28. Sonntag 2025: Pfarrer Martin Römer
Die heilende und rettende Nähe Jesu

Menschen, die in der Comunidad Emaus in der Pfarre von Pfarrer Martin Römer im Süden der Hauptstadt Mexiko City betreut werden.   | Foto: zVg
  • Menschen, die in der Comunidad Emaus in der Pfarre von Pfarrer Martin Römer im Süden der Hauptstadt Mexiko City betreut werden.
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Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, als ihm zehn Aussätzige entgegenkommen. „Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!“ (Lk 17,12f). Und Jesus schickte sie zu den Priestern im Tempel. Er heilte sie auf dem Weg, doch nur einer kam zurück, um ihm zu danken.

Vor wenigen Tagen, am 4. Oktober, feierten wir das Fest des heiligen Franziskus. Für ihn war die Begegnung mit einem Aussätzigen ein wesentliches Element auf dem Weg seiner Bekehrung. „Nach den Besuchen bei den Aussätzigen war er ein anderer Mensch geworden“ (Dreigefährtenlegende des hl. Franziskus). „Und während er sonst gewohnt war, vor Aussätzigen große Abscheu zu haben, tat er sich jetzt Gewalt an, stieg vom Pferd, reichte dem Aussätzigen ein Geldstück und küsste ihm die Hand. Dann empfing er vom Aussätzigen den Friedenskuss und setzte seinen Ritt fort.“ (ebd.) Die Begegnung mit dem Aussätzigen, seine Nähe, wurde für Franziskus zu einem heilsamen Ereignis, ohne Zweifel auch für den Aussätzigen selbst.

Am 7. September wurde Pier Giorgio Frassati (1901-1925) zusammen mit Carlo Acutis (1991-2006) von Papst Leo XIV. heiliggesprochen. Der umtriebige Turiner Student und „Sozialapostel“ Frassati war auch Mitglied des Dritten Orden der Dominikaner und der sozial engagierten Gesellschaft des heiligen Vinzenz von Paul. Er orientierte sich an den Prinzipien der katholischen Soziallehre und pflegte zu sagen: „Um die Armen und Kranken herum sehe ich ein Licht, das wir nicht haben.“ In ihnen, den Armen, den Kranken, den Waisenkindern, den verarmten Arbeitern aus den Turiner Vororten und den Heimkehrern aus dem Ersten Weltkrieg fand er die Gegenwart Jesu, dem er in den geknechteten Mitmenschen diente.

Regelmäßig besuchte Frassati mit einem mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kleidung und Brennholz beladenen Karren die Kranken, Vereinsamten, Sterbenden, um ihnen in ihrer Not nahe zu sein. Seine Freunde nannten ihn daher „Transportunternehmen Frassati“. Für Pier Giorgio war das allerdings nichts Außergewöhnliches, es entsprach einfach seiner Natur, seiner im Gebet, der Anbetung, der geistlichen Schriftlesung, seiner durch die tägliche Begegnung mit Christus erneuerten Natur. Und hier trifft sich Frassati mit Carlo Acutis. Beide waren geprägt von einer tief eucharistischen Frömmigkeit. Von Carlo Acutis ist der Spruch überliefert: „Wenn wir uns der Sonne zuwenden, werden wir braun … aber wenn wir in der Eucharistie vor Jesus stehen, werden wir heilig.“ Auch für Frassati war die tägliche Eucharistiefeier Kraftquelle für seinen Einsatz für die Armen und Benachteiligten. Sein soziales Engagement war selbstverständliche Konsequenz des christlichen Glaubens, ebenso wie die Evangelisierung für die Weitergabe des christlichen Glaubens.

„... aber wenn wir in der
Eucharistie vor Jesus stehen, werden wir heilig ...“

Die Bezeugung des christlichen Glaubens ist auch eine der Hauptaufgaben in der Emmausgemeinschaft in der Ortschaft San Miguel Topilejo im Süden der Stadt Mexiko. Die Emmausgemeinschaft ist eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von zirka 60 Gästen und 20 Mitarbeitern. In ihr ist Kirche erfahrbar in ihren zentralen Augabenbereichen: in den täglichen Gebeten, im Gottesdienst, im Dienst an den Gästen des Hauses und im Zeugnis der Gemeinschaft, das auch nach außen ausstrahlt.

Die Bewohner des Hauses Emmaus sind vielfach die Aussätzigen unserer Zeit: trockene Alkoholiker und Drogenabhängige, Obdachlose, Patienten, die in den Krankenhäusern der Stadt Mexiko verlassen wurden, Migranten, gewaltbetroffene Frauen, kurz: Menschen, die nichts haben, von dem sie leben können, und die niemanden haben, der sich um sie sorgt. Die Gäste des Hauses Emmaus wohnen in einer Glaubens-, Arbeits- und Lebensgemeinschaft. Jene, die trotz ihrer geistigen oder körperlichen Behinderung noch fähig sind zur Mitarbeit, nehmen gewisse Aufgabenbereiche wahr und unterstützen das Pflegepersonal in seinem Dienst. Beinahe alle aber nehmen an den täglichen Gebetszeiten teil und erfahren in ihnen die tröstliche und heilende Nähe Jesu, wie der Aussätzige, der nach der erfahrenen Heilung zu ihm zurückgekehrt ist, um ihm zu danken.
„Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm.“ (Lk 17,15f) Er hat nicht nur körperliche Heilung vom Aussatz gesucht und erfahren, er hat die heilende und rettende Nähe Jesu gefunden! Nur in ihm ist das Wunder Jesu vollständig zum Abschluss gekommen.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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