Wort zum Ostersonntag - von Dr. Pichler
Ein dreifacher Beweis der Auferstehung

Habt ihr etwas zu essen hier?“ Mit dem Fischessen verweist der Auferstandene auf seine eigene Praxis, auf sein heilendes und für Gott werbendes Leben. So sollen auch die Jünger als „Menschenfischer“ sein.
  • Habt ihr etwas zu essen hier?“ Mit dem Fischessen verweist der Auferstandene auf seine eigene Praxis, auf sein heilendes und für Gott werbendes Leben. So sollen auch die Jünger als „Menschenfischer“ sein.
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Die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen, alles geschieht fast zur selben Zeit: Noch in der Stunde, in der den beiden Emmausjüngern die Augen aufgingen und sie in ihrem Begleiter den Auferstandenen erkannten, brechen sie auf, kehren nach Jerusalem zurück und wollen den anderen Jüngern und Jüngerinnen von ihrer Ostererfahrung erzählen. Doch diese lassen sie gar nicht erst zu Wort kommen, haben sie doch selbst die frohe Botschaft zu verkünden: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.“ Erst nachdem diese alles verändernde Nachricht formuliert ist, können auch die beiden Emmausjünger mit der Erzählung des von ihnen Erlebten beginnen. Jedoch: Noch während sie reden, tritt der Auferstandene selbst in die Mitte der versammelten Gemeinschaft. Und nun würde man erwarten, dass die versammelten Männer und Frauen – sie haben ja soeben selbst die Botschaft von der Auferstehung verkündet – den Auferstandenen freudestrahlend begrüßen würden; doch es passiert etwas ganz anders: Sie erschrecken und haben große Angst. Und der Leser, die Leserin beginnt zu verstehen: Selbst jene, die Jesus von Galiläa nach Jerusalem begleitet haben, die zu Lebzeiten mit ihm waren und ihm nachfolgten, sind mit dem Verständnis seiner Auferstehung überfordert – bestürzt sind sie, sie zweifeln.

Der Auferstandene erspürt den Zweifel der Versammelten; er tadelt sie keineswegs dafür, vielmehr versucht er, ihnen das Verstehen des Unbegreiflichen zu ermöglichen – durch drei verschiedene Zugänge: durch die Aufforderung zum Sehen, durch das Angebot der Berührung und durch den Verweis auf seine lebensspendende Praxis. Zunächst fordert er seine Schüler und Schülerinnen also auf: „Seht meine Hände und meine Füße.“ Mehr als deutlich verweisen die Hände und Füße auf das Kreuzesgeschehen. Der Auferstandene ist der, der um der Menschen und ihres Heils willen in den Tod ging. Unübersehbar ist ihm sein Leidensweg und sein Sterben aus Liebe eingeprägt, ist Zeichen der Wahrhaftigkeit seines irdischen Wirkens und lässt für die, die ihm im Glauben nachfolgen, die Welt in einem neuen Licht erscheinen.

„Fasst mich an und seht …“

Dann der zweite Anlauf: „Fasst mich an und seht, kein Geist hat Fleisch und Knochen.“ Hier klingt eine Stelle aus dem Ezechielbuch an (37,5-7), wo mittels kraftvoller Bilder der Auferstehungsprozess des Volkes Israel beschrieben wird: „Siehe, ich will Atem in euch bringen, damit ihr wieder lebendig werdet. Ich will euch Sehnen geben und lasse Fleisch über euch wachsen und überziehe euch mit Haut.“ Mit diesem Verweis auf die alttestamentliche Stelle erklärt der Auferstandene: Ich bin der Leben­dige. Die Zuwendung des Auferstandenen zu den Versammelten zeigt Wirkung: Inzwischen ist ihre Angst gewichen, doch – psychologisch interessant – jetzt können sie es „vor Freude immer noch nicht glauben“: zu schön, um wahr zu sein. Und nun werden sie vom Auferstandenen gefragt – und manche werden die Frage wiedererkannt haben: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ Sie geben ihm ein Stück gebratenen Fisch und er isst es vor ihren Augen. Mit diesem Akt des Fischessens verweist der Auferstandene auf seine eigene Praxis, auf sein heilendes und für Gott werbendes Leben. Denn das Motiv des Fisches kommt bei Lukas noch an zwei weiteren Stellen vor: bei der Berufung des Simon Petrus und bei der Speisung der 5000, wo auch der Aspekt des gemeinsamen Mahles greifbar wird. Damit verbindet das Zeichen des Fisches Ostern engstens mit dem öffentlichen Heilshandeln Jesu.

Doch damit nicht genug: Nachdem den Jüngern und Jüngerinnen die Sinne geöffnet wurden – sehen, berühren, riechen –, öffnet ihnen der Auferstandene auch den Sinn für das Verständnis der Schriften: Sie erhalten Einsicht, wie die Heiligen Schriften auf das Heilsereignis der Auferstehung hin zu interpretieren sind. Und auf dieser Basis – erfahren und verstehen – erfolgt dann die Sendung der Jüngerinnen und Jünger Jesu und ihre Segnung, denn erst die eigene Erfahrung und das an die Schrift rückgebundene Verständnis des Erfahrenen befähigt dazu, glaubwürdig von Ostern zu sprechen.

Das heutige Evangelium macht deutlich, dass sich jene, die in die Nachfolge Jesu eintreten, auch an die jesuanische Praxis rückbinden und dementsprechend handeln. Wer sich auf diese Weisung einlässt, gewinnt das Leben.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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