Advent trotz Pandemie - Teil 3
Ihr Kinderlein kommet…

Wir wollen als Pfarre, als Kirche da präsent sein. Die vergangenen Wochen und Monate hätten ihm überdeutlich gezeigt, dass die Menschen Trost, das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit brauchen, so Dariusz Schutzki
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  • Wir wollen als Pfarre, als Kirche da präsent sein. Die vergangenen Wochen und Monate hätten ihm überdeutlich gezeigt, dass die Menschen Trost, das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit brauchen, so Dariusz Schutzki
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Adventkranzsegnung, Rorate-Messen, Adventmärkte, die Christmette, die Krippenspiele und vielleicht gemeinsames Weihnachtsliedersingen in der Kirche – gerade im Advent und zu Weihnachten ist das Pfarrleben besonders reich und stimmungsvoll.

Aber wie wird das in diesem Jahr werden? Was planen Pfarren für Advent und Weihnachten? Was versuchen sie möglich zu machen? Und was ist ihnen bei all diesen Dingen besonders wichtig?
Wir haben uns für Sie in einigen Pfarren der Erzdiözese Wien umgehört.

Pfarre St. Othmar, Wien 3: Seit Wochen schon machen sich Dariusz Schutzki, Pfarrer in St. Othmar und Bischofsvikar des Vikariates Wien Stadt und seine Pfarrmitglieder Gedanken über Advent und Weihnachten. „Es ist doch so, dass wir in all der Unsicherheit eine Sicherheit haben“, sagt er, als wir ihn nach den Wünschen und Hoffnungen der Pfarre St. Othmar in diesem Jahr fragen: „Und das ist: Der Advent wird kommen und Weihnachten ebenso. Und wir wollen als Pfarre, als Kirche da präsent sein.“

Die vergangenen Wochen und Monate hätten ihm überdeutlich gezeigt, dass die Menschen Trost, das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit brauchen, so Dariusz Schutzki: „Und gerade das finden sie in den Kirchen, in den Gottesdiensten, in gemeinsamen Gebeten, gemeinsamen Aktionen – das ändert auch das Abstand-Halten und Mund-Nasen-Schutz-Tragen nicht.“

Für den Advent setzt die Pfarre St. Othmar – mit aller Vorsicht und Achtsamkeit – unter anderem auf Angebote, wo Abstand halten möglich ist. So soll die Kirche – täglich von 17 bis 19 Uhr – offen sein, zudem beleuchtet, mit Kerzen und einem Baum in der Mitte, Musik soll als Untermalung laufen, als Einladung zum Gebet, zur Stille im Advent. Außerdem soll es Spaziergänge zu zweit durch das Pfarrgebiet geben, bei denen immer wieder kurz stehen geblieben werden soll, um 10 bis 15 Minuten für die Vorbeigehenden zu beten.

Auch zu Weihnachten will man in St. Othmar viel auf eine offene Kirche, das Gebet und – kurze – Begegnungen dort, auch bei der Krippe, setzen. Für Kinder möchte man Bilder zum Anmalen und Krippen zum Basteln zum Mitnehmen vorbereiten. „Ich glaube fest daran, dass wir in all diesen Planungen nicht alleine sind“, sagt Dariusz Schutzki: „Der Heilige Geist ist bei uns und wirkt.“

Niemand soll sich vergessen fühlen
Möglichst viel möglich machen möchte auch die Pfarre Korneuburg in Zeiten von Corona. Die Kindermette und die Christmette wird die Pfarre Korneuburg aller Voraussicht nach deshalb am Hauptplatz vor dem Rathaus feiern. Etwas Besonderes hat sich die Pfarre für den Advent ausgedacht: „Wir gestalten eine Weihnachtskarte mit dem Hinweis auf das Gottesdienstangebot zu den Feiertagen. Das haben wir zwar auch schon in den letzten Jahren gemacht.

