Familie
Was Kinder und Jugendliche seelisch gesund hält
- Univ.-Prof. Dr. Paul Plener präsentierte im Bildungshaus St. Hippolyt Ergebnisse der Forschung.
- Foto: Patricia Harant-Schagerl
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Der Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien am AKH Wien, Univ.-Prof. Dr. Paul Plener, präsentierte Ergebnisse der Forschung.
Dass eine häufige Bildschirm-Nutzung Kindern und Jugendlichen schadet, ist allgemein bekannt. In seinem Vortrag im Bildungshaus St. Hippolyt präzisierte Dr. Paul Plener, ein gebürtiger St. Pöltner, am 15. April: Nicht so sehr die Dauer sei schädlich – das zeigten zahlreiche Studien –, sondern vor allem die dadurch verminderte körperliche Aktivität sowie irreguläre Schlafzeiten – und hier vor allem der später einsetzende Schlafbeginn.
Schlaf: weniger als 7 Stunden
Eine Studie mit 120.950 Teilnehmenden zeigte, dass der Anteil an Jugendlichen, die weniger als sieben Stunden schlafen, auf 77 Prozent gestiegen ist. Dass mehr Schlaf sich positiv auswirkt, ist nachgewiesen: Die Stimmung wird besser, das Risiko für Adipositas sowie für Entzündungen sinkt. Dr. Paul Plener gab wissenschaftlich fundierte Tipps für einen besseren Schlaf: täglich gleich nach der Schule eine Sorgenliste schreiben, progressive Muskelentspannung oder Stimuluskontrolle (wenn man nach 20 Minuten nicht eingeschlafen ist, aus dem Bett gehen). Man könne zudem jeden Tag an „3 gute Dinge“ denken. Hilfreiche Fragen seien z. B.: Wofür darf ich heute dankbar sein? Was ist heute passiert, was mich lächeln hat lassen? Was ist besser ausgegangen, als ich erwartet hatte?
Die schriftliche Reflexion (Journaling) hat erwiesenermaßen positive Effekte auf die seelische Gesundheit: Expressive Writing (innerste Gedanken und Gefühle aufschreiben) oder Dankbarkeit sind dabei am wirkungsvollsten. Eine Studie konnte eine Symptom-Reduktion bei Angst um neun Prozent, bei Posttraumatischer Belastungsstörung um sechs und bei Depression um zwei Prozent nachweisen.
Körperliche Aktivität hat die gleiche, teilweise sogar höhere Wirksamkeit im Vergleich mit Antidepressiva.
Auch die Bedeutung von Bewegung als Schutzfaktor gegen Depression und Angststörungen ist wissenschaftlich belegt. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt deshalb für Kinder und Jugendliche 60 Minuten Bewegung pro Tag. Überhaupt sei der Faktor Bewegung als Vorbeugung und als wirksame Therapie am besten belegt, so Plener: Körperliche Aktivität habe die gleiche – und teilsweise sogar höhere – Wirksamkeit im Vergleich mit Antidepressiva.
Des Weiteren spielen soziale Faktoren eine wichtige Rolle: unterstützende Beziehungen, ein stabiles familiäres Umfeld, eine gute Beziehung der Eltern, gute Beziehungen zu Gleichaltrigen, mindestens eine stabile erwachsene Bezugsperson. Dazu kommen individuelle Faktoren wie Optimismus, Intelligenz, viele Bewältigungs-Strategien, Selbstwirksamkeit, Spiritualität und ein hoher Selbstwert.
Auf die Einstellung kommt es an
Lange Zeit wurde Stress als Risiko für die mentale Gesundheit gesehen. Neuere Forschungen würden allerdings zeigen, so Plener, dass es auf die Einstellung zu Stress ankomme. Wird Stress als Herausforderung gesehen, führe das zu einem subjektiv besseren Ergebnis. Der Satz „Ich bin aufgeregt“ funktioniere wesentlich besser als „Ich habe Angst“ oder „Ich bin ganz ruhig“. Auch eine weitere Denkweise zeige positive Wirkung: die Überzeugung, dass Fähigkeiten entwickelt werden können und nicht determiniert sind.
Auch der Einfluss von Ernährung ist belegt: Industriell stark verarbeitete Nahrung erhöht laut Studien das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Umgekehrt kann eine ausgewogene Ernährung die Behandlung von Depressionen unterstützen.
„Veränderungen, die das psychische Wohlbefinden beeinflussen, können uns banal vorkommen“, sagte Dr. Paul Plener abschließend, „die Umsetzung ist es aber nicht.“ Wichtig sei, dass man dabei von außen unterstützt wird. PH
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.