Wort zum Sonntag - von P. Leopold Muttenthaler SDB
Viele Rufe „Komm, folge mir!“

Viele Stimmen werben um mich. Wem kann ich vertrauen, wem kann ich folgen? Die Jünger folgen Jesus, weil sie sich von ihm angesprochen fühlen, weil sie durch ihn erfahren, was es heißt, Mensch zu werden.
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  • Viele Stimmen werben um mich. Wem kann ich vertrauen, wem kann ich folgen? Die Jünger folgen Jesus, weil sie sich von ihm angesprochen fühlen, weil sie durch ihn erfahren, was es heißt, Mensch zu werden.
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Stellen Sie ich vor, Sie sind mit dem Auto unterwegs. Da spüren Sie, dass ein Reifen langsam Luft verliert. Ein Nagel steckt. Sie halten am Straßenrand und rufen den Pannendienst. Dieser kommt und sieht nach, dann sagt er zu Ihnen: „In der Nähe ist eine Werk­stätte, folgen Sie mir langsam, ich zeige Ihnen den Weg dorthin. Die Techniker können das Rad gleich reparieren.“

Aber es gibt auch Stimmen, die uns in di­versen Medien zurufen: „Folge mir nach …“ Da bieten Internetbetrüger ‚günstige‘ Produkte, sogenannte Schnäppchen an, die das große Geld versprechen. Oder radikale Gruppierungen in einschlägigen Foren, die Jugendliche suchen, ihrem Ruf zu folgen – und sei es nur für eigene Zwecke.

Wem ehrliche Hilfe angeboten wird, der freut sich und ist dankbar, weil er die Reise fortsetzen kann. Schlimm ist es, wenn manche Angebote sich als Trick erweisen. Im Evangelium des Markus hören wir heute Jesu Zuruf an die Fischer: „Kommt her, folgt mir nach.“ Markus zeigt uns in seinem Bericht, der um 70 n. Chr. verfasst worden ist, Jesus als einen Mann, der eine ganz neue Botschaft verkündet. Schon vor seiner Gefangennahme hat der Täufer Johannes die vielen Menschen am Jordan zur Umkehr aufgerufen und sie getauft. Er hat auch seine Jünger auf Jesus, den Größeren, verwiesen und gesagt: „Dieser ist das ‚Lamm Gottes‘.“

Jesu Ruf – eine Einladung

Als Jesus auftritt, verkündet er in der Synagoge mit Vollmacht: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe“ (Mk 1,15). In der Bibelübersetzung von Albert Kammermayer heißt es noch prägnanter: „Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt; kehrt um und glaubt
an die rettende Botschaft.“

Jesus ist gekommen, die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Jesus begegnet Simon und Andreas; sie sind Fischer, stehen im Leben und erfolgreich in ihrem Handwerk, sie sind aber auch offen für das Neue der Worte
Jesu, die sie aufatmen lassen. Sie spüren: Mit diesem Jesus beginnt etwas Neues.
Er zeigt, wer Gott ist – nämlich einer, der ein Herz für die Menschen hat, der auf sie zugeht und sie einlädt, seiner Liebe zu vertrauen. Die Jünger fühlen sich angesprochen, sie verlassen ihre Arbeit, lösen auch die Familienbande, denn sie haben gefunden, was sie suchten. In der Nähe Jesu werden sie fähig, ohne Vorurteile und Angst ganz offen miteinander umzugehen. Sie erfahren, was es heißt, an der Seite Jesu Mensch zu werden.

Nachfolge

Nachfolge meint in der ursprünglichen Bedeutung ‚hinter ihm hergehen‘, von ihm lernen. Die Jünger gehen also in die Schule Jesu und bilden eine Lebensgemeinschaft. Dabei lernen sie:
- die Botschaft Jesu mit dem Herzen aufzunehmen,
- auch selber verkündigend tätig zu werden
- und die Botschaft mit Taten zu bezeugen, indem sie den Menschen heilend nahe sind und sie aufrichten. Die Liebe Christi drängt sie dabei.

Auch in unseren Tagen ruft Papst Franziskus in ähnlicher Weise auf: „Geht zu allen Menschen … sogar bis an die Ränder der Gesellschaft!“ Er meint damit, dass gerade den Armen, Bedürftigen und Leidenden die frohe Botschaft verkündet werden soll und „derjenige gleichsam aus dem Wasser herausgeholt und gerettet werden soll, der zu ertrinken droht“. Viele Menschen brauchen in ihrer Not – gerade in Coronazeiten – solidarische Hilfe und gezielte Unterstützung, die ja zum Grundauftrag der Kirche zählt.

Der Sendungsauftrag Jesu hat sich im Laufe der Kirchengeschichte als ein dreifacher Dienst entfaltet: als Liturgie, Koinonie (Gemeinschaft, lat. communio) und Diakonie. Diese griechischen Worte besagen: Gottesdienst zu feiern – den Glauben zu bezeugen – die praktische Nächstenliebe zu üben.

So wie Jesus damals die Jünger gerufen hat, sind wir heute durch Taufe und Firmung in verschiedener Weise gerufen, im Alltag unser Christsein zu leben. Wie vielfältig die Nachfolge Jesu sein kann, zeigen uns Lebensgeschichten vieler Heiliger in ihren Worten und Taten.

Mutter Teresa betonte bei Interviews immer wieder: „Aus der Verbindung mit Jesus – gerade in der Eucharistie – erwächst uns Schwestern die Kraft, den Auftrag des Tages zu erfüllen. Gerade in dem todkranken Menschen sehen wir das Antlitz Jesu.“

Der Heilige dieses Sonntags, Franz von Sales, ist als ein Bischof der Güte, Sanftmut und Geduld bekannt. Es gelang ihm, die Kalvinisten am Genfer See zum katholischen Glauben zurückzugewinnen, er gründete einen Orden mit Johanna Franziska de Chantal, schrieb Bücher und war ein geistlicher Begleiter für viele Suchende. Er sagt in einem seiner praktischen Hinweise: „Zwischen dem geschriebenen Evangelium und dem Leben der Heiligen ist kein anderer Unterschied als zwischen einer Musik in Notenschrift und einer gesungenen Melodie.“
In jedem von uns ist die ganz persönliche Lebensmelodie schon in Noten aufgeschrieben. Versuchen wir durch unser Reden und Tun aus dem Geiste Jesu diese Noten zum Klingen zu bringen, indem wir uns bemühen, Menschen aufzurichten und zu begleiten – sie dazu ermutigen, ihren ganz persönlichen Ruf Jesu zu hören: „Folge mir nach.“

Viele Stimmen werben um mich. Wem kann ich vertrauen, wem kann ich folgen? Die Jünger folgen Jesus, weil sie sich von ihm angesprochen fühlen, weil sie durch ihn erfahren, was es heißt, Mensch zu werden.
Mag. P. Leopold Muttenthaler SDB
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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