Wort zum Sonntag von Pfarrer Kingsley Uzor
Wer sein Leben retten will,…

Hugo von Hoffmannsthals „Jedermann“, das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes, ist auch eine Auslegung des Wortes Jesu: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ Im Stück geht es um die Frage:Wonach strebst du – und was kann dich retten? Im Bild Tobias Moretti bei den Salzburger Festspie - len 2020 zum letzten Mal als „Jedermann“ im Angesicht des Todes, dargestellt von Peter Lohmeyer.
  • Hugo von Hoffmannsthals „Jedermann“, das Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes, ist auch eine Auslegung des Wortes Jesu: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“ Im Stück geht es um die Frage:Wonach strebst du – und was kann dich retten? Im Bild Tobias Moretti bei den Salzburger Festspie - len 2020 zum letzten Mal als „Jedermann“ im Angesicht des Todes, dargestellt von Peter Lohmeyer.
  • Foto: SF / Matthias Horn
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Der Hase verspottet die Schildkröte wegen ihrer Langsamkeit: „Kommst du überhaupt voran?“ Sie erwidert: „Ja, ich bin schneller, als du denkst! Lass uns ein Rennen machen, du wirst es sehen.“ Sehr amüsiert stimmt er zu. Sie legen einen Zielpunkt fest, das Rennen ist eröffnet! Der Hase ist schnell aus dem Blickfeld, während die Schildkröte ihre ersten Schritte unternimmt. Um sie weiter zu demütigen, beschließt er, kurz vor der Ziellinie eine Pause einzulegen. Dabei schläft der Hase aber ein und wird schließlich von der Schildkröte geweckt, die langsam, aber sicher die Ziellinie überquert und ihn somit besiegt."

"Sich auf das Wesentliche konzentrieren"

"Diese Fabel erinnert uns daran, dass es wichtig ist, sich immer auf die Hauptsache zu konzen- trieren. Wir versuchen, bewusst, ständig und betend ein Gleichgewicht zwischen den Gravitationskräften der Welt und dem Jenseits aufrechtzuerhalten. Wir tragen dazu bei, die Realitäten der Welt anzuerkennen und unsere Kräfte und Talente einzusetzen, um eine menschliche Welt im Sinne Jesu zu gestalten: „Ihr seid das Salz der Erde.“ Aber jeder steht vor vielen Herausforderungen, und es ist schwierig, dieses Gleichgewicht zu finden und zu halten. So ein Mensch findet Kraft in Jesu Wort: „Wer sein Leben verliert (indem er immer an der Seite Jesu steht), wird es gewinnen.“

Jesus stellt hier ein ganzheitliches Konzept vom Leben dar, indem das Irdische im Schat- ten des Jenseits steht. Nicht aus der Welt flüchten, sondern sich als Menschen mit Leib und Seele für die Lösung der weltlichen Probleme einsetzen! Dabei wird Gott, „der uns stärkt und durch den wir alles vermögen“ (vgl. Phil 4,13), verherrlicht durch unsere Erfolge. So erkennen WissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, TheologInnen … ihre Rolle in der Welt als MitarbeiterInnen Gottes an, während AtheistInnen in ihrem profanen Leben Gott als irrelevant darzustellen versuchen.

"Unsere Verantwortung als Christen erkennen und umsetzen"

Der Glaube sollte uns zur Erkenntnis führen, dass der Lebenssinn nicht durch selbstsüchti- ge Wünsche definiert wird, sondern durch das Erkennen des Ursprungs und Zwecks unseres Daseins und unserer Verantwortung, Licht der Welt zu sein. So sollten auch alle sogenannten humanitären Tätigkeiten im Licht unserer Be- rufung als Christinnen und Christen verstan- den werden. Es entspricht nicht dieser Berufung, wenn es nur darum geht, die eigenen In- teressen zu vertreten und dem Ego durch lobenswerte humanitäre Dienste zu schmeicheln. Sich unendlichen Reichtum anzuhäufen und um jeden Preis weltlichen Ruhmzu erlangen, ist ebenfalls ein Widerspruch.

Ein Leben in Wohlstand ohne Gott ist bestenfalls bedeutungslos. Wer so lebt, wird einmal auf die Stunde der Wahrheit stoßen und merken, wie Winston Churchill, der angesichts seines nahenden Todes ausrief: „Welch
ein Narr bin ich gewesen!“ Am Ende unseres Lebens bleibt nichts von den Dingen übrig, die wir vielleicht als wichtig angesehen haben. Denn: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“ (Mt 16,26).

In der heutigen Welt, angetrieben vom unersättlichen Streben nach Reichtum und Macht, und angesichts des weltweiten Versuchs, Gott aus dem öffentlichen Raum zu verbannen, findet der Christ kaum mehr einen Platz, seinen Glauben ohne Vorbehalte zu praktizieren. Die Forderung nach politischer Korrektheit und sozialer Übereinstimmung stellt Christen vor größte Herausforderungen. Gegen weltliche Strömungen zu schwimmen
und ständig im Sinne Jesu zu handeln, ist seit jeher mit einem hohen Preis verbunden und kann buchstäblich auch „abgestellt“ werden.

Hier sagt uns Jesus: „Wer sein Leben retten will“ – im Sinne von „den Leuchter unter den Scheffel zu stellen“ (vgl. Mt 5,15) – „wird es verlieren.“ Doch gleichzeitig gibt es das Versprechen: „Wer sein Leben um meinetwillen
verliert, wird es gewinnen.“ Durch Christus gewinnt man das, was die Welt nie bieten kann – das ewige Leben. Die gute Nachricht: Das ewige Leben ist für alle erreichbar, auch für die „Schildkröte“.

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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