Porträt: Annemarie Wiesholzer
„Ich habe mich immer begeistern lassen“

Annemarie Wiesholzer war in der diözesanen Jugendarbeit tätig und schrieb viele Jahre für „Kirche bunt“.
  • Annemarie Wiesholzer war in der diözesanen Jugendarbeit tätig und schrieb viele Jahre für „Kirche bunt“.
  • Foto: Paul Sieberer
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Anlässlich ihres 90. Geburtstages durfte ich Frau Annemarie Wiesholzer, eine ehemalige Mitarbeiterin der „Kirche bunt“, besuchen. Die zwei Stunden waren mehr als eine ausgiebige Plauderei, es war die Begegnung mit einer Frau, die ein erfülltes, abwechslungsreiches Leben hinter sich weiß und die den Humor gepaart mit einer gesunden Portion Bescheidenheit noch immer nicht verloren hat. Die Diözese St. Pölten war stets ihre geistige Heimat. Ab 1949 war sie Jungschar-Diözesansekretärin, Di­ö­ze­san­füh­re­rin der KJ St. Pölten und schließlich KLJÖ-Zent­ral­sek­re­tärin. Danach arbeitete sie bei der Jugendzeitschrift „Schöne Welt“ und gehörte ab 1962 als Redakteurin dem Mitarbeiterstab der Kirchenzeitung von St. Pölten an.

Sie sind am 1. April 1932 als Annemarie Loos zur Welt gekommen. Wie findet man in den turbulenten Jahren ihrer Jugendzeit den Weg zu einer beruflichen Laufbahn in der Kirche? Wie hat Sie der Herrgott gelockt?

In den Kriegsjahren haben die Bomben meine Familie und mich aus Kaisermühlen vertrieben, weshalb wir aufs Land nach St. Pölten-Stattersdorf gezogen sind. Mein Gott, ich habe diese Gegend geliebt. Schulisch hat es mich in die Handelsschule zu den Englischen Fräulein verschlagen und dort lernte ich Herrn Prälat Josef Edelhauser kennen, der mich eines Tages gefragt hat, ob ich in der Klostergasse arbeiten möchte. Das war mein Einstieg. Ich zählte zu den ersten Frauen, die in der Klostergasse angestellt wurden.

Welcher Pfarre hat sich ihre Familie zuge­hörig gefühlt?

Anfangs war es natürlich Stattersdorf, wir wohnten gegenüber. Meine Eltern waren keine regelmäßigen Kirchgänger, aber mich haben sie immer geschickt. Mir war das sehr recht, denn die Pfarrjugend hat mich sehr fasziniert und vermutlich auch geprägt. Später war mir die Dompfarre sehr wichtig, dort war ich sehr gern. Prof. Scheibelbacher war auch einer meiner Fürsprecher. Er war ebenfalls beteiligt an meiner Laufbahn im kirchlichen Bereich. Ich wollte das alles gar nicht, aber ich habe mich immer begeistern lassen.

Was wollten Sie nicht?#

Diese Arbeit. Ich habe nie gewusst, ob ich die Richtige bin. Vieles habe ich anfangs auch nicht verstanden, aber ich habe immer zugehört, habe mich in Situationen eingefügt. Wahrscheinlich war es auch meine Liebe zum Journalismus, die mich da durchgetragen hat. Ich war immer interessiert an Lebensgeschichten. Bei der Kirchenzeitung habe ich das dann ausleben können. Vieles habe ich geschrieben, und genauso vieles habe ich aber auch nicht veröffentlicht. Ich habe immer geschaut, dass die Leute, über die ich geschrieben habe, auch gut darin aussteigen.

Auf ihre beiden Söhne ist Frau Wiesholzer besonders stolz. Der eine ist Primar in der Abteilung für Innere Medizin am Universitätsklinikum in St. Pölten, der andere ist im Vatikan für die Telekommunikation zuständig.

Die beiden haben mir große Freude bereitet, und sie tun das noch heute. Sie waren eine willkommene Abwechslung zur Kirchenzeitung, und die Kirchenzeitung war eine Abwechslung zu meinen Buben. Wenn ich in der Arbeit war, habe ich mich von zu Hause erholt, und umgekehrt genauso!

Die Arbeit für ein Medium hat sich im Laufe der Jahrzenten verändert. An welchen Teil ihrer Arbeit denken Sie gerne zurück?

Der Prälat Willinger war so ein herzensguter Mensch, so bescheiden. Mit ihm war es ein menschliches, soziales Miteinander bei der Arbeit. Gegen Abend ist er oft zu uns gekommen und hat uns gefragt, wie es uns geht. Und ich war ganz oft unterwegs, draußen in den Pfarren, habe Pfarrer interviewt. Dabei habe ich vieles erlebt und gehört. Vieles, was mich berührt hat. Am meisten war ich beeindruckt von der vielen Arbeit, die in den Pfarren zu tun war. Großen Respekt hatte ich immer vor älteren Geistlichen, die, obwohl sie nicht mehr ihre volle Kraft hatten, trotzdem treu ihre Arbeit getan haben. Menschen, die ihre Pflicht erfüllen, haben mich immer fasziniert.

Eine Frau, die es ausstrahlt, dass sie erfülltes Leben lebt, eine Frau, die im Rollstuhl sitzend im Rückblick auch über vieles lachen kann, ist ein wahrhafte Freude. Ich bin dankbar für diese Begegnung.

Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind, aber ich muss ihnen ehrlich sagen: dieses Interview muss nicht sein. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich glaube nicht, dass ich so viel Interessantes zu erzählen habe – und ich muss nicht im Mittelpunkt stehen, auch nicht an meinem 70. Geburtstag.

Frau Wiesholzer, Sie feiern den Neunziger …

Sehen Sie, das kommt daher, dass ich mir nie vorstellen konnte, dass ich 70 Jahr alt werde (Frau Wiesholzer lacht). Jetzt bin ich 90 Jahre alt. Das ist alles so unglaublich, so unglaublich wie mein ganzes Leben. Aber – es ist wie es ist. Es schaut so aus, als ob Gott mich begleitet hat. Lassen Sie mir alle lieb grüßen.

Das mach ich hiermit! Frau Wiesholzer, alles Gute zum Geburtstag und weiterhin Gottes Segen!

Den guten Wünschen schließt sich die gesamte Redaktion von „Kirche bunt“ an!

Anmerkung zu den erwähnten Personen:

Prälat Josef Edelhauser war Diözesanjugendseelsorger, dann Geistlicher Assistent der Katho­lischen Aktion der Diözese St. Pölten, die ebenso wie das diözesane Pastoralamt ihre Büros im einstigen Wohnhaus von Jakob Prandtauer in der St. Pöltner Klostergasse hatte; später Pfarrer in Krems-St. Veit und Erzdechant.

Prälat Ferdinand Scheibelbacher war Jugendwseelsorger, Religionspädagoge und späterer Leiter des Schulamtes derDiözese St. Pölten.

Prälat Franz Willinger baute ab 1946 die St Pöltner Kirchenzeitung (heute „Kirche bunt“) auf und war bis zu seinem Tod 1985 deren Chef­redakteur.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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