Präsident der Katholischen Aktion St. Pölten
Interview mit Reinhard Länger
- Reinhard Länger
- Foto: Patricia Harant-Schagerl
- hochgeladen von Wolfgang Zarl
Seit 2022 ist Dr. Reinhard Länger Präsident der Katholischen Aktion (KA) St. Pölten, im Oktober des Vorjahres wurde er im Amt bestätigt. Im Interview zieht er eine erste Bilanz, spricht über Herausforderungen für die KA und wie er die Zukunft der Kirche sieht.
Weiß jede Katholikin/jeder Katholik, was oder wer die Katholische Aktion ist?
Dr. Reinhard Länger: Wenn man mit Menschen auf der Straße spricht, dann muss ich gestehen, ist die KA vielen unbekannt. Wenn man aber erklärt, dass da Gliederungen wie die Katholische Jugend, die Katholische Frauenbewegung oder Männerbewegung und so weiter dazugehören, dann können die Leute anknüpfen. Aber ja, die Marke KA ist für viele – auch kircheninterne Menschen – eher unbekannt. Das ist für mich einer der Aufträge, hier wieder Bewusstsein zu schaffen. Nach außen, aber auch nach innen – wir sind ja keine Einzelkämpfer, sondern arbeiten gemeinsam unter dem Dach der KA.
Braucht es die KA überhaupt als Dachorganisation?
Länger: Darüber haben wir auch intern gesprochen, ob jede Gliederung ein eigener kirchlicher Verein werden könnte, mit eigenem Budget, eigenem Personal etc. Aber es war ganz schnell klar, dass das eine Multiplikation der Organisation und Administration wäre – und das kann unseren Mitgliedern und Förderern gegenüber nicht gerechtfertigt werden. Mit der KA haben wir einen gemeinsamen Schirm – mit einem gemeinsamen Büro, Mitarbeiterinnen und administ-rativen Hilfestellungen. Ich sehe die KA als Ermöglicherin: Wir wollen das ermöglichen, was die vielen Ehrenamtlichen in den Gliederungen verwirklichen wollen.
Die KA ist seit einem Jahr ein selbständiger Verein. Was bedeutet das für die KA und ihre Gliederungen?
Länger: Die KA ist seit heuer ein kirchlicher Verein, der Bischof hat weiterhin die Patronanz über die KA. Diese Veränderung hat mit sich gebracht, dass wir uns ein neues Zuhause suchen mussten – das wir in meiner Heimatpfarre St. Johannes Kapistran im Süden von St. Pölten gefunden haben. Und ich bin jetzt in der Pension Dienstgeber geworden – wir haben zwei teilzeitangestellte Mitarbeiterinnen, die sich wirklich schnell und gut eingearbeitet haben. Ich berichte dem Bischof immer wieder und wir werden ihm demnächst auch einen Rechenschaftsbericht vorlegen, denn wir bekommen nach wie vor nennenswerte Mittel aus den Kirchenbeiträgen von der Diözese – dafür sind wir sehr dankbar.
Die Veränderung hat neben diesen Herausforderungen auch einige Vorteile mit sich gebracht: Wir haben in der KA und in den einzelnen Gliederungen nun verschlankte Strukturen, die rasche Entscheidungen ermöglichen. Wir entscheiden selbst über den Einsatz des Budgets, Publikationen, Projekte, Layouts usw. Die neuen Strukturen haben auch mit sich gebracht, dass jetzt nicht mehr nur für die eigene Gliederung gedacht wird. Wir schauen gemeinsam auf unsere personellen Ressourcen und das Budget, da gibt es ein wertschätzendes Miteinander.
Und die Katholische Aktion als eigenständiger Verein „verschwindet“ hinter den Gliederungen?
