Mit Notker Wolf nach Rom
Auf den Spuren des hl. Benedikt San Benedetto in Piscinula
- Das kleine Kirchlein „San Benedetto in Piscinula“.
- Foto: Wikimedia Commons
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Notker Wolf, viele Jahre Abtprimas mit Wohnsitz in Rom, unternahm in seinem letzten Buch „Kraftort Rom“ spirituelle Streifzüge durch die Stadt. Insider-Rom-Tipps nicht nur, aber ganz besonders für Rom-Pilger im Heiligen Jahr 2025.
Einst war eine Pilgerreise in die Ewige Stadt ebenso zeitaufwendig wie beschwerlich, ein Abenteuer voller Strapazen und mit unsicherem Ausgang. Heute ist die Entfernung mit Bus, Bahn oder Flugzeug in aller Regel rasch überwunden. Einmal in Rom angekommen, kann man an jedem beliebigen Punkt beginnen, die Stadt zu erkunden, warum also nicht vis-à-vis der Tiberinsel in dem romantischen Stadtteil Trastevere.
Nur wenige Schritte vom Tiber entfernt liegt hier die „Piazza in Piscinula“ mit gemütlichen Cafés und Restaurants. Im Hintergrund sieht man einen kleinen romanischen Glockenturm. Er ist einer der ältesten Roms und gehört zu einem äußerlich völlig unscheinbaren Kirchlein, an dem man nur allzu schnell achtlos vorübergeht: „San Benedetto in Piscinula“ – zu Deutsch: „Der heilige Benedikt im Bade“.
Der Name verrät etwas von dem für die Römer typischen Humor, der ihnen half, Kriege, Seuchen und Plünderungen optimistisch zu überstehen. Zugleich verweist er auf eine nüchterne Tatsache: In dieser Gegend waren bis ins 18. Jahrhundert die Reste öffentlicher Badeanstalten zu sehen. Das winzige Kirchlein wiederum steht auf den Ruinen antiker Häuser, die dem Geschlecht der Anicier gehörten, jener angesehenen Familie, in der im 5. Jahrhundert Benedikt von Nursia geboren wurde. (...)
Eine Inschrift erklärt uns: Wir sehen die Reste jenes Hauses, in dem Benedikt etwa im Jahr 495 wohnte. Damals kam er als junger Mann aus seinem Geburtsort Nursia/Norcia in den umbrischen Bergen zum Studium nach Rom und sollte in der Weltstadt die standesgemäße Bildung für eine große Karriere erwerben.
In Rom beginnt Benedikts Suche nach dem Wesentlichen im Leben
Halten wir einen Augenblick inne und stellen wir uns vor, was Benedikt konkret erlebte: Ein Jugendlicher voller Ideale aus gutem Hause, der in der idyllischen Natur Umbriens aufgewachsen ist, kommt in die Metropole Rom. Die Stadt ist im Umbruch. Diverse Heere haben sie geplündert. Das antike Imperium ist zerfallen. Krankheiten und Laster aller Art haben Einzug gehalten. Papst Leo der Große schreibt zu jener Zeit: „Ich schäme mich, es zu sagen, ... aber die heidnischen Götzen werden hier mehr geehrt als die Apostel. Wahnwitzige Spiele werden mehr besucht als die Kirchen.“
Und Benedikt? Es ist nicht verwunderlich: Er hält es in Rom nicht lange aus; das Treiben dort widert ihn an. Doch gleichzeitig beginnt hier sein geistlicher Pilgerweg, seine Suche nach dem Wesentlichen im Leben. Gemäß dem Vorbild der antiken Wüstenmönche zieht er sich in die Einsamkeit der Berge zurück, in eine Höhle oberhalb des kleinen Ortes Subiaco. (...)
Papst Gregor der Große schilderte bereits im 6. Jahrhundert den Weg des Heiligen als mystischen Aufstieg zu Gott und beschrieb anschaulich, wie Benedikt eines Nachts von seinem Fenster aus ein strahlendes Licht sah, das sich über die Welt ergoss. Seine Seele, heißt es, wurde in diesem Augenblick „weit“, und er ahnte, dass die ganze „Welt eine Einheit“ bildet. (...) Die winzige Kirche San Benedetto in Piscinula atmet etwas von dieser Hoffnung und von der Suche nach dem Wesentlichen im Leben, die in Rom beginnen kann.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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