Ordensleben in der Steiermark | Teil 30
1000 Hostien sind nicht genug

In der Murvorstadt haben die Minoriten im Jahr 1611 eine Heimat gefunden. Die Kirche Mariahilf ist eine beliebte Wallfahrtskirche – nicht nur für die Grazer.
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  • In der Murvorstadt haben die Minoriten im Jahr 1611 eine Heimat gefunden. Die Kirche Mariahilf ist eine beliebte Wallfahrtskirche – nicht nur für die Grazer.
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Von allen Kirchen in Graz werden die meisten Messen in Mariahilf gefeiert, erzählt Pater Petru Farcas, Guardian des Klosters am rechten Murufer. Alle seien sehr gut besucht: „Ich könnte es nicht verantworten, eine Messe zu streichen.“ An Wochentagen wird dreimal Eucharistie gefeiert, sonntags sind es fünf Messen. „Mit 1000 Hostien in der Woche komme ich nicht aus“, sagt der aus Rumänien stammende Minorit, man könne sich nur darüber freuen.

Besonders beliebt ist die tägliche Wallfahrermesse um 10 Uhr vormittags. Denn als Wallfahrtsort hat Mariahilf eine lange Tradition, bis zum Bau der Mariatroster Kirche war es die zweitwichtigste Wallfahrtskirche der Steiermark nach Mariazell. Sogar Papst Pius VI. machte auf seiner Reise nach Wien im Jahr 1782 hier Station. Dem von Pietro de Pomis gemalten Gnadenbild am Hochaltar werden so manche wunderbaren Geschehnisse zugeschrieben. Die Mariahilfer Madonna ziert als „Stadtmutter von Graz“ bis heute die Hauseinfahrten vieler Grazer Bürgerhäuser.

Die Wallfahrten und die Anwesenheit der Minoritenpatres tragen dazu bei, dass Mariahilf auch als Beichtkirche gerne genützt wird. Während jeder Messe sei der Beichtstuhl besetzt, und „ich kann mich nur an ganz wenige Male erinnern, wo niemand gekommen ist“, meint P. Petru. Heuer im Jahr der Barmherzigkeit gehört Mariahilf zu den Jubiläumskirchen mit einer geöffneten „Pforte der Barmherzigkeit“. Dadurch werde die Möglichkeit, das Bußsakrament zu empfangen, noch mehr als sonst in Anspruch genommen.

Im Grazer Konvent leben zur Zeit vier Patres aus drei Ländern – ein Österreicher, zwei Rumänen und ein Inder. Beim Zusammenleben gebe es keine Probleme. P. Petru hat bereits in Österreich studiert und gehört der Provinzkustodie Österreich-Schweiz an. „Wir sind die ursprünglichen Franziskaner“, betont er. Nach der Teilung des Ordens im 16. Jahrhundert hätten jedoch die Minoriten das Kloster auf der anderen Seite der Mur verlassen müssen. Doch die Differenzen seien längst beigelegt, erzählt P. Clemens Breineder, der „Senior“ des Konvents: „Diese Atmosphäre ist vorbei.“ Er besuche oft das Franziskanerkloster und schätze die Arbeit dort.

Im Kloster gibt es eine Kapelle für das Breviergebet. Auch das Essen und die Rekreation bieten Gelegenheit zur Gemeinschaft. „Es gibt aber auch Zeiten der Ruhe, in denen sich jeder zurückzieht“, sagt P. Petru, das brauche man auch zum Auftanken.

Außerdem nehmen die Patres die Seelsorge im benachbarten Spital der Barmherzigen Brüder wahr. Auch dort werde täglich eine Messe gefeiert und der Bereitschaftsdienst für Notrufe – auch während der Nacht – wahrgenommen. Pfarrlich ist die Pastoral für junge Familien wichtig, es gibt Ministranten, Familiengottesdienste, und „wir haben mit einer Zwergerlgruppe angefangen“.

Ein weiterer Schwerpunkt in Mariahilf ist die Kultur. Die Kirchenmusik hat einen hohen Stellenwert, es gibt regelmäßig Chor- und Orchestermessen, und die Konzertreihe „Abendmusiken“ hat lange Tradition. Es gibt eine Hör-Bibliothek und eine Theatergruppe, die Minoritensäle stehen für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung, und das international beachtete „Kulturzentrum bei den Minoriten“ ist im Klostergebäude untergebracht.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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