14.Sonntag i.JK26: Pfarrer Peter Bösendorfer
Vertrauen kann man nicht lernen, aber einüben
- Gottes Liebe verlangt keine Prüfung.
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Zeugnisse und Ausbildungsnachweise begleiten unser Leben. Wer sich um einen Arbeitsplatz bewirbt, muss nachweisen, welche Fähigkeiten und Qualifikationen er mitbringt. Wer eine Ausbildung beginnen möchte, braucht entsprechende Abschlüsse. Das ist selbstverständlich. Wir möchten darauf vertrauen können, dass jemand für seine Aufgabe gut vorbereitet ist.
Wie ist das aber im Glauben? Muss man dafür eine bestimmte Ausbildung haben? Braucht es Religionsunterricht, Erstkommunion- oder Firmvorbereitung? Ist ein Theologiestudium notwendig, um glauben zu können?
Diese Fragen drängen sich auf, wenn wir im Evangelium hören, wie Jesus den Vater preist, weil er seine Botschaft nicht zuerst den Klugen und Gelehrten, sondern den „Unmündigen“ offenbart hat – also den einfachen Menschen. Heißt das, Bildung sei für den Glauben unwichtig oder gar hinderlich?
Wissen kein Gegensatz
zum Glauben
Ein Blick in die Geschichte des Christentums zeigt ein differenzierteres Bild. Tatsächlich warnen Gestalten wie Franz von Assisi vor dem Hochmut des Wissens. Auch der Apostel Paulus stellt der Weisheit der Welt die Weisheit Gottes gegenüber, die sich nicht allein mit menschlicher Klugheit erschließen lässt. Zugleich aber haben die Kirchen Bildung immer hoch geschätzt. Klöster wurden zu Zentren des Wissens, aus Domschulen entstanden Universitäten, und bis heute engagieren sich christliche Kirchen in Schulen und Hochschulen. Offensichtlich ist Wissen also keineswegs ein Gegensatz zum Glauben.
Jesus lobt die Offenheit
des Herzens
Jesus selbst schätzt den gesunden Menschenverstand. In seinen Gleichnissen begegnen uns kluge Kaufleute, umsichtige Verwalter oder vorausschauende Bauherren. Er singt kein Loblied auf die Unwissenheit. Was er lobt, ist etwas anderes: die Offenheit des Herzens.
Gottes Liebe ist kein Rätsel, das nur besonders kluge Menschen lösen könnten. Sie ist ein Geschenk. Und ein Geschenk kann man nicht durch Leistung erwerben oder durch Nachdenken erzwingen. Man kann es nur annehmen oder ablehnen.
Vertrauen lässt sich nicht aus Büchern lernen. Es wächst dort, wo ein Mensch den Mut hat, sich Gott anzuvertrauen.
Genau darin liegt das Wesen des Glaubens. Glauben bedeutet zunächst nicht, möglichst viel über Gott zu wissen. Glauben heißt, Gott und seiner zuwendenden Liebe zu vertrauen. Es bedeutet, sich darauf einzulassen, dass Gott mir schenken will, was mein Leben trägt und erfüllt. Wissen hilft, den Glauben besser zu verstehen. Es räumt Missverständnisse aus und erweitert den Horizont. Vertrauen aber lässt sich nicht aus Büchern lernen. Es wächst dort, wo ein Mensch den Mut hat, sich Gott anzuvertrauen.
Jesu Worte sind deshalb keine Absage an Bildung, sondern eine Einladung zu einer Haltung der Offenheit. Wer mit einem einfachen, vertrauensvollen Herzen auf Gott zugeht, entdeckt, dass Gottes Liebe keine Prüfung verlangt und kein Abschlusszeugnis voraussetzt. Sie ist ein Geschenk. Und wer dieses Geschenk annimmt, erfährt, was Jesus im Evangelium verheißt: Er schenkt neues Leben und macht den Menschen innerlich lebendig.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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