Die Weltsynode
Was Synodalität eigentlich bedeutet

Das Apostelkonzil, zu dem die Jerusalemer Urgemeinde und die Apostel im Jahr 48 zusammentraten, wird in der Bibel beschrieben (Apg 15) und gilt als erste Kirchenversammlung der Geschichte. Die Darstellung befindet sich auf dem 1873 geschaffenen Petrusfenster im Kölner Dom. 
 | Foto: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Datei:Koelner_Dom_Petrusfenster_Apostelkonzil.jpg (unver.)
  • Das Apostelkonzil, zu dem die Jerusalemer Urgemeinde und die Apostel im Jahr 48 zusammentraten, wird in der Bibel beschrieben (Apg 15) und gilt als erste Kirchenversammlung der Geschichte. Die Darstellung befindet sich auf dem 1873 geschaffenen Petrusfenster im Kölner Dom.
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Der 2021 von Papst Franziskus ausgerufene weltweite synodale Prozess mündet am 4. Oktober in die erste Sitzung der Bischofssynode in Rom, die auf Basis der Ergebnisse der Konsultationsphase nun unter anderem über die Synodalität der Kirche beraten wird. Zu Beginn der Synode im Vatikan werfen wir nochmals einen Blick auf den Begriff Synodalität und was dieser eigentlich bedeutet.

Über kaum etwas wird in der aktuellen theologischen Debatte so viel gesprochen wie über den Begriff der Synodalität – oft jedoch ohne tatsächlich darüber zu reflektieren, was dieser eigentlich meint. Papst Franziskus sieht in der Synodalität eine „konstitutive Dimension der Kirche“, versteht sie also als Bestandteil ihres Grundgerüsts. Er konstruiert damit eine theologische Größe, die als solche bisher im kirchlichen Lehramt noch nicht in Erscheinung getreten ist. Doch was hat es damit auf sich?

Synodalität in Leben und Sendung der Kirche

Die Internationale Theologische Kommission, die im Auftrag des Papstes über wichtige aktuelle theologische Fragen berät, hat sich bereits 2018 in ihrer umfangreichen Studie „Synodalität in Leben und Sendung der Kirche“ zu dieser Frage geäußert. Die Lektüre dieses Dokumentes bringt mehr Klarheit in die Sache, weshalb hier kurz die Grundzüge seines Inhalts erläutert werden sollen: Der Terminus „Synodalität“ leitet sich von der „Synode“ ab. Diese bezeichnet die seit jeher gepflegten kirchlichen Versammlungen, die ihren Ursprung im sogenannten „Apostelkonzil“ finden (Apg 15). Über lange Strecken wurden die Begriffe „Synode“ und „Konzil“ im kirchlichen Sprachgebrauch synonym verwendet. Erst das aktuelle kirchliche Gesetzbuch von 1983 nimmt hier eine Unterscheidung vor, die jedoch nicht näher erläutert ist. Während der Begriff der Synode im Laufe der Kirchengeschichte allgegenwärtig war, ist die Rede von der Synodalität noch sehr neu.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) liefert einige Anstöße dafür, wobei es selbst diesen Begriff noch nicht kennt. Die Betonung des gemeinsamen Sendungsauftrags aller Getauften in der Kirche durch das Konzil bringt eine neue Dimension in die Theologie, die ihre Ausläufer unter anderem in der Lehre von der Synodalität der Kirche hat. Das Dokument der Internationalen Theologischen Kommission führt einige Hinweise in Schrift und Tradition an, aus denen sie den konstitutiven Charakter der Synodalität für die Kirche ableitet.
„Die Synodalität bezeichnet nicht eine einfache Verfahrensweise, sondern die eigentüm-
liche Form, in der die Kirche lebt und handelt.“

„Die Synodalität bezeichnet nicht eine einfache Verfahrensweise, sondern die eigentümliche Form, in der die Kirche lebt und handelt“, so die Studie der Theologenkommission. Es gilt somit eine „Theologie der Synodalität“ zu entwickeln, um diese „eigentümliche Form“ der kirchlichen Lebensweise verstehen zu können. Die Theologenkommission entwirft die Synodalität als eine Weiterführung des vom Zweiten Vatikanum festgestellten Prinzips der „Kollegialität“. Dies betrifft im engeren Verständnis freilich nur das Bischofskollegium als solches, hat aber auch Auswirkungen auf die Gesamtkirche. Das Haupt des Bischofskollegiums (der Papst) ist gleichsam auch Teil dieses Kollegiums. Dieses Prinzip gilt auch für die Kirche als gesamte: Auch sie ist nämlich eine Gemeinschaft, der zunächst alle ihre Glieder in gleicher Weise angehören, auch wenn sie sich in ihrer hierarchischen Stellung innerhalb der Kirche voneinander unterscheiden.

„Umgekehrte Pyramide“

Papst Franziskus zeichnet hier das Bild einer „umgekehrten Pyramide“, in der sich die Spitze unter der Basis befindet. Dies entspricht dem paulinischen Bild von Christus als dem mit seinem Leib vereinten Haupt (Eph 1,22f.). Hier wird gleichsam all jenen Sichtweisen ein Riegel vorgeschoben, die meinen, Synodalität bloß auf Ebene der Basis, ohne oder gar gegen ihr jeweiliges Haupt stattfinden lassen zu können.

