Einsamkeit in Österreich
Hilfe gegen die "stille Pandemie"

Gegen die Einsamkeit initiierte die Caritas 2020 das „Plaudernetz“, eine kostenlose und anonyme Telefonhotline, die unter Tel. 05 1776 100  täglich zwischen 10 und 20 Uhr erreichbar ist. Wer an einer ehrenamtlichen Mitarbeit interessiert ist, findet alle Informationen dazu unter plaudernetz.at.

 | Foto: Daniel L/peopleimages.com
  • Gegen die Einsamkeit initiierte die Caritas 2020 das „Plaudernetz“, eine kostenlose und anonyme Telefonhotline, die unter Tel. 05 1776 100 täglich zwischen 10 und 20 Uhr erreichbar ist. Wer an einer ehrenamtlichen Mitarbeit interessiert ist, findet alle Informationen dazu unter plaudernetz.at.

  • Foto: Daniel L/peopleimages.com
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Die Caritas fordert einen nationalen Aktionsplan gegen die „stille Pandemie“ Einsamkeit, regt digitale Schutzräume für Kinder an und wirbt für Maßnahmen wie eine anonyme Hotline.

Mehr als 700.000 Menschen in Österreich fühlen sich sehr häufig einsam, jeder vierte wünscht sich mehr sozialen Austausch: Das zeigt eine neue Studie des Instituts Foresight im Auftrag der Caritas der Erzdiözese Wien, die im Vorfeld des „Blue Monday“ – der dritte Montag im Jänner ist angeblich der traurigste Tag des Jahres – präsentiert wurde. Der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner bezeichnete Einsamkeit dabei „als die stille Pandemie unserer Zeit“. Verschärft werde Einsamkeit durch die aktuellen Teuerungen: So hat sich der Anteil jener, die aus Kostengründen soziale Kontakte einschränken mussten, seit 2023 verdoppelt; besonders betroffen davon sind Ältere und Personen mit geringem Einkommen.

„Wer Armut bekämpft, bekämpft auch Einsamkeit“

Einsamkeit sei damit kein Randphänomen, sondern eine gesellschaftliche wie politische Herausforderung, so Schwertner. Der Wiener Caritasdirektor forderte daher einen ressortübergreifenden Aktionsplan gegen Einsamkeit sowie eine breitere politische Debatte über Schutzräume für Kinder und Jugendliche im digitalen Raum, bis zu einem Social-Media-Verbot nach australischem Vorbild: „Kinder brauchen Schutzräume, keine Shitstorms.“

„Wer Armut bekämpft, bekämpft auch Einsamkeit“, appellierte Schwertner an die Politik. So seien Entlastungsmaßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel oder das günstigere Stromgesetz Schritte in die richtige Richtung. Sie reichten aber nicht aus.

Nach der Corona-Pandemie hat sich Einsamkeit auf einem hohen Niveau verfestigt.

Grundlage der Studie ist eine österreichweite Befragung von 1.000 Personen ab 15 Jahren im Jahr 2025. Entgegen der Erwartung habe das Ende der Corona-Pandemie keine spürbare Entspannung gebracht. Einsamkeit habe sich „auf erstaunlich hohem Niveau verfestigt“, so Schwertner. Zugleich zeigen die Ergebnisse einen Rückgang stabiler sozialer Netzwerke; viele Befragte bezweifeln zudem, im Notfall auf verlässliche Kontakte zurückgreifen zu können. Bei mehr als einem Fünftel der Befragten hat die Einsamkeit in den vergangenen fünf Jahren zugenommen; ein Viertel der Befragten äußerte zudem Sorge, in Zukunft einsamer zu werden.

ORF-Moderatorin Barbara Stöckl, die gemeinsam mit Schwertner die Studienergebnisse präsentierte, verwies auf die Alltagsrealität: Einsamkeit zeige sich etwa darin, dass Menschen soziale Kontakte zunehmend in Arztpraxen oder Apotheken suchten. Und auch die digitale Vernetzung könne persönliche Begegnungen nicht ersetzen. Als entscheidend nannte sie sinnstiftende Beziehungen und die Stärkung eigener Ressourcen. „Einsamkeit bekommt im öffentlichen Diskurs noch immer zu wenig Raum“, kritisierte Stöckl.

Einsamkeit macht krank

Aus medizinischer Sicht unterstrich der Psychiater und ärztliche Leiter der Caritas, Thomas Wochele-Thoma, die Tragweite des Problems. Einsamkeit erhöhe nachweislich das Risiko für chronischen Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Demenz und vorzeitigen Tod. Der Einfluss von Einsamkeit auf die Gesundheit sei ähnlich wie jener von Rauchen oder Alkohol.

Als Reaktion auf das um sich greifende gesellschaftliche Problem verweist die Caritas auf eigene Initiativen wie das „Plaudernetz“, eine kostenlose und anonyme Telefonhotline gegen Einsamkeit. Das 2020 gestartete Projekt mit mehr als 4.100 freiwilligen Plauderpartnerinnen und -partnern ist unter Tel. 05 1776 100 erreichbar. Seit dem Projektstart im April 2020 wurden laut Caritas mehr als 70.000 Gespräche geführt. Das Jahr 2025 sei dabei das bisher „stärkste Jahr“ seit Projektstart gewesen. Weiters machte die Caritas auf Projekte wie die „Plauderbankerl“ vor vielen Pfarren und im öffentlichen Raum sowie einen virtuellen Plauderraum aufmerksam. KAP/Red.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