Wort zum Sonntag: Pfarrer Johann Lagler
Nicht nur Informanten, sondern Zeugen des Glaubens sein

„Fahrt hinaus auf den See“ – dieses Wort Jesu gab Papst Johannes Paul II. als Impuls ins neue Jahrtausend mit. Und auch Papst Franziskus ermutigt uns, an die „Ränder der Gesellschaft“ zu gehen.
  • „Fahrt hinaus auf den See“ – dieses Wort Jesu gab Papst Johannes Paul II. als Impuls ins neue Jahrtausend mit. Und auch Papst Franziskus ermutigt uns, an die „Ränder der Gesellschaft“ zu gehen.
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Der vor eigenen Jahren heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. hatte die historische Aufgabe, die Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche in das 21. Jahrhundert zu führen. Als dieses magische Jahr 2000 zu Ende ging, versuchte er allen Christinnen und Christen besondere Impulse mitzugeben. Die Bibelstelle des heutigen Sonntags hatte ihn dazu besonders inspiriert.

Das Wort des Herrn an seine Jünger „Fahrt hinaus auf den See“ (Lk 5,4) wurde für ihn zum Programm (Apostolisches Schreiben Novo millenio ineunte 1). Er lud alle Menschen guten Willens ein, der Welt von damals – denn es liegen ja schon wieder 22 Jahre zurück – in der Kraft des christlichen Glaubens zu begegnen. Papst Franziskus bläst sozusagen in das gleiche Horn, wenn er die Gläubigen der Gegenwart ermutigt an die Ränder der Gesellschaft zu gehen und durch ihre Präsenz die Liebe Gottes sichtbar zu machen.

2022 erlebt die Gemeinschaft der Kirche herausfordernde Zeiten. Bei unseren deutschen Nachbarn weht ihr derzeit zurecht ein besonders scharfer Wind ins Gesicht, weil sie selber das Evangelium verdunkelt hat. Ich meine damit nicht nur das traurige Fehlverhalten von Personen, die ein Amt in der Kirche inne hatten oder haben, sondern weil wir alle haben viel zu wenig entdeckt, welche Kraft in einem bewussten Leben aus Taufe und Firmung steckt.

Kirche – das sind alle Christinnen und Christen

Im ausklingenden Jahr 2021 wurde eine interessante Umfrage veröffentlicht. Es konnten verschiedenste Institutionen zu ihrem Verhalten in der Coronakrise bewertet werden. Der Lebensmittelhandel schnitt dabei am bes­ten ab. Die christlichen Konfessionen landeten ganz unten. Ohne es zu ahnen, haben sich viele Menschen hier selbst bewertet, denn Kirche sind nicht die hauptamtlich angestellten Frauen und Männer alleine, sondern alle Christinnen und Christen. Wenn du und ich unsere Nächsten im Stich lassen, wie soll hier der Glaube konkret werden?

Ein bekanntes Gebet bringt klipp und klar unseren Auftrag zum Ausdruck: „Herr mache mich zum Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst, dass ich verzeihe, wo man beleidigt, dass ich verbinde wo Streit ist.“ Mein Einsatz für den Zusammenhalt der Gesellschaft und besonders der eigenen Familie in schwierigen Fragen der Gegenwart ist hier gefragt. Meine persönliche Kreativität wird hier eingefordert, da wir alle Mitglieder der großen Menschheitsfamilie sind. „Einer trage des anderen Last, so erfüllt ihr Christi Gesetz“ lesen wir im Galaterbrief (Gal 6,2). Mit dieser Haltung weitet sich unser Blick, da wir leider manchmal nur um uns selber kreisen und unsere Umgebung vergessen.

Mein Einsatz wird eingefordert, da wir alle Mitglieder der großen Menschheitsfamilie sind.

Der Apostel Paulus notiert uns heute das älteste Glaubensbekenntnis. Er hat es schon vorgefunden, als er seinen Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt. Dieses Credo ist der Grund, auf dem wir stehen (1 Kor 15,3-5).
Es reicht aber nicht, während der heiligen Messe das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen zu können. Neben unserem Intellekt braucht es auch unser Herz. Der Augsburger Bischof Bertram Meier sprach vor wenigen Wochen bei einer Predigt vom großen Unterschied Informant oder Zeuge des Glaubens zu sein. Der Informant gibt ohne innere Anteilnahme nur Glaubenswissen weiter. Der Zeuge ist von der Botschaft des Reiches Gottes und von der Auferstehung des Herrn mit Haut und Haar ergriffen.

Diese pulsierende Kraft wird in der Ostererfahrung der heiligen Maria Magdalena spürbar. Sie nimmt uns alle an der Hand und möchte uns ihre unbeschreiblichen Erlebnisse mit dem Herrn erzählen. Das Feuer der Begeisterung und der Glaubensfreude darf so immer wieder neu auf uns überspringen: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh 20,18).

Gerade in Zeiten, wo uns viele schwierige Fragen in Kirche und Gesellschaft bedrängen, gilt es, den Brunnen des Glaubens der Hoffnung und der Liebe tiefer zu graben, damit unsere Gottesbeziehung lebendig bleibt. Dies ist meiner Meinung nach sehr sehr wichtig, denn die letzten Monate der Pandemie haben leider zahlreiche Mitchristen genützt, um ihre sichtbare Präsenz in unseren Pfarrgemeinden still und heimlich zu beenden.
Fahr hinaus auf den See, ruft uns Jesus heute zu. Im Vertrauen auf seine Gegenwart sind wir eingeladen, den Menschen von heute in der Kraft des Evangeliums zu begegnen. Jeder Tag ist da eine neue Chance und schenkt uns dabei viele Überraschungen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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