Papst Franziskus selbst sagte dazu: „Die Tatsache, dass die Synode immer cum Petro et sub Petro (mit Petrus und unter Petrus; gemeint ist damit der Papst) handelt – also nicht nur cum Petro, sondern auch sub Petro – ist keine Begrenzung der Freiheit, sondern eine Garantie für die Einheit. Der Papst ist nämlich nach dem Willen des Herrn, das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen‘. Damit verbindet sich das Konzept der ,hierarchischen Gemeinschaft‘, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil angewandt wurde: Die Bischöfe sind mit dem Bischof von Rom durch das Band der bischöflichen Gemeinschaft verbunden (cum Petro) und sind ihm als dem Haupt des Kollegiums zugleich hierarchisch unterstellt (sub Petro)“ (Ansprache zur 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode,
17. Oktober 2015).

Was bedeutet Synodalität für das kirchliche Leben?

Was aber bedeutet nun diese „Theologie der Synodalität“ für das kirchliche Leben? Sy-nodalität soll in Zukunft eine Form der echten Teilhabe an Entscheidungsprozessen in der Kirche sein – nicht im Sinne einer demokratischen Mitentscheidungsvollmacht, jedoch in einem wirklichen Ernstnehmen eines beratenden Votums bzw. in einem aktiven gegenseitigen Hinhören der unterschiedlichen hierarchischen Ebenen aufeinander – also sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben. Beliebige Mehrheitsentscheidungen können jedoch niemals eine Grundlage für kirchliche Entscheidungen bilden.

Voraussetzung für ein synodales Handeln ist nach dem Dokument der Theologenkommission „ein aufmerksames Hören auf den Heiligen Geist, Treue zur Lehre der Kirche und gleichzeitig Kreativität, um die passenden Instrumente zu erkennen und wirksam werden zu lassen“. Damit ist auch ausgeschlossen, dass das Ergebnis synodaler Prozesse die überlieferte Lehre der Kirche abändern oder gar aufheben kann.

„Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in dem Bewusstsein, dass das Zuhören mehr ist als Hören. Es ist ein wechselseitiges Anhören, bei dem jeder etwas zu lernen hat.“

„Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in dem Bewusstsein, dass das Zuhören mehr ist als Hören. Es ist ein wechselseitiges Anhören, bei dem jeder etwas zu lernen hat (...) – jeder im Hinhören auf die anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist, den ,Geist der Wahrheit‘ (Joh 14,17), um zu erkennen, was er ,den Kirchen sagt‘ (vgl. Offb 2,7)“, so der Heilige Vater. Klar ist also, dass Papst Franziskus die Synodalität als eine Form des aufeinander Hörens und des „gemeinsam unterwegs Seins“ sieht, die der Kirche zu einer Stärkung der Einheit verhilft. Garant für diese Einheit ist das gemeinsame Festhalten an der kirchlichen Überlieferung. Eine Versammlung, die dahingegen aufgrund von Lehrstreitigkeiten die Gefahr einer Kirchenspaltung in Kauf nähme oder gar provozierte, wäre mit dem Anliegen des Papstes verständlicherweise nicht kompatibel.

Spannend bleibt, wie die anstehende Bischofssynode mit den Ergebnissen des gesamtkirchlichen synodalen Prozesses umgehen wird. Man muss und darf darauf vertrauen, dass die Anregungen des Papstes und der Internationalen Theologischen Kommission beherzigt werden und das Hören auf den Heiligen Geist im Zentrum der Beratungen stehen wird. „Nur unter dieser Perspektive können wir wirklich unsere Pastoral erneuern und sie an die Sendung der Kirche in der Welt von heute anpassen“ (Ansprache von Papst Franziskus an die Italienische Bischofskonferenz zur Eröffnung der 70. Generalversammlung, 22. Mai 2017).  Felix Deinhofer

Die Weltsynode

Synode über Synodalität. Das wohl wichtigste kirchenpolitische Projekt von Papst Franziskus steuert auf einen ersten Höhepunkt zu: Wenn zwischen 4. und 29. Oktober im Vatikan die mehr als 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der zweiteiligen „Synode über Synodalität“ ihre Arbeit aufnehmen, geht es um die Kirche der Zukunft. Vier Wochen werden sie in der Audienzhalle im Vatikan beraten.

Ziel. Im Kern geht es zum einen um eine Art neue Verfassung für die Kirche, die dem „Volk Gottes“ mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten eröffnen soll. Und dann geht es auch um einige heiße Eisen, etwa den Umgang der Kirche mit Angehörigen sexueller Minderheiten. Eine „offene Kirche für alle“ ist das erklärte Ziel des Papstes.

Teilnehmende: Exakt 493 Namen zählt das im Juli vom Vatikan veröffentlichte Tableau der von den Bischofskonferenzen gewählten, der von Amts wegen feststehenden sowie der vom Papst ernannten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Liste setzt sich zusammen aus - Papst Franziskus eingerechnet - 365 stimmberechtigten Mitgliedern; hinzukommen neun Ehrengäste, zwölf Vertreter aus der Ökumene, 61 theologische Beraterinnen und Berater sowie 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Synodensekretariats.
Österreich und die Synode. Etwa ein Drittel der „membri“ stammt aus Europa, Nord- und Südamerikaner machen ein Viertel der Mitglieder aus, Afrikaner und Asiaten je etwa ein Fünftel und fünf Prozent der Stimmberechtigten der Synode kommen aus Ozeanien. Aus Österreich sind Kardinal Christoph Schönborn und der Bischofskonferenz-Vorsitzende Erzbischof Franz Lackner Mitglieder der Synode. Im Kreis der eingeladenen – nicht-stimmberechtigten – theologischen Beraterinnen ist die Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar (42), die als Professorin für Pastoraltheologie u. a. an der Katholischen Privat-Universität (KU) Linz lehrt.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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