25 Jahre Sonntagsallianz
Freier Sonntag für alle
- Der freie Sonntag ermöglicht soziale Teilhabe: Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, geht nur, wenn alle Zeit haben.
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Die österreichweite Allianz für den freien Sonntag feiert am 1. Oktober ihr 25-jähriges Bestehen. Eine gute Gelegenheit, sich zu fragen, warum es einen arbeitsfreien Sonntag heute mehr denn je braucht.
Es gibt Stellen, die so wichtig sind, dass sie auch an Weihnachten, an Ostern und den Sonntagen besetzt sein müssen: Polizisten, Krankenpfleger, Ärzte – es geht nicht ohne sie. Es gibt auch Arbeiten, ohne die es nur schwer gehen würde: die Lenker öffentlicher Verkehrsmittel zum Beispiel. Dass es solche strukturnotwendigen Berufe gibt, wusste schon Papst Leo XIII. (1878-1903), Namensvetter des derzeitigen Papstes und der erste Pontifex, der ein päpstliches Lehrschreiben zur Sozialen Frage schrieb.
Gerade damals, in Zeiten der Industriellen Revolution und des damit einhergehenden wirtschaftlichen Aufschwungs, bewegte die Menschen auch die Frage nach Ruhe und Erholung: Der Mensch ist keine Maschine, er kann nicht ununterbrochen laufen, sondern braucht Zeiten des Ausgleichs und der Erholung. In diesem Geist argumentierte Leo naturrechtlich und theologisch, dass der Sonntag als Tag regelmäßiger Ruhe und des Gottesdienstes für diejenigen freizuhalten ist, deren Arbeit nicht systemrelevant ist. Den anderen – Ärzten, Polizisten, Zugführern – sollen Ausgleichstage zugestanden werden.
Relevanz des freien Sonntags
Dass die Frage nach dem freien Sonntag keine ist, die heute letztgültig entschieden ist, zeigt die „Sonntagsallianz“, die sich seit 25 Jahren für den freien Sonntag einsetzt – insbesondere für die Sonntagsruhe des Einzelhandels. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr, selbst in christlich geprägten Ländern: Italien, Portugal, die Benelux-Staaten und die Länder Skandinaviens zum Beispiel erlauben geöffnete Geschäfte an Sonntagen entweder komplett oder in abgestufter Form. Die Zahl der Staaten, in denen der Einzelhandel an Sonntagen geschlossen ist, ist dagegen gering.
Warum also in Österreich an einem freien Sonntag festhalten, wenn der Trend in eine andere Richtung zu gehen scheint? Philipp Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Sonntagsallianz, erklärt: „Auch wenn sich die Welt in den letzten 25 Jahren durch Globalisierung und Digitalisierung stark verändert hat, bleibt der Wert von gemeinsamer freier Zeit bestehen. Daran ändern auch Onlinehandel und Automatisierung in Geschäften nichts. Gerade arbeitende Menschen haben nur dann Zeit für gemeinsame Aktivitäten, wenn möglichst viele gleichzeitig frei haben und keine anderen Verpflichtungen bestehen. Der Sonntag unterbricht die Diktatur des Marktes.“
„Der freie Sonntag bietet einen Gegenpol zu Verfügbarkeit und Konsumzwängen.“
Es stellt sich also heute wie zu Zeiten Leos XIII. die Frage, inwieweit der Einzelne mit seiner Zeit und Arbeitskraft der Industrie, dem Konsum und dem Handel zur Verfügung stehen kann und soll: „Der freie Sonntag bietet einen Gegenpol zu ständiger Verfügbarkeit, Konsumzwängen und wachsenden Belastungen in der Arbeitswelt“, betont Silvia Hruška-Frank, Direktorin der Arbeiterkammer. Und weiter: „Der freie Sonntag ist gemeinsame Zeit für Familie und Freunde sowie echte Erholung. Gleichzeitig bildet er das Fundament für ehrenamtliches Engagement und ein lebendiges Vereinswesen“. Erst wenn Menschen gemeinsam ihre Zeit außerhalb ihres Berufs verbringen können, kann soziale Teilhabe und gemeinschaftliches Leben ermöglicht werden, das nicht von der Logik der Betriebsamkeit bestimmt ist. Auch Wilhelm Krautwaschl, Bischof von Graz-Seckau und Sprecher der Allianz in der Österreichischen Bischofskonferenz, schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Unsere Zeit ist geprägt von einer überbordenden Rasanz. Viele, wenn nicht fast alle Menschen, sind ständig erreichbar und getrieben. Gerade deshalb ist die Bedeutung des freien Sonntags aktueller denn je.“
Dennoch verhallen die Rufe nach einer Aufweichung der Sonntagsruhe nicht. Gerade deshalb brauche es eine starke Allianz: „Die Notwendigkeit der Allianz zeigt sich auch immer wieder bei Versuchen, am arbeitsfreien Sonntag mit irgendwelchen Argumenten Sonntagsarbeit zu fordern. Einer allein könnte da nicht standhalten. Eine so große Allianz hat da schon sehr viel erreicht und auch verhindert“, macht der Vorsitzende der Kath. Arbeitnehmer:innen Bewegung Österreich, Hubert Gratzer, deutlich.
Mit einer Festveranstaltung am Donnerstag, 1. Oktober, um 14 Uhr in der Volkshalle des Wiener Rathauses setzt die Allianz für den freien Sonntag ein Zeichen für den Erhalt des freien Sonntags und für eine menschenfreundliche Zeitkultur, die Begegnung, Erholung, Engagement und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert. Univ.-Prof. i. R. Dr. Sieglinde Rosenberger wird in ihrem „Demokratie braucht einen freien Sonntag“ über diesen Zusammenhang sprechen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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