Allerheiligen – das Fest der Erlösten

Grabkreuze geben Zeugnis vom Glauben an die Auferstehung der Toten.
  • Grabkreuze geben Zeugnis vom Glauben an die Auferstehung der Toten.
  • Foto: Leopold Schlager
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Mit einem Fest der „unbekannten“ Heiligen und einem Gebetstag für die Verstorbenen beginnt der Monat November, der oft auch als „Totenmonat“ bezeichnet wird. Beide Tage weisen aber über den Tod hinaus auf den hoffnungsvollen Grund unserer Erlösung.

Am 1. November feiert die katholische Kirche das Fest Allerheiligen. An diesem Festtag wird – wie der Name bereits sagt – der Heiligen und Seligen der Kirche gedacht. Auf diese Weise sollen insbesondere jene Heiligen in den Mittelpunkt gerückt werden, derer nicht durch eigene Feiertage im Jahreskreis gedacht wird, und welche nicht im alltäglichen Bewusstsein präsent sind. Hintergrund ist hier die Lehre der Kirche, wonach jeder Gläubige zur Heiligkeit berufen ist. Früher wurde Allerheiligen nach Pfingsten begangen; die liturgische Farbe ist daher weiß.
Zu Allerseelen begeht die katholische Kirche das Gedächtnis für die Verstorbenen. Das Datum dieses Festes ist der 2. November. Durch Gebet, Fürbitte, Almosen und Friedhofsgänge gedenken die Gläubigen an diesem Tag traditionell der Seelen im Fegefeuer und widmen ihnen Ablässe. Die liturgische Farbe des Festes ist violett.

Seit wann gibt es Allerheiligen?

Das Fest Allerheiligen hat seinen Ursprung im 4. Jahrhundert in der Osthälfte des Römischen Reiches. Es fasst „alle“ Heiligen, Märtyrer und Apostel an einem einzigen Festtag zusammen. Ursprünglich wurde der „Herrentag aller Heiligen“ am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert – noch ganz im Zeichen des Osterfestes: Jene, die im Glauben an Christus den Tod auf sich genommen haben, sind mit ihm vereint in der himmlischen Herrlichkeit. Im Zuge der Christenverfolgungen war die Zahl der Märtyrer rasant angestiegen, sodass es ratsam erschien, einen Festtag für all jene Heiligen einzuführen, denen im kirchlichen Kalender kein eigener Gedenktag ein­geräumt werden konnte. Ende des 8. Jahrhunderts verbreitete sich das Fest von Frankreich aus auf die gesamte Westkirche. Papst Gregor IV. legte Allerheiligen 835 dann auf den 1. November fest.

Die Wurzeln von Allerseelen gehen zurück auf das Jahr 998, in dem der Abt des französischen Benediktinerklosters Cluny, Odilo von Cluny, den Tag als Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen in seinem Kloster festgesetzt hatte. Christliche Feste zum Totengedenken gibt es allerdings bereits seit dem 2. Jahrhundert. Die offizielle Festsetzung des Gedenktages erfolgte erst spät – im Jahr 1915 durch Papst Benedikt XV.
Dass sich das Totengedenken mehr und mehr auf den Allerheiligentag verschoben hat, hat vor allem pragmatische Gründe, schließlich ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. Aber auch theologisch stehen beide Feste in einem engen Zusammenhang. So gründen Allerheiligen und Allerseelen in der christlichen Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten besteht. Der Blick weitet sich vom irdischen Leben hin zur himmlischen Vollendung.

Ein Fest für und mit der „Kirche des Himmels“

Theologisch steht das Fest in engem Bezug zu Ostern und der Auferstehung der Toten, da die Heiligen laut christlicher Überzeugung bereits in Gemeinschaft mit Gott stehen und die „Kirche des Himmels“ bilden. Den Gläubigen soll das Gedenken Motivation sein, das eigene Leben intensiver im Sinne des Evangeliums zu leben und so einen Weg der „Heiligkeit“ zu gehen.
Zum Evangelium des Allerheiligenfestes werden in allen Lesejahren die Seligpreisungen aus der Bergpredigt gelesen. Es ist darin „die Rede von der kommenden Zeit – wenn die Wahrheit offenbar wird, wenn die Menschen Gott erkennen, so wie er ist, und wenn sie selber ihre Vollendung erfahren“, heißt es im „Laacher Messbuch“. Für die Lebenden – und vor allem die Glaubenden – gehört das zu dem noch unbekannten, aber erhofften Ziel des Lebens. Davon spricht das Buch der Offenbarung in der 1. Lesung des Allerheiligentages in einer bildhaften Sprache.

