Highlights aus Museum am Dom, Folge 3
In Form gebracht - Sakralkunst aus Keramik

Pietá, Werk von Wilma Niedermayr-Schalk, um 1935. | Foto: Museum am Dom
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  • Pietá, Werk von Wilma Niedermayr-Schalk, um 1935.
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In der Jahresausstellung „In Feuer geboren“ befasst sich das Museum am Dom neben der christlichen Bedeutung des Elementes auch mit Sakralkunstwerken, die durch Feuer entstanden sind. Dazu gehören auch die Objekte aus Keramik, um die es in diesem Beitrag gehen soll.

Als Keramiken werden Gegenstände bezeichnet, die aus Ton modelliert bzw. gegossen und danach gebrannt werden. Durch beigemengte Materialien wie Sand, Schamotte (gemahlener, vorgebrannter Ton) usw. sowie durch eine regulierbare Brenntemperatur wird das endgültige Erscheinungsbild der Keramik in ihrer Farbigkeit, Porosität und Struktur bestimmt. Der Vorteil des Arbeitens mit Ton liegt also einerseits im (lenkbaren) variablen Endergebnis, andererseits in der freien Modellierung während des Werkprozesses.

Seltenheit im kirchlichen Bereich

Im kirchlichen Bereich stellen (erhaltene) Keramikskulpturen eine Seltenheit dar. Wurden Kircheninnenräume jahrhundertelang meist mit gefassten Holzskulpturen ausgestattet, so schuf man Architekturelemente oder Figurengruppen im Außenbereich bevorzugt aus Stein. Kaum bekannt ist, dass es vor allem im Spätmittelalter ein Faible für Skulpturen aus Keramik gegeben haben muss, wovon wohl nur wenige Objekte erhalten sind. Vereinzelt können heute noch Marien- oder Christusfiguren sowie Figurenensembles (z. B. Ölberggruppen) aus Keramik an ihrem einstigen Bestimmungsort angetroffen werden.
Eine Zunft ausgewiesener Tonbildhauer gab es nicht, vermutlich wurden die Keramikskulpturen von Hafnern geschaffen, die bildhauerisch geübt oder von Steinbildhauern, die mit mineralischen Werkstoffen vertraut waren.

Keramische Objektvielfalt
in der Ausstellung

Im Museum am Dom St. Pölten werden derzeit Keramikobjekte aus unterschiedlichen Jahrhunderten präsentiert. Besondere Beachtung verdient die Figurengruppe „Pietà“ (um 1935) der Grazer Bildhauerin Wilma Niedermayr-Schalk: Als erfahrene Keramikbildhauerin wusste die Künstlerin mit technischem Geschick besonders große Keramiken zu brennen und dabei die Form stabil zu halten. Anders als die meisten anderen Keramikobjekte ist die Pietà nicht glasiert, sondern „kalt“ bemalt in zurückhaltenden, stimmigen Erdtönen.

Keramikskulpturen brauchen Vergleich mit Werken aus Holz oder Stein nicht scheuen.

Ihr gegenüber präsentiert sich ein Schmerzensmann (um 1350), der zu den ältesten Museumsobjekten gehört und 1949 im Zuge von Restaurierungs- und Archäologiearbeiten im ehemaligen St. Pöltner Stift aus einer vermauerten Nische geborgen wurde, als nahezu zeitlos. Die Hautpartien des Schmerzensmannes sind ungefasst (das bedeutet unbemalt), die rötlich gebrannte Keramik verleiht ihnen eine natürliche, menschennahe Farbigkeit.

Keramikfiguren wurden primär zur Andacht angefertigt, im Falle der Figuren des italo-österreichischen Bildhauers Giovanni Giuliani wurde gebrannter Ton als effektives Mittel zur Herstellung sogenannter „Bozzetti“ (Entwürfe) herangezogen. Die Figuren (um 1705) dienten den Auftraggebern dazu, einen formalen Eindruck der später in Lindenholz bzw. Sandstein ausgeführten Objekte (u. a. für das Stift Heiligenkreuz oder das Gartenpalais Liechtenstein in Wien) zu bekommen.

Im Falle der Krippe von Michael Powolny (1920) wurde die Glasur nicht wie üblich auf die vorgebrannte Terrakotta-Krippe aufgetragen, sondern auf die rohe modellierte Tonmasse und anschließend gebrannt. Das Ergebnis ist ein lasurenartiges Erscheinungsbild, das die rote Terrakotta stellenweise durchschimmern lässt.
Eine exemplarische Auswahl an Keramikobjekten im Museum am Dom beweist, wie mannigfaltig die Verarbeitung von Keramiken und deren Fassung war. Obwohl mittelalterliche Keramikskulpturen aufgrund der fehlenden Autorenschaft kunsthistorisch nur wenig rezipiert wurden, brauchen sie den Vergleich mit den weit verbreiteten bildhauerischen Objekten aus Holz oder Stein nicht zu scheuen. Während sie in späterer Zeit vor allem als Entwürfe einen wirtschaftlichen Aspekt erfüllten, wurden sie im 20. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des österreichischen Kunstgewerbes. Von Felix Renner

Pietá, Werk von Wilma Niedermayr-Schalk, um 1935. | Foto: Museum am Dom
Weihnachtskrippe aus Keramik, geschaffen von Michael Powolny, 1920. | Foto: Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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