Länger: Keineswegs! Wir sind gemeinsam präsent mit einem regelmäßigen Newsletter (bei Interesse bitte Kontakt mit dem KA-Büro aufnehmen), mit einem halbjährigen Magazin, das auch in „Kirche bunt“ erscheint, und entwickeln gemeinsame Projekte wie eine KA-Wallfahrt. Und ich habe ein Herzensprojekt: ganz nach dem Vorbild einer Diözesankonferenz eine Großveranstaltung, ein diözesaner Katholikentag, von allen Gliederungen der KA gemeinsam mit der Diözese getragen, bei dem viele Menschen zusammenkommen, sich im Austausch stärken, wo wir gemeinsam beten und der Welt ein lebendiges Zeugnis unseres Glaubens geben. Denn trotz vieler unterschiedlicher Strömungen sind wir alle gemeinsam Arbeiter im Weinberg Gottes, jede und jeder mit ihren / seinen Talenten, Ideen und der ganz persönlichen Spiritualität.
Hat die KA auch eine sozialpolitische Aufgabe?
Länger: Ja! Eine Ausgabe unseres KA-Magazins stand unter dem Motto: Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Von allen unseren Gliederungen wird die sozialpolitische Aufgabe wahrgenommen, ich unterstütze das sehr. Ich denke da z. B. an die Kerzenaktion oder den Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung, an den von der Katholischen Männerbewegung vergebenen Romero-Preis, an die Dreikönigsaktion der Jungschar oder die sozialpolitisch engagierte Katholische Arbeitnehmer:innen-Bewegung (KAB). Da wird auf verschiedenen Ebenen herausragende sozialpolitische Arbeit geleistet und viel Gutes für arme, benachteiligte Menschen, in der Diözese und in der weiten Welt, getan.
Aber sollte die KA nicht als eigenständiger Verein zu (tages-)sozialpolitischen Themen klar Stellung beziehen?
Länger: Ja unbedingt und das wird meiner Meinung nach auch gut gemacht – auf Bundesebene durch die Leitung der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ). Meine Wahrnehmung ist, dass die KAÖ-Bundesleitung das gut im Blick hat und es auch regelmäßig Stellungnahmen und Aussendungen zu politischen oder sozialpolitischen Fragen gibt. Ich glaube nicht, dass es als diözesane KA notwendig ist, da hineinzurufen. Ich für mich habe da einen leisen Zugang. Ich sehe meinen primären Auftrag darin, dass ich mit unseren Gliederungen an einer KA in der Diözese arbeite, die gut funktioniert, in der es Menschen gibt, die sich für unseren Glauben, unsere Pfarren, unsere Mitmenschen gerne engagieren und so ein Zeugnis gelebten Glaubens geben. Mir geht es nicht um Kämpfe gegen Windmühlen, bei denen nur Zeit, Kraft und Energie draufgeht – niemanden damit aber geholfen ist.
Was kann die KA tun, dass auch junge Menschen wieder zur Kirche finden?
Länger: Wenn man da z. B. auf die Jungschar schaut – die ist für die Kinder in den Pfarren das Um und Auf –, sehe ich nichts Vergleichbares. Sensationell war z. B. der Kindererlebnistag im Stift Lilienfeld, da habe ich so viele begeisterte Kinder gesehen. Und wenn ich auf die Katholische Jugend schaue, was da alles gemacht und angeboten wird – das ist wirklich erstaunlich – und das machen diese jungen Leute in ihrer Freizeit und ehrenamtlich. Da habe ich Respekt davor. Die Arbeit der Jungschar und Jugend fördern wir aktiv – da fließen auch die meisten finanziellen Mittel hinein. Dazu stehe ich, weil junge engagierte Menschen die Zukunft unserer Kirche sind. Kinder und Jugendliche können am besten von Gleichaltrigen angesprochen werden. Insgesamt braucht es für junge Menschen, um als Kirche attraktiv zu sein, gute Vorbilder im Glauben – und es braucht gute Angebote in den Pfarren. Dafür wollen wir da sein.