Diesmal erweitern wir diese Karte aber und drucken einen Vorschlag für eine Feier unter dem Christbaum dazu.“ Die Karten sollen dann persönlich an die Korneuburger Katholiken überbracht werden. „Natürlich mit dem einzuhaltenden körperlichen Abstand – aber es soll so zum Ausdruck kommen, dass wir unsere Gemeindemitglieder nicht vergessen.“

„Meine Arbeit ist derzeit vor allem von dem Wort voraussichtlich geprägt“, sagt Christian Maresch,Pfarrer in Altsimmering, Wien 11. Heuer seien wohl vor allem Flexibilität, Spontanität und Kreativität das Gebot der Stunde. Auf jeden Fall möglich machen möchte Christian Maresch am 24.12. einen Besuch bei der Krippe. „Um allzu langen Kontakt zu vermeiden und Abstand zu ermöglichen, wollen wir die beiden Kirchen im Pfarrgebiet – St. Laurenz und St. Josef – länger offen halten und die Menschen mit einem Einbahnsystem bzw. einem Stationenbetrieb durch die Kirche ,leiten‘“, sagt Christian Maresch.

Nähe und Verbundenheit
Auch in der Pfarre zur Frohen Botschaft (Wien 4+5) macht man sich seit mehreren Wochen sehr konkrete Gedanken, wie der Advent, wie Weihnachten wird ablaufen können. „Wir müssen heuer besonders kreativ sein und uns trauen, etwas Neues zu machen“, zeigt sich Pfarrer Gerald Gump überzeugt: „Wir haben deshalb die Idee eines Stationengottesdienstes in und rund um eine unserer Kirchen.

Die andere Idee ist, ,Pop-up‘-Gottesdienste zu machen: Wir überlegen an möglichst vielen Orten wie Parks oder Plätzen im Gebiet unserer Pfarre viele kurze Gottesdienste den ganzen Nachmittag über zu feiern.“ Bei beiden Ideen wären die Menschengruppen kleiner, Abstände könnten eingehalten werden – „wir feiern in körperlicher Distanz, aber in sozialer Nähe und Verbundenheit“, sagt Gerald Gump.

Fix ist auch – so wie schon in der Fastenzeit – ein regelmäßiger Videoimpuls auf der Pfarrhomepage – viele Pfarr-Engagierte haben solche erstellt. „Weihnachten ist das Fest der Nähe“, sagt Gerald Gump und genau diese Nähe gelte es besonders heuer spürbar zu machen. „Auf jede erdenkliche Weise.“

Annehmen, was ist
In Kirchschlag und Bad Schönau plant man zu Weihnachten die Zahl der Metten hinaufzuschrauben, damit kleinere Gruppen miteinander feiern können. „2020 ist ein sehr spezielles Jahr“, sagt Pfarrer Thomas Marosch: „Aber ich versuche damit gar nicht lange zu hadern, sondern es anzunehmen, wie es ist. Schließlich hat uns Gott das doch beigebracht – dass es nicht immer nur großartige Zeiten gibt.“

Die Krippenandacht werde wahrscheinlich im Passionsspielhaus stattfinden: „Da ist viel Platz. Außerdem möchte ich gerne so viele Möglichkeiten, Gottesdienst mitzufeiern anbieten wie möglich. Die Eucharistiefeier ist den Menschen hier wirklich wichtig. Und es ist ja auch so, dass wir Möglichkeiten etabliert haben, Gottesdienst so sicher wie möglich zu feiern und aufeinander Rücksicht zu nehmen. Wir wissen, dass wir, wenn wir die Regeln einhalten, mehr tun können.

