Nach über 150 Jahren
Die St. Pöltner Paramentenstelle schließt
- Sr. Bernadette Hofer und die beiden aus Indien stammenden Ordensfrauen Sr. Prameela Rodrigues und Sr. Vanitha Mauris zeigen „Kirche bunt“ eines ihrer letzten Auftragswerke: die gekonnte Restaurierung zweier alter Messgewänder aus der St. Pöltner Prandtauer-Kirche. Man erkennt keinen Unterschied zwischen dem alten Bestand und den neuen Ausbesserungen.
- Foto: Wolfgang Zarl
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In diesen alten Textilien steckt die Liebe der Menschen zu Gott. Ordensfrauen kümmerten sich in St. Pölten darum, dass die Paramente für den liturgischen Gebrauch für viele weitere Jahre erhalten bleiben.
60 Jahre hat die Franziskanerin Sr. Bernadette Hofer in der Paramentenstelle der Diözese St. Pölten in der St. Pöltner Dr.- Karl-Renner-Promenade gearbeitet, zuletzt gemeinsam mit Sr. Prameela Rodrigues und Sr. Vanitha Mauris, die aus Südindien stammen: Über hundert Tabernakel hat Sr. Bernadette tapeziert, zahllose Messgewänder gefertigt, viele Kirchenfahnen und Baldachine (Fronleichnams-Himmel) restauriert. Einer der letzten Aufträge war die Restaurierung einer Prozessionsfahne für die Pfarre Aschbach: rund um das Bild von der Sonntagberger Dreifaltigkeit wurde der Stoff angebracht. Dechant P. Georg Haumer wird die Fahne bei der Wallfahrt auf den Sonntagberg am 14. September segnen.
In guten franziskanischen Händen
Alle Textilien, die für die Liturgie benötigt werden, konnte man bei der Stelle für Kirchenausstattung (Paramentik) herstellen oder restaurieren lassen. Konnte. Denn mit 31. Juli endete diese über 150-jährige Tradition. Der erste Jahresbericht aus dem Jahr 1873 ist noch gut erhalten und bietet eine Fülle an interessanten Informationen. Er leitet ein mit den Worten „Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares“, dem Wahlspruch des St. Pöltner „Vereins zur beständigen Anbetung des allerheiligsten Altarsakraments“. Anfangs, also ab 1872, waren belgische Anbetungsschwestern dafür zuständig, ab 1896 übernahmen Franziskanerinnen diese Arbeit.
Sehr geschickte Ordensfrauen
Es ist bewundernswert, wie die Schwestern alte Stickereien von Fahnen oder Messgewändern reparieren können. Darunter waren oft sehr alte Textilien, die sich fast schon aufgelöst haben. Sr. Bernadette, ihre Mitschwester Ulrike und zwei indische Ordensfrauen werden innerhalb von St. Pölten übersiedeln, die Kirche wird von der kroatischen Mission betreut. Sr. Bernadette wird weiterhin die Kirchenwäsche für umliegende Pfarren machen, die beiden indischen Schwestern arbeiten künftig im St. Pöltner Haus Elisabeth der Caritas. In früheren Zeiten haben fünf oder sechs Franziskanerinnen mitgearbeitet, die auch teils im Kindergarten oder in der Schule gearbeitet haben. Bis vor wenigen Monaten werkte auch die heute 103-jährige Sr. Gertrud noch fleißig mit, bevor sie ins Kloster Hainstetten übersiedelte.
Die Franziskanerin Sr. Bernadette wurde als Mitarbeiterin angelernt. Neben dem Schneidern übernahm sie auch die Buchhaltung, Materialeinkauf oder die Kostenvoranschläge. Für Sr. Bernadette waren es immer besondere Momente, wenn die Neupriester ausgestattet wurden. Oftmals wurden die Mitarbeiterinnen der Paramentenstelle auch zu den Feiern der Primizianten eingeladen.
Kundschaft war treu
Bei vielen Priestern war es üblich, das Aufsuchen der Paramentenstelle mit Erledigungen in St. Pölten zu verbinden, berichtet etwa der Steinakirchner Pfarrer Hans Lagler. Woher bekommen Priester jetzt ihre Textilien für die Gottesdienste? Priester aus dem Ausland nehmen die Paramente oft aus ihrer Heimat mit, es wird online bestellt oder bei der Paramentik in Steinerkirchen an der Traun (OÖ) oder in der Paramentenwerkstätte im Kloster Marienfeld (NÖ). Sr. Bernadette: „Konkurrenz waren Online-Handel oder andere Betriebe nie. Unsere Kundschaft blieb uns immer treu!“
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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