Warten auf Weihnachten
Advent in Zeiten des Lockdowns

Weihnachtssterne über den (heuer weitgehend leeren) Einkaufsstraßen – wer fühlt sich von ihnen an den Stern von Betlehem erinnert, der auch uns zur Krippe, zum neugeborenen Jesuskind und der mit ihm geschenkten Hoffnung erinnert?
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  • Weihnachtssterne über den (heuer weitgehend leeren) Einkaufsstraßen – wer fühlt sich von ihnen an den Stern von Betlehem erinnert, der auch uns zur Krippe, zum neugeborenen Jesuskind und der mit ihm geschenkten Hoffnung erinnert?
  • Foto: Harald Oppitz/KNA
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Am 28. November beginnt heuer der Advent. Wie Kinder warten wir ein Leben lang im Advent gespannt auf das Weihnachtsfest. Woher kommt diese Freude an diesem Ritual? Vielleicht sogar besonders in Lockdown- bzw. Corona-Zeiten?

Wird es wieder besinnlich? Glühwein auf den Adventmärkten mit Freunden, heißer Tee und Kerzen in der gut geheizten Wohnung – die Vorweihnachtszeit verbinden wir mit der behaglichen Nestwärme unserer Kindheit und mit Familienidylle. Das traute Heim wird gerade jetzt zum Rückzugsort vor der Welt da draußen. Letztlich ähnelt sein Ambiente dem Stall von Betlehem: Das Licht der Laterne über der Krippe setzt den Kontrapunkt zur Finsternis da draußen, in der Unsicherheit und Bedrohung lauern.

In diesen Tagen betrachten wir alles mitunter in einem milderen Licht. Dass wir jedoch auch in dieser beschaulichen Zeit nicht wirklich von den Krisen verschont bleiben, wurde uns spätestens mit dem ersten Weihnachten in der Pandemie bewusst. Das war 2020. Heuer scheint es ähnlich zu verlaufen. Wir spüren: Es gibt ein Väterchen Frost der Seele, der nicht so gemütlich daherkommt wie in der russischen Kultur. Vielmehr beißt er sich fest in unserem Gemüt und nagt und nagt: dann etwa, wenn uns der Lockdown in die Isolation zwingt oder wir einen Corona-Toten betrauern müssen.

Und dennoch: Wie Kinder warten wir jedes Jahr im Advent gespannt auf das Weihnachtsfest. Alle Jahre sind wir davon so gespannt, als erlebten wir es zum ersten mal. Wie kann man so viel Erstaunen aufbieten für etwas, das man schon so genau kennt?

Während die Menschen sonst im Alltag schnell genervt sind, wenn sie irgendwo sich anstellen und lange wärten müssen, kann es ihnen in der Erwartung des Christfestes oft nicht langsam genug gehen. Der Weg dahin ist allerdings „versüßt“ mit schönen und liebgewonnen Traditionen: vom Feiern vor dem Adventkranz, dem Türchenöffnen am Adventkalender bis hin zum Kekserl backen und dem adventlichen/weihnachtlichen Schmücken der eigenen vier Wände. Das Adventkranz-Lied „Wir sagen euch an den lieben Advent“ hat sich den Christen in ihre Seelen eingebrannt, und mit ihm alle Düfte, wie sie uns nur in der Advent- und Weihnachtszeit zuwehen: Der Duft von Zimt und Nelken, glacierten Äpfeln und anderem erscheint uns wie eine Duftprobe aus dem Paradies, das wir hinter der letzten großen Tür erhoffen. Wir stimmen uns alle auf eine Reise ein, von deren Ausgang wir uns eine Erneuerung unserer Seelen erhoffen, und da wir die Seele und alle ihre Transformationsmöglichkeiten in unserem irdischen Dasein nicht begreifen können, freuen wir uns stattdesssen auf Geschenke, die das Christkind unter dem Christbaum platziert hat. Das Greifbare ersetzt manchmal das Unbegreifliche.

Wie Kinder warten wir jedes Jahr im Advent
gespannt auf das
Weihnachtsfest.

Das Spiel mit den Türen, hinter dem sich das Allerheiligste verbirgt, findet man gleichermaßen in Synagogen, Moscheen und Kirchen. Alle großen Weltreligionen arbeiten mit den Mitteln der Verhüllung – bei jedem Schabbat-Gottesdienst steht das Wunder im Raum, wenn der Rabbiner den Toraschrein öffnet. Das entspricht im Katholischen der Situation, wenn der Priester in der Kirche aus dem Hostienschrein den Kelch hervorholt, über den ein Tuch gelegt ist. Und obwohl – oder gerade weil – man diese Zeremonie bei jeder Feier neu erleben kann, weist das, was wir da sehen und im besten Fall spirituell erfahren, über unsere menschliche Vorstellungskraft weit hinaus.

Unsere Hoffnung, dass das Ab­sehbare doch ein anderes, ein heilvolles Ende haben könnte, das ist das, was wir Christen uns in der Adventzeit wünschen.
Wenn wir am Heiligen Abend die Geburt des Christkindes feiern, denken wir nicht an den Kreuzestod, sondern legen unsere ganze Inbrunst in jenen Funken. Aus ihm speist sich jede Kerze, das Licht im Stall und der Stern von Betlehem.

So stellt sich – oft ganz unvermutet, wie von selbst – die Weihnachtsstimmung ein. Die Menschen genießen in dieser Zeit weder Erlebniswelt noch Wohlfühlambiente. Sie freuen sich an der Geburt des Herrn. Der Dichter Friedrich von Bodelschwingh drückte das so aus:  „Das ist das Wunder der Heiligen Nacht, dass in die Dunkelheit der Erde die helle Sonne scheint.“ KNA / Red.

Weihnachtssterne über den (heuer weitgehend leeren) Einkaufsstraßen – wer fühlt sich von ihnen an den Stern von Betlehem erinnert, der auch uns zur Krippe, zum neugeborenen Jesuskind und der mit ihm geschenkten Hoffnung erinnert?
Adventmärkte mit dem Duft von Lebkuchen, Zimt und Punsch gehörten stets zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest – heuer sind sie wegen der Corona-Maßnahmen vorerst bis auf Weiteres geschlossen.
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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