Wort zum Sonntag - von Wolfgang Acht/KNA
Wenn der Himmel sich öffnet

Weil Jesus sich in die Hand Gottes fallen ließ, öffnete sich in der Taufe der Himmel und erfuhr er sich als Sohn Gottes unbedingt geliebt. Das Bild zeigt eine Figurengruppe am Baptisterium des Doms in Florenz.
  • Weil Jesus sich in die Hand Gottes fallen ließ, öffnete sich in der Taufe der Himmel und erfuhr er sich als Sohn Gottes unbedingt geliebt. Das Bild zeigt eine Figurengruppe am Baptisterium des Doms in Florenz.
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Wenn kein Wort leer zu Gott zurückkehrt, dann ist es verständlich, wieso Jesus bei der Taufe durch Johannes eine so überwältigende Erfahrung machte: Es öffnete sich ihm der Himmel. Haben Sie das beim Mitfeiern einer Taufe auch schon einmal erfahren? Hat sich der Himmel geöffnet, weil Gottes Zusage für das getaufte Kind so eindeutig und unwiderruflich war und ist? Wenn nicht, sollten wir genauer hinhören und hinschauen, warum Jesus diese Erfahrung machen konnte.

Was waren die Vorausetzungen für diese Erfahrung? Jesus hat sein Zuhause in Nazaret verlassen, die gewohnte Beheimatung. Er hat sich in die Wüste begeben. Wer wechselt schon gerne seine Heimat, um seine Beheimatung in der Wüste zu finden? Wer will sich schon, um es mit einem Wort des emeritierten Papstes Benedikt zu sagen, „entweltlichen“? Wie will ich aber eine neue Erfahrung machen, wenn ich im Gewohnten bleibe, mich nicht aufmache und das Bisherige infrage stelle? Wie soll Umkehr gelingen, wenn ich nicht umkehre und einen neuen Weg suche? In der „Wüste“ (wüsten Welt) bin ich erst einmal ganz auf mich alleine gestellt, selbst wenn ich Weggefährten habe. Wir können uns gegenseitig beistehen, müssen dennoch gemeinsam die Wüste bestehen und dort entdecken, was uns überleben lässt. Erst wenn wir uns darauf einlassen, entdecken wir, wie viel Leben dort zu finden ist.

Von Johannes wird erzählt, dass er von Heuschrecken und wildem Honig lebte und so überleben konnte. Er wagte sich in die Wüste und lebte. Jesus wagte sich in die Wüste und wurde daraufhin Leben für uns alle, so dass er später sagen konnte: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).

Die Bedeutung der christlichen Taufe

Ein weiterer Schritt für den Neuanfang und die Umkehr ist die Erfahrung von Nacktheit. Wer sich von Johannes taufen ließ, der musste seine Kleider ablegen, sich von ihm rücklings in den Fluss senken und wieder aufrich­ten lassen. Er musste sich fallen lassen und anvertrauen. Nicht umsonst schreibt Paulus in Bezug auf die Taufe später: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6,3ff).

Weil Jesus sich auf den Weg machte, sich der Wüste aussetzte, sich anvertraute und durch Johannes in die Hand Gottes fallen ließ, öffnete sich ihm eine neue Perspektive, öffnete sich der Himmel. Er spürte in diesem Moment den Geist Gottes, der sich herabsenkte und ihn erfüllte. Er erfuhr sich behütet und geschützt für seinen neuen Weg. Er wusste jetzt, dass er ein neuer Mensch, ein Sohn Gottes geworden war. Denn das von Johan­nes ihm in der Taufe zugesprochene Wort kehrte nicht leer zu Gott zurück, sondern pflanzte sich tief in ihn ein. Er war Kind Gottes, Sohn Gottes geworden und erfuhr sich unbedingt geliebt. Jesus kam so verändert aus dem begonnenen Weg heraus. Eingetaucht in Gottes Zuwendung, sich der Hand des Johannes anvertrauend, erfuhr er sich vom Geist Gottes beseelt und sah den Himmel offen. Dieses Erlebnis wird folglich zum Leitthema seiner Verkündigung vom Reich Gottes. Es dürfte auch nicht verwundern, dass er später so wunderbare Gleichnisse vom Himmelreich erzählte.

Den offenen Himmel neu entdecken

Wer wünscht sich nicht den offenen Himmel in der so vielfach verschatteten Welt? Entdecken wir ihn neu, indem wir über unsere Lebensorte nachdenken, uns beweglich halten für einen neuen Weg, den Jesus vorgeschlagen hat. Verlassen wir uns darauf, dass Gott keine leeren Worte spricht, lassen wir uns vertrauensvoll in seine Hand fallen, wie es Jesus tat, der sich zugleich eucharistisch in unsere Hand, „fallen“ lässt. Wer ihn annimmt, ihn zulässt, für den öffnet sich der Himmel. Auch er weiß sich dann unbedingt geliebt. Wolfgang Acht / KNA

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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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