Pfingsten: Generalvikar Christoph Weiss
Tag der offenen Tür …

Eine offene Tür kann von beiden Seiten durchschritten werden: von außen nach innen und von innen nach außen. Jene, die in der Kirche sind, sehen oft nur die Option, dass Menschen in die Kirche – bildlich gesprochen – hereinkommen. Wir warten „drinnen“, dass andere kommen, und sind enttäuscht, wenn dem nicht so ist.
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  • Eine offene Tür kann von beiden Seiten durchschritten werden: von außen nach innen und von innen nach außen. Jene, die in der Kirche sind, sehen oft nur die Option, dass Menschen in die Kirche – bildlich gesprochen – hereinkommen. Wir warten „drinnen“, dass andere kommen, und sind enttäuscht, wenn dem nicht so ist.
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Tage der offenen Tür finden vielerorts statt: an Schulen, im Parlament, bei Fußballvereinen, in Firmen, bei der Freiwilligen Feuerwehr… Menschen, die normalerweise keinen Zutritt haben, sind eingeladen, etwas kennenzulernen, sich zu informieren, einzutauchen in etwas Unbekanntes, mit Verantwortlichen und Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Und nicht wenige Menschen nützen diese Gelegenheit.

Offene Türen? Im Evangelium, das die Ereignisse des Ostersonntags schildert, Fehlanzeige: „Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren …“ Acht Tage darauf dasselbe Bild: verschlossene Türen. Beide Male tritt der Auferstandene in die Mitte seiner Jünger, zeigt sich ihnen, spricht mit ihnen. Er kommt zu ihnen trotz verschlossener Türen. Für ihn sind diese kein Hindernis. Für seine Jünger schon. Noch sind sie nicht bereit, die Türen zu öffnen. Menschenfurcht und Unsicherheit überwiegen. Sie sind noch mit sich selbst beschäftigt. Zurückgezogen. Unbeweglich. Erstarrt. Keine Spur einer offenen Tür.

Sie beten um jenen Heiligen Geist, dessen Kommen ihnen der Auferstandene zugesagt hat

Einen ähnlichen Eindruck hinterlässt der Bericht der Apostelgeschichte bei der Darstellung der Ereignisse zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, auch wenn von verschlossenen Türen nicht explizit die Rede ist: Die Apostel und Maria bleiben „ständig“ im Obergemach, sie „verharren“ im Gebet, sie sind alle zusammen „am selben Ort“. Sie ziehen sich zurück, sie versammeln sich, sie sind unter sich. Die Ausrichtung ist jedoch bereits eine andere: Sie beten um jenen Heiligen Geist, dessen Kommen ihnen der Auferstandene zugesagt hat.

Nach neun Tagen intensiven Gebets kommt dieser Heilige Geist auf sie herab, auf jeden lässt sich eine Feuerzunge nieder, sie werden vom Heiligen Geist erfüllt. Mit dem Empfang des Heiligen Geistes öffnen sich die Türen zur Welt: Petrus beginnt zu reden, die frohe Botschaft von der Auferstehung Jesu bricht sich ihren Weg in die gesamte Welt hinaus. Pfingsten – ein Tag der offenen Tür!

Türen – Orte des Austauschs und der Begegnung

Eine offene Tür kann von beiden Seiten durchschritten werden: von Außen nach Innen, um z.B. in ein Haus hineinzugelangen, und von Innen nach Außen, um z. B. ein Haus zu verlassen. Jene, die in der Kirche sind, sehen oft nur die Option, dass Menschen in die Kirche – bildlich gesprochen – hereinkommen. Wir warten „drinnen“, dass andere kommen, und sind enttäuscht, wenn dem nicht so ist.

Als der Heilige Geist die Apostel und Maria erfüllt, bleiben sie nicht im Obergemach unter sich, warten dort nicht darauf, dass Menschen zu ihnen hereinkommen, sondern öffnen die Türen und gehen nach Außen. Der Geist treibt sie regelrecht hinaus, um den Menschen in der Welt das Evangelium – die frohe Botschaft – offen, mutig und stark zu verkünden. Unzählige nehmen diese Botschaft an und werden Teil dieser Gemeinschaft.

Öffnen wir die Türen weit – um das Evangelium zu den Menschen hinauszutragen
und um jene, die sich dem Evangelium öffnen, hereinzulassen!

Es ist Zeit, die Türen zu öffnen – und nicht zu warten, bis zufällig jemand kommt, sondern hinauszugehen und zu verkünden. Es bedarf dieser doppelten Dynamik: Sowohl die Komfortzone Kirche zu verlassen und Menschen in ihren Lebenswelten das Evangelium zu verkünden, als auch diese Menschen einzuladen, selbst Teil der Gemeinschaft zu Kirche zu werden. Papst Franziskus zeigt diese doppelte Dynamik in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ (Die Freude des Evange­liums) auf: „Eine Kirche ‚im Aufbruch‘ ist eine Kirche mit offenen Türen. Zu den anderen hinaus­zugehen, um an die menschlichen Randgebiete zu gelangen, bedeutet nicht, richtungs- und sinnlos auf die Welt zuzulaufen. Oftmals ist es besser, den Schritt zu verlangsamen, die Ängstlichkeit abzulegen, um dem anderen in die Augen zu sehen und zuzuhören, oder auf die Dringlichkeiten zu verzichten, um den zu begleiten, der am Straßenrand geblieben ist. Manchmal ist sie wie der Vater des verlorenen Sohns, der die Türen offen lässt, damit der Sohn, wenn er zurückkommt, ohne Schwierigkeit eintreten kann.“ (EG 46)

Öffnen wir die Türen weit – um das Evangelium zu den Menschen hinauszutragen
und um jene, die sich dem Evangelium öffnen, hereinzulassen!

Eine offene Tür kann von beiden Seiten durchschritten werden: von außen nach innen und von innen nach außen. Jene, die in der Kirche sind, sehen oft nur die Option, dass Menschen in die Kirche – bildlich gesprochen – hereinkommen. Wir warten „drinnen“, dass andere kommen, und sind enttäuscht, wenn dem nicht so ist.
Generalvikar MMag. Dr. Christoph Weiss
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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