2. Fastensonntag | 25. Februar 2024
Kommentar

Wenn die Erde den Himmel berührt

„Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler“, sagte Johann Wolfgang von Goethe. Sie sind ein Ort, der Ehrfurcht gebietet – und das im Doppelsinn dieses Wortes. Sie lassen uns staunen und entlocken uns einen spontanen Lobpreis auf den Schöpfer. Zugleich lehren sie uns Respekt und Demut. Auf einem Berggipfel fühlen wir uns gleichermaßen erhaben wie verletzlich.

Berge sind Orte der Gottesbegegnung. Und auch die kann ambivalent sein. Für Abraham ist es zunächst ein dunkler, unheimlicher Gott, der Grausames von ihm verlangt. Am Berg vollzieht sich eine Wandlung. Dort zeigt Gott sich ihm in einer neuen Weise, als einer, der nicht den Tod des Sohnes, sondern sein Leben will, der eingreift und Unheil abwendet.

Auf einem Berg wird Jesus verwandelt. Seine Erhabenheit, das göttliche Leuchten in seinem Wesen, sein Platz in der Heilsgeschichte, die Liebeszusage Gottes werden in ihrer ganzen Fülle wahrnehmbar. Solche Augenblicke lassen sich nicht festhalten, aber sie geben Kraft und schenken eine neue Perspektive. Reinhold Messner sagt: „Wir steigen nicht auf Berge, um Gipfel zu erreichen, sondern um heimzukehren in eine Welt, die uns als neue Chance, als ein nochmals geschenktes Leben erscheint.“

Alfred Jokesch
alfred.jokesch@sonntagsblatt.at

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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