Ein Flüchtling erzählt seine Geschichte
Eine neue Heimat gefunden

Latif-Stefan bei seiner Taufe und Firmung im Vorjahr in der Pfarre St. Pölten-Spratzern
  • Latif-Stefan bei seiner Taufe und Firmung im Vorjahr in der Pfarre St. Pölten-Spratzern
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Latif-Stefan war einer der Flüchtlinge, die 2015 mit der großen Welle nach Österreich kamen. Hier hat der heute 40-Jährige inzwischen nicht nur Flüchtlingsstatus erhalten, sondern auch eine neue Heimat gefunden – im Land und im Glauben. Denn Latif-Stefan ist im Vorjahr – nach einer zweijährigen Vorbereitungszeit – in der Pfarrkirche St. Pölten-Spratzern getauft und gefirmt worden (Foto oben). Als Taufname hat er den Namen Stefan angenommen. In „Kirche bunt“ schildert er seine Geschichte.

Ich bin von Afghanistan mit meiner Frau in den Iran gegangen. Dort habe ich ein Jahr lang nachts in einer Lebensmittelfabrik gearbeitet und wir haben eine Tochter bekommen. Als sich die Lage im Land verschärft hat, wollte ich – wie viele andere Menschen – mit meiner Frau und meiner fünf Monate alten Tochter in die Türkei flüchten. Als nachts im Grenzgebiet in den Bergen auf uns geschossen wurde, habe ich im Chaos meine Familie verloren. Erst später in Österreich erfuhr ich, dass meine Frau und unser Kind überlebt haben und zurück nach Afghanistan gegangen sind. Mir gelang die Flucht über die Türkei nach Griechenland, wo mich ein Schlepper in einem völlig überfüllten Lkw ohne Fenster mit nach Österreich nahm. Es war heiß und unerträglich in diesem Laster, aber wir haben es geschafft. Entsetzt habe ich später von den 71 Menschen gehört, die in einem solchen Lkw alle ums Leben gekommen sind. In Österreich kam ich schließlich in eine Flüchtlingsunterkunft in St. Pölten. Dort haben sich viele Menschen der Pfarren St. Johannes Kapis­tran und Spratzern um uns gekümmert und wir erhielten Sprachunterricht. Vor allem Herrn Bauer möchte ich erwähnen: Er hat mir jeden Tag von Montag bis Freitag einen Deutschkurs gegeben. Ich konnte inzwischen den A1- und A2-Kurs belegen.

Schon als Kind habe ich erlebt, dass mit unserem Glauben ein enormer Druck verbunden ist, ich hatte eigentlich immer Angst und dachte immer, dass das Leben doch besser werden müsste. In Österreich habe ich erfahren, wie offen und herzlich die Christen auf uns zugehen, wie hilfsbereit sie sind. Und ich habe erfahren, dass man sich im katholischen Glauben nicht vor Gott fürchten muss. Gott ist die Liebe. Und deshalb bin ich Katholik geworden.

Ich darf jetzt bleiben und absolviere gerade einen Integrationskurs. Schon seit Jahren spiele ich in der Sportunion Volleyball. Ich habe hier Freunde gefunden – vor allem in der Pfarre. Ehrenamtlich bin ich bei der Caritas engagiert, dort bügle ich Kleidung und schnüre Pakete. Und ehrenamtlich bin ich auch bei ,,Essen auf Räder“ und helfe ausliefern. Ich habe in Österreich eine neue Heimat gefunden. Jetzt will ich eine Arbeit finden und eine Wohnung. Ich hoffe, dass meine Frau und meine Tochter, die jetzt schon über fünf Jahre alt ist, bald nachkommen können. Mein größter Wunsch ist, dass meine Tochter einmal eine gute Schulausbildung absolvieren kann. Dafür arbeite und bete ich. (Aufgezeichnet von Sonja Planitzer)

Autor:

Sonja Planitzer aus Niederösterreich | Kirche bunt

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