Wort zum Sonntag - von Prälat Wilhelm Imkamp (KNA)
Mut zum Eselsein

Der Esel ist in der Heiligen Schrift des Alten Bundes vor allem das Reittier des messianischen Herrschers. Bild: Christus auf dem Palmesel, Lindenholz mit originaler Farbfassung (um 1505) aus der Schule des Veit Stoß, heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
  • Der Esel ist in der Heiligen Schrift des Alten Bundes vor allem das Reittier des messianischen Herrschers. Bild: Christus auf dem Palmesel, Lindenholz mit originaler Farbfassung (um 1505) aus der Schule des Veit Stoß, heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
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Nachwuchs in Tiergärten ist für Besucher und Medien immer ein willkommenes Ereignis, ob Fu Long und Fu Feng, die Pandazwillinge in Schönbrunn, oder erst jüngst vier junge Geparden – Aufmerksamkeit ist garantiert. Das große Interesse in Medien und sozialen Netzwerken verstärkt die Sensibilität für den Artenschutz erheblich. Das Bewusstsein für die Gefährdung vieler Tierarten wird deutlicher, denn Artensterben bedeutet immer Verarmung. So auch im Fall eines Tieres, das vor allem in Süddeutschland und Österreich lange Jahrhunderte flächendeckend verbreitet war: der Palmesel. Ein holzgeschnitzter Esel, auf dem eine Christusfigur reitet, sollte das Geschehen des Palmsonntags für die feiernde Gemeinde ganz besonders anschaulich werden lassen.
Jahrhundertelang wurde er in den Palmprozessionen an diesem Sonntag mitgeführt. Im „aufgeklärten“ 18. Jahrhundert fanden dann die staatlichen und kirchlichen Bürokraten den Palmesel und die damit verbundenen Bräuche der Volksfrömmigkeit höchst verdächtig. Alles war irgendwie zu einfach, zu bunt, zu gegenständlich. Das Volk sollte zu mehr Nüchternheit erzogen werden. Die Palmesel wurden aus dem Verkehr gezogen, sie gehörten nicht mehr in die „freie Wildbahn“, sondern allenfalls noch in ein Mu­seum: von der freien Wildbahn zur Stallpflicht! Immerhin: In München, im „herzoglichen Georgianum“, können gleich vier Prachtexemplare solcher Palmesel besichtigt werden, und auch in vielen anderen Sammlungen und Museen sind Exemplare dieser raren Spezies vertreten.

Der Esel – weiser als ein missmutiger Prophet

Der Blick auf diese Palmesel zeigt uns: Der Esel ist hier nicht das Reittier der armen Leute, sondern genau das Tier, das im Alten Testament einen prächtigen Ruf genießt. Ein Esel musste schließlich dem eher unsympathisch gezeichneten Propheten Bileam erklären, was Sache ist (Numeri 22,22-25). Eine köstliche Szene, die durch ein Gemälde von Rembrandt richtig populär wurde.

Aber vor allem ist der Esel das Reittier des messianischen Herrschers (vgl. Sacharja 9,9 und Richter 5,10). Die majestätische Haltung Jesu als König, Lehrer und Heiland immer hoheitsvoll auf dem Palmesel reitend, den Segen spendend, bringt das eindringlich zum Ausdruck. Das geduldige Reittier der Könige, das Tier, das Christus durch das jubelnde Missverständnis der Massen in die Stadt seines Todes, aber auch seiner Auferstehung trägt, stellt uns ganz konkrete Fragen.

Der Palmesel treibt uns zur Gewissenserforschung: Sind wir wirklich bereit, Christusträger zu sein? Nach jeder heiligen Kommunion tragen wir Christus in uns – sind wir uns dessen auch wirklich bewusst? Wie oft braucht uns der Herr, und wie oft wollen wir gar nicht aus den Verstrickungen unseres Alltags losgebunden werden? Den Ruf des Herrn zu hören, bereit sein, sich aus den Verstrickungen des Alltags lösen zu lassen, um den Herrn zu tragen, das ist die Botschaft, die in der plastischen Darstellung des Palmesels ganz lebendig wird.

Das Evangelium muss hinaus auf die Straßen der Gegenwart getragen werden – genauso, wie der Esel am Palmsonntag den segnenden Christus in die Stadt von Tod und Auferstehung zur Vollendung der Erlösung trägt. Wir müssen durch alle Missverständnisse hindurch den segnenden Christus in unsere Welt hinaustragen und missionarisch Kirche sein. Nur Mut zum Eselsein, keine Stallpflicht für Christen!
Prälat Wilhelm Imkamp (KNA)

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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