Traditionell besuchen viele Menschen an diesen beiden Tagen ihre Verstorbenen am Friedhof, schmücken die Gräber mit Blumen, zünden Lichter an und beten für sie. Nach­mittags finden zu Allerheiligen in
den Pfarren auch Gräberumgänge und Grä­bersegnungen statt. Ein beliebter Brauch ist auch der Allerheiligenstriezel oder der Allerheiligenzopf, eine symbolische Form der Seelenspeisung. Das süße Germgebäck wird meist an Allerseelen verschenkt. In einigen Regionen Österreichs wird dieser Tag auch „Godntag“ genannt, da der Pate oder die Patin dem Patenkind einen Allerheiligenstriezel schenkt. Traditionell werden zu Allerheiligen auch zu Ehren aller in den Weltkriegen gefallenen Soldaten Gedenkfeiern mit Kranzniederlegung gefeiert und Gedenktafeln und Kreuze an Straßenrändern aufgestellt.

Gruseliges Halloween und stille „Nacht der 1000 Lichter“

Heute gesellt sich zu den kirchlichen Festen mit ihren Ritualen und Gebräuchen in erster Linie bei jüngeren Menschen noch ein anderes Treiben – Halloween. Dieses Brauchtum hat seinen Weg aus dem angelsächsischen Sprachraum längst auch nach Österreich gefunden hat. Sein Ursprung ist eng mit dem christlichen Allerheiligentag verbunden. So geht der Name auf die englische Bezeichnung „All Hallows eve“, also den Vorabend des Allerheiligenfestes, zurück. Kinder ziehen am Vorabend von Allerheiligen verkleidet durch die Straßen und bitten um Süßigkeiten. Nicht zuletzt ist auch Halloween zu einem einträglichen Geschäftsmodell geworden. So kommt es, dass schon Wochen davor in den Geschäften alles dafür zum Verkauf bereitsteht: Dekoration, Masken und natürlich die obligaten Süßigkeiten in den schrägsten Farben und Geschmacksvarianten – fast gleichzeitig übrigens mit den ersten Adventkalendern.

Als Gegenbewegung dazu und zur Einstimmung auf Allerheiligen hat sich ausgehend von einer Aktion der Katholischen Jugend in der Diözese Innsbruck längst aber auch die „Nacht der 1000 Lichter“ in vielen Pfarren etabliert. Grundidee dieser „Nacht der 1.000 Lichter“ sei es, das „Heilige“ zu entdecken. Zu Allerheiligen werde nicht nur der offiziell Heiliggesprochenen gedacht, sondern aller Menschen, die ein „heiliges“ Leben führen: „Alltags-Heilige“ lassen etwas von der Gegenwart Gottes spü­ren, so der Leiter der KJ der Diözese Innsbruck, Roman Sillaber: „Es gibt in jedem Menschen das Heilige, auch wenn es oft unerkannt oder unbeachtet bleibt.“

Gedankenimpuse zu Allerseelen

Mitten wir im Leben sind
mit dem Tod umfangen,
wer ist, der uns Hilfe bringt,
dass wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine.
Uns reuet unsre Missetat,
die dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herre Gott,
heiliger starker Gott,
heiliger barmherziger Heiland,
du ewiger Gott,
lass uns nicht versinken in des bittern Todes Not.
Salzburg (1456)

Wer mit einem jungen Herzen alt wird,
weiß um den Sinn des Lebens
und des Sterbens.
Er weiß, wie „kurz“ und wie „klein“
alles auf der Erde ist,
und er hat Hoffnung auf „ewiges Leben“.
Phil Bosmans

Ich glaube an das Leben, das uns versprochen ist.
Ich liebe dieses Leben – ich werde es loslassen.
Es wird keine Fragen mehr geben. Ich werde ja sagen.
Ich werde erwartet werden.
Ich glaube an die Auferstehung –
die Auferstehung der Lebenden und der Toten.
Ich glaube an das Leben:
das Leben hier in dieser Welt
und an das ewige Leben.
Nach G. Putz/F. M. Schmölz

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns
mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.
Rainer Maria Rilke

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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