Dr. Franz Schmatz - Glaube leben
Verweile doch du im Augenblick!
- Manche Momente im Leben sind so schön, dass man frei nach Goethe jubeln könnte: "Verweile doch, du bist so schön."
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Der Psychotherapeut, Theologe und em. Hochschulprofessor Dr. Franz Schmatz begleitet mit einfühlsamen Texten „Kirche bunt“-Leserinnen und Leser durch den August. Teil 1 von 4.
Es gibt Momente, die uns so beeindrucken, berühren, ergreifen und erfüllen, dass wir sagen möchten „Bleib, Augenblick“!
Kaum gedacht, ist eben dieser Augenblick schon in die Vergangenheit eingebettet. Er kommt so nie wieder. Das macht seine Einmaligkeit und Kostbarkeit aus. Diese Qualität würde er verlieren, könnten wir ihn festhalten. Dann wäre er alltäglich, wiederholbar und eben nicht mehr originell.
Aber wir haben eine wunderbare Möglichkeit, mit dem kostbaren Augenblick anders umzugehen, nämlich nicht ihn festhalten zu wollen, sondern in ihm zu verweilen, ihn zu erleben und ihn zu verkosten.
Zeitlich gesehen bleibt er deswegen nicht länger und er entschwindet genauso schnell in die Vergangenheit, aber durch das Verweilen in ihm erfahren wir ganz tief seine Qualität und die Frage nach der Quantität der Zeit, also der Dauer spielt keine Rolle mehr.
Einübung in die Grundhaltung der Achtsamkeit und Präsenz.
Um im Augenblick verweilen zu können, braucht es die Einübung in die Grundhaltung der Achtsamkeit und der Präsenz. Im Augenblick tauchen wir durch das Verweilen in das Sein ein und wir sind mitten im Sein, wodurch Zeit und Raum in den Hintergrund treten.
Statt Lärm ereignet sich Stille und die Hektik wird vom Innehalten abgelöst. Horchen, Schauen, Spüren und Staunen ergreifen und erfüllen uns.
Das innere Erleben wird zur sprudelnden Quelle einer unaufgeregten, geschenkten Lebendigkeit.
Der Begriff Glückseligkeit kommt dieser Erfahrung sehr nahe. Es braucht aber gar keine Bezeichnungen, Erklärungen und Definitionen, weil es ein Ereignis ist, geschenkt und nicht herbeigeführt. Selbst das Wort „verweilen“ bekommt eine neue Dimension.
Der Augenblick lädt ein
Der Augenblick lädt ein.
An mir liegt es, ob ich diese Einladung wahrnehme und wie ich sie gestalte.
So ist es mit dem Leben insgesamt.
Wenn ich aufhöre zu bestimmen, wie es zu sein hat, es zu planen und festzuhalten, wird es sich so ereignen, dass es zu „meinem Leben“ wird. All diese Erfahrungen, die Wege zur Sinnerfüllung sind, stehen nicht nur wenigen, sondern allen offen. Darin besteht offensichtlich die so oft ersehnte Gerechtigkeit.
Eine Voraussetzung gibt es schon noch: die Vielfalt der Augenblicke nicht einzuschränken oder nur eine Auswahl festzulegen. Denn auch die Augenblicke unterliegen der Polarität. Das heißt, auch in „schmerzvollen“ Augenblicken können sich die „beglückenden“ Augenblicke ihren Weg bahnen und letztlich in der Erfahrung eine Einheit werden, wenn wir sie nicht trennen.
Denn das Sein ist eins.
Verweile doch du im Augenblick! Die Einladung ergeht an mich in jedem Augenblick, oft recht leise, aber doch gut vernehmbar, wenn das Herz bereit ist, zu horchen. Im Augenblick zu verweilen, erspart uns sowohl Wehmut, als auch die Nostalgie der Erinnerung.
Ich habe genug Freiheit, um mich zu entscheiden, aber mit ihr auch die Verantwortung. Leben ist Geschenk und damit auch jeder Augenblick.
Ein Augenblick Ewigkeit
Berührt von der Schönheit einer Blume – ein Augenblick Ewigkeit
Ergriffen von der Heilkraft der Musik – ein Augenblick Ewigkeit
Zärtlich gehalten in den Armen meines Geliebten – ein Augenblick Ewigkeit
Im Erkennen meiner Würde – ein Augenblick Ewigkeit
Im sinnlichen Kuss – ein Augenblick Ewigkeit
Im zärtlichen Liebesspiel – ein Augenblick Ewigkeit
Im Genießen einer köstlichen Frucht – ein Augenblick Ewigkeit
Im Anblick eines Baumes – ein Augenblick Ewigkeit
Im Staunen über die Kraft der Natur – ein Augenblick Ewigkeit
In einer mystischen Erfahrung – ein Augenblick Ewigkeit
In der Hingabe an das Sein – ein Augenblick Ewigkeit
In der Ahnung der Unendlichkeit – ein Augenblick Ewigkeit ...
Aus: Stephanie und Franz Schmatz, Im Augenblick die Ewigkeit, Effata Verlag, S. 9. Webseite: www.effata.at
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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