Werke der Barmherzigkeit - 2007/2008 | Teil 10
Zweifelnden recht raten

Der Mensch ist zur Freiheit berufen: Wer begleitet ihn auf diesem Weg?
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Immer mehr moderne Zeitgenoss/innen stellen die Frage, ob der Zugewinn an Freiheit auch wirklich einen Zugewinn an stabilem Glück bedeutet. Oder noch genauer gefragt: Wie kann der Einzelne angesichts der zugemuteten Freiheit den Weg zu einem geglückten Leben finden, das in seine ureigene Hand gelegt ist?

In solchen Zeiten scheitern immer mehr. Lebenspläne zerbrechen. Die Flucht aus den alltäglichen Überforderungen nimmt zