Jahr des heiligen Josef
Ein offenes Ohr für alle

Schuldirektorin Cornelia Wagner-Sturm mit Schülerinnen der vierten Klassen, die von der NMS Aschbach Markt abgingen.
  • Schuldirektorin Cornelia Wagner-Sturm mit Schülerinnen der vierten Klassen, die von der NMS Aschbach Markt abgingen.
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Damit eine Schule läuft, braucht es auch die Schuldirektoren. Ihre Arbeit geschieht oft im Hintergrund, doch gerade in der Pandemie sind sie mitunter der Fels in der Brandung – wie Cornelia Wagner-Sturm, Schulleiterin in Aschbach-Markt und Wolfsbach.

Als Führungskraft soll ich einen Plan haben“, sagt Schuldirektorin Cornelia Wagner-Sturm, „doch in Wirklichkeit ist momentan ganz wenig planbar.“ Sie berichtet von der aktuellen Situation an „ihren“ vier Schulen: den Volks- und Mittelschulen in Aschbach-Markt und Wolfsbach. Die Corona-Pandemie stellt auch die Schulleiterin vor viele Herausforderungen: Dazu gehören Informationen, die die Schuldirektion gleichzeitig über die Medien erreichen wie Eltern und Schüler, aber auch durchgearbeitete Wochenenden ebenso wie der massiv gestiegene Verwaltungsaufwand. Cornelia Wagner-Sturm nimmt Tests entgegen, teilt Lehrer für die Betreuung der Kinder an den Schulen ein, holt Einverständniserklärungen von Eltern ein („Die Test-Skepsis ist noch hoch!“), meldet Verdachtsfälle an die Gesundheitsbehörde.

Dass der Unterricht während des Lock­downs vielfach über den Computer abläuft, sieht sie sowohl als Herausforderung wie auch als Chance. Viele Lehrkräfte, die bisher wenig mit dem Computer zu tun hatten, mussten im Umgang mit der Technik und im digitalen Unterrichten erst geschult werden. Und es werde immer deutlicher: „Digitale Medien allein machen es nicht aus“, sondern das Miteinander, die soziale Interaktion seien entscheidend für erfolgreiches Lernen.

Die Schule – ein Brennglas der Gesellschaft

Die Schule sei wie ein Brennglas der Gesellschaft: Alles, was gesellschaftlich diskutiert wird, spiegle sich verstärkt in der Schule wieder – zusätzlich intensiviert durch die Corona-Pandemie. Sowohl unter Eltern wie auch Lehrern gebe es Maskenskeptiker und sehr vorsichtige Menschen, manche mit einem Angehörigen, der zur Risikogruppe gehört. Die Schuldirektorin sieht sich deshalb mit unterschiedlicher Kritik konfrontiert: „Ihr zwingt mein Kind zum Maskentragen“, sagen die einen, während die anderen ihr Kind aus Angst vor Ansteckung nicht am Eröffnungsgottesdienst teilnehmen lassen. Cornelia Wagner-Sturm versucht, allen Eltern mit Verständnis zu begegnen: „Eltern wollen oft nur reden und gehört werden in ihrer Lebenssituation.“ So manches Problem müsse man ausverhandeln – „am besten mit einem Augenzwinkern“.

In den Volksschulen in Aschbach und Wolfsbach war Ende Jänner, mitten im Lockdown, durchschnittlich ein Drittel bis die Hälfte der Schüler zur Betreuung in der Schule, in den Mittelschulen stieg der Anteil von Lockdown zu Lockdown und liegt mittlerweile bei 15 bis 20 Prozent. Manchmal ist eine Lehrerin mit einigen Schülern in der Klasse und unterrichtet außerdem noch die Klassenkameraden am Computer zuhause. Die soziale Schere gehe trotz aller Bemühungen auseinander. „Die Kinder, die abschweifen, die nicht mehr mitmachen, da stehen wir im Unterricht normalerweise direkt neben ihnen und begleiten sie.“

Ein besonderes Anliegen ist Cornelia Wagner-Sturm, für die Menschen während der Corona-Krise dazu zu sein: in den Journaldienst-Pausen für die Lehrer, in Online-Konferenzen, bei den Betreuungskindern vorbeischauen und sehen, wie es ihnen geht, positive Ereignisse wie Lernfortschritte wahrnehmen und rückmelden, stärkende Erlebnisse schaffen, soweit sie momentan möglich sind. So übten Schüler, deren Schikurs nicht stattfinden konnte, stattdessen auf einem Hang hinter der Schule Schifahren. Oder es gab eine Schneeballschlacht statt Sportunterricht in der Halle.

Durch Lob und Zuspruch stärken

Auch für die Eltern hat die Schuldirektorin ein offenes Ohr. „Da sein, Ansprechperson sein, Zeit und Aufmerksamkeit schenken, die jenigen, die etwas leisten oder sich bemühen, durch Lob und Zuspruch stärken“, so beschreibt sie ihre Aufgabe. Manche Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder durch die Corona-Pandemie Defizite in ihre Schullaufbahn mitnehmen. Auch wenn es hie und da Lücken im Lernstoff gebe, beruhigt die Direktorin: „Die Kinder haben etwas anderes gelernt: selbständig zu arbeiten, sich die Zeit selber einzuteilen, die Lehrerin gezielt um Informationen zu fragen.“ Manche Kinder hätten sogar extreme Fortschritte gemacht, weil sie ungestört und im eigenen Tempo arbeiten konnten. Es gehe ohnehin nicht nur um auswendig gelerntes Wissen, sondern darum zu wissen, wo man gute Informationen findet und wie man sie anwenden kann. Im Lockdown bauten Schüler beispielsweise eine kleine Kläranlage. Der Schichtbetrieb ermögliche sogar einen einzigartigen Förderunterricht mit nur der Hälfte der Kinder. So könne der Lehrer noch individueller auf den einzelnen Schüler eingehen.
Überhaupt kann Wagner-Sturm der aktuellen Situation viel Positives abgewinnen. Die Kinder seien so dankbar, wieder in die Schule kommen zu dürfen und hier ihre Freunde zu treffen. Und die Eltern zeigten mehr Verständnis für die Leistung der Pädagogen. „Schon der erste Lockdown im Frühling hat uns Lehrer und Eltern einander näher gebracht. Und die Wertschätzung durch die Eltern war noch nie so hoch.“

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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