Welthaus Diözese St. Pölten
Wie Friede in Kolumbien gelingen kann

Luisa Acosta (li.) gibt regelmäßig Kochkurse.
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Auf Einladung von Welthaus Österreich sprachen drei kolumbianische Friedensaktivisten bei einer virtuellen Veranstaltung über ihre Arbeit. Ein Nachbericht von Michaela Spritzendorfer-Ehrenhauser vom Welthaus der Diözese St. Pölten.

Eigentlich hätten Luisa Acosta, Fabio Alonso und Nelson Restrepo 2020 Österreich besuchen sollen. Corona hat diese Reisen unmöglich gemacht und insgesamt die Arbeit für die Länder des globalen Südens verändert. Um sich dennoch mit den drei kolumbianischen Friedensaktivisten austauschen zu können, verlegte Welthaus Österreich den Besuch im Dezember 2021 in den virtuellen Raum – mit vielen Zuhörern!
Vor fünf Jahren, im November 2016, ist in Kolumbien ein Friedensvertrag zwischen der Regierung und der FARC, der größten Guerilla-Organisation des Landes, unterzeichnet worden. Damit hätte ein Schlussstrich unter einen fünf Jahrzehnte dauernden blutigen Bürgerkrieg gezogen werden sollen. Der damalige Präsident Juan Manuel Santos bekam für diesen Vertrag 2016 sogar den Friedensnobelpreis.

Kolumbien beginnt von Neuem

Frieden ist aber mehr als nur die Abwesenheit von Krieg. Der Weg vom Konflikt zu stabilen, demokratischen Verhältnissen ist nicht leicht. Dazu braucht es die Aufarbeitung der Geschehnisse und vor allem auch Versöhnung und Vergebung. Nach mehr als 50 Jahren bewaffnetem Konflikt beginnt Kolumbien gerade von Neuem.
Luisa Acosta ist Historikerin, Gastronomie-Beraterin und „Slow Food“-Köchin. Durch ihre langjährige Erfahrung in der Wiederentdeckung der Vielfalt traditioneller kolumbianischer Küche weiß sie um den Zusammenhang von Ernährungssouveranität und Frieden.

Landbesitz ist in Kolumbien ausgesprochen einseitig verteilt: Gerade einmal 0,4 Prozent der Landeigentümer besitzen mehr als 61 Prozent des privaten Landes, berichtete Luisa Acosta. Die Aktivisten zeigten den Zusammenhang zwischen dem bewaffneten Konflikt und der damit verbundenen Nahrungsmittelkrise in Kolumbien auf, die wieder einen Nährboden für Gewalt bildet. Ursprünglich ging es bei der Gründung der FARC-Guerilla um Kleinbauern, die eine Agrarreform gefordert haben.

Nelson Restrepo ist Soziologe, Dokumentarfilmer und hat einen Master in Raumordnung. Seit vielen Jahren ist er Koordinator des Arbeitsbereichs Bürger/innenschaft für Umweltschutz der Organisation Conciudadania, einer Partnerorganisation der österreichischen Dreikönigsaktion, in der Region rund um die Großstadt Medellín. Nelson begleitet politische Teilhabeprozesse auf Gemeinde­ebene und setzt sich für Umweltthemen ein. Seine These: Eine partizipative Stadtplanung und Raumordnung stärkt eine um­welt­bewuss­te Bürgerschaft. Zu den wirtschaftlichen und sozialen Problemen in Kolumbien kommen Probleme durch die geographische Lage und die Konflikte in den Nachbarländern. „Kolumbien ist das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit – mehr als in Afghanistan. Über 8,3 Millionen Flüchtlinge versuchen in Kolumbien zu überleben, dazu kommen nochmals ebenso viele Kolumbianer, die offiziell als Opfer der gewaltsamen Auseinandersetzungen gelten.“ Alleine solche Rahmenbedingungen stellen Regierung und Behörden vor riesige Herausforderungen, wie Nelson Restrepo berichtete.

Kolumbien ist das Land mit den meisten Binnenvertriebenen weltweit – mehr als in Afghanistan.

Fabio Alonso Mesa ist Politikwissenschaft­ler und Berater der öffentlichen Verwaltung. Er arbeitet vor allem als Erwachsenenbildner mit direkt Betroffenen des Bürgerkriegs. Mesa koordiniert Projekte u. a. für die Organisationen SERCOLDES, die Stiftung Kolumbianischer Dienst für Soziale Entwicklung, und FUNDECOS, eine Partnerorganisation der Katholischen Frauenbewegung. Wichtige Themen seiner Arbeit sind Bildung, Menschenrechte und Frieden. Er berichtete von den Fortschritten in der Gesetzgebung, die in den letzten Jahren erzielt wurden. Kolumbien habe alle aktuellen internationalen Verträge ratifiziert und erhebliche Verbesserungen bei Gesetzen zum Schutz von Frauen und Opfern von Gewalt gemacht. „Die politische Teilhabe von Frauen ist ein Schlüssel zum Frieden und daher sehr wichtig“, ist Alonso Mesa überzeugt. Gestützt auf eine Resolution der Vereinten Nationen ist es der kolumbianischen Frauenbewegung gelungen, 122 Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter in das Friedensabkommen zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung aufzunehmen. „Die Ermächtigung von Frauen, die besonders von Arbeitslosigkeit und Ausbeutung betroffen sind, ist besonders wichtig!“, betonte Fabio Alonso.

Einladung zu Webinaren

Nach einer angeregten Diskussion zeigten sich die Vortragenden erfreut über das Interesse an ihren Ausführungen und dem transkontinentalen Kontakt und Austausch. Mehr Informationen zur Arbeit von Welthaus und eine Einladung zu den Webinaren (Infoveranstaltung im Internet) finden Sie unter www.welthaus.at.

Luisa Acosta (li.) gibt regelmäßig Kochkurse.
Paz bedeutet Frieden. Kinder hoffen, in Zukunft in einem friedlichen Land leben zu können.
Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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