Für die Pfarren dasein, das ist ein Leitmotiv der KA?
Länger: Ganz eindeutig Ja! Anfang September hatten wir einen Workshop mit dem Ergebnis: Wir wollen als KA weg von einem „Komm her“ zu einem ,,Geh hin“. Wir wollen mit unseren breit aufgestellten Gliederungen für die Pfarren da sein und sie unterstützen. Die Palette reicht von Tipps und Hilfestellung beim Aufbau einer Jungschargruppe bis hin zur Gestaltung eines Pfarrfestes. Mir ist wichtig, dass die Pfarren wissen: Da gibt es die KA, die hat in der Pfarre St. Johannes Kapistran in St. Pölten ein Büro und da kann man anrufen oder eine E-Mail schreiben, um sich Infos zu holen, um eine Idee zu unterstützen oder eine Aktion umzusetzen. Wenn es möglich ist, dann werden wir das machen!
Wie soll die KA in zehn Jahren ausschauen?
Länger: Ich arbeite daran, dass die KA wieder in ein Fahrwasser kommt, wo uns nicht mehr primär interne Fragen und Organisatorisches beschäftigt, sondern wir unsere ganze Kraft der inhaltlichen Arbeit widmen können. Eine KA, die durch die Verkündigung des Evangeliums durch unser Leben und unsere Projekte sowie durch die Mitgestaltung der Gesellschaft im Sinne der katholischen Soziallehre aktiv ist, indem sie Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer ermutigt, ihre christliche Berufung zu leben und mit Priestern zusammenzuarbeiten, um Kirche und Gesellschaft zu prägen und zu formen. Eine KA, in der es Personen gibt, die aus ihrem Glauben heraus ihre Zeit dafür einsetzen, dass es den Menschen besser geht – gerade in einer Zeit, in der es wirtschaftlich eng wird und soziale Kälte zu spüren ist.
Hat die Kirche Zukunft?
Länger: Ich glaube, dass die Kirche eine große Zukunft hat – aber nur, wenn es gelingt, dass alle gemeinsam, Priester und getaufte Laien, in Liebe miteinander arbeiten. Die Pfarren werden doch in großem Maß von den Ehrenamtlichen getragen. In einer Zeit, in der es immer weniger Priester gibt, ist die Einbindung von getauften Laien, die sich ehrenamtlich engagieren, meiner Meinung nach unendlich wichtig. Da können wir gemeinsam ein neues und lebendiges Bild von Kirche gestalten. Ich bin überzeugt, dass wir dann auch Menschen, die jetzt vielleicht der Kirche fernstehen, wieder für die Kirche und unseren Glauben interessieren können. Gemeinsam mit Papst, Bischof, den Priestern und Ordensleuten und allen Getauften kann das gelingen. Sonja Planitzer und Wolfgang Zarl
Ka St. Pölten
Unter dem Dach der Katholischen Aktion (KA) versammeln sich folgende Einrichtungen: Jungschar, Kath. Jugend, Kath. Frauenbewegung, Kath. Männerbewegung, Kath. AkademikerInnenverband, Kath. Arbeitnehmer:innenbewegung und Diözesan-Sportgemeinschaft.
Kontakt: Kath. Aktion der Diözese St. Pölten, Josefstraße 90, 3100 St. Pölten. E-Mail: office@ka-stp.at; Tel. 0664/182 36 20; Website: https://ka-stp.at
Zur Person
Dr. Reinhard Länger, 65, verheiratet, Vater von drei Kindern und Großvater von fünf Enkelkindern. Der Pharmazeut war 24 Jahre in der Arzneipflanzenforschung der Universität Wien tätig, dann Abteilungsleiter für die Zulassung pflanzlicher Arzneimittel in der AGES. In der Pfarre St. Johannes Kapist-ran ist er seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert, u. a. als Organist, Leiter von Wort-Gottes-Feiern und stv. Vorsitzender des PGR.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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