Für alle, die nicht kommen wollen oder können, werden wir die Weihnachtsgottesdienste wahrscheinlich auch via Livestream feiern.“

Schritte gegen die Einsamkeit
„Weihnachten ist das Fest der Menschwerdung und es ist unsere Pflicht als Kirche, die Menschen im Blick zu haben und ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Gleichzeitig haben wir eine Verantwortung nicht aus Leichtsinnigkeit Cluster entstehen zu lassen“, sagt Pfarrer Karl Engelmann, Pfarrer der Pfarre Hernals, Wien 17. Seine Pfarre plant heuer viele kleinere Aktionen, um zu große Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Weihnachtsfeierlichkeiten sollen zum Teil am Platz vor der Kirche stattfinden – „Wenn es erlaubt sein wird. Wir sind da noch im Gespräch.“

Eine andere Möglichkeit wäre es, mehrere kleinere Weihnachtsandachten in der Kirche oder auf dem Platz zu machen, so Pfarrer Engelmann: „Wir werden außerdem vor der Kirche einen Christbaum aufstellen und wohl auch an den Adventsonntagen eine Videobotschaft über unsere Homepage verbreiten. Es ist uns wichtig, Schritte gegen die Einsamkeit zu setzen – und das nicht nur bei älteren Menschen.“

Vielfältige Pläne für Advent und Weihnachten gibt es auch in St. Johann Nepomuk, Wien 2. „Wir wollen einen Online-Adventkalender inklusive Weihnachtsfestkreis gestalten“, sagt Pfarrer Konstantin Spiegelfeld: „Mehrere Gemeindemitglieder, Pastoralassistentinnen, Diakone und Priester stellen einen täglichen Impuls zusammen. Dazu nehmen sie einen oder mehrere Verse aus der Tageslesung, formulieren dazu einen kurzen Impuls, ein Gebet und suchen ein passendes Foto.“ Der Adventkalender und die täglichen Impulse werden dann in den Schaukästen sichtbar sein und auf der Homepage und auf Facebook abruf- und anschaubar.

Mehr als ein Monat lang arbeitet die Pfarre Baden-St. Stephan bereits an einem Konzept für Advent und Weihnachten. Der Gedanke, der dabei über allem steht ist, dass der physische Abstand zwar notwendig sei, ein sozialer, mentaler, spiritueller oder seelischer Abstand aber nicht. „Wir haben bereits die Anzahl der Metten verdoppelt“, erzählt Pfarrer Clemens Abrahamovicz: „Ebenso halten wir es mit der Kinderkrippenfeier.“

Für die Christmetten und die Kinderkrippenfeiern werden seit dem 10. November Zählkarten ausgegeben. „So können wir die Größe der Gruppe überblicken“, sagt Clemens Abrahamovicz. Außerdem plant er – wie auch schon im Lockdown im Frühling – einen Livestream einiger Gottesdienste zu machen. Und auch die geistlichen Video-Impulse, die er seit dem 20. März jeden Tag über Facebook und Youtube verbreitet, werden im Advent natürlich weiterlaufen.

„Möglichst viel weihnachtliche Normalität“ versucht auch Helmut Klauninger, Pfarrer von Gänserndorf, für und mit seiner Gemeinde herzustellen. Die Krippe wird in der Kirche an einem anderen Platz aufgestellt, um einen größeren Abstand zwischen den Besuchern ermöglichen zu können.

Für den 24. 12. plant man eine interaktive Krippenfeier. „Es soll ein Stationenbetrieb für Familien mit Kindern sein“, so Helmut Klauninger. Und es soll auch ein Feierheft geben mit Ideen, wie man Weihnachten zu Hause in der Familie feiern kann.

Für die Christmette und das Weihnachts-Hochamt werden Zählkarten ausgeben werden. „Sollte die Nachfrage groß sein, werden wir Alternativen anbieten, um soweit es geht ein Miteinander möglich zu machen“, sagt Helmut Klauninger: „Religion ohne Gemeinschaft – das geht eigentlich nicht.“

weitere Artikel dieser Serie:

Teil 1: Wie werden wir heuer feiern?
Teil 2: Wir sagen Euch an, den lieben Advent

Wir wollen als Pfarre, als Kirche da präsent sein. Die vergangenen Wochen und Monate hätten ihm überdeutlich gezeigt, dass die Menschen Trost, das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit brauchen, so Dariusz Schutzki
Der Advent wird kommen und Weihnachten ebenso.
Autor:

Andrea Harringer aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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