ihn ein Werkzeug werde in seinem Einsatz für die Welt?

Weihbischof Dr. Helmut Krätzl in seinem Buch „Im Sprung gehemmt“ (1998, Verlag St. Gabriel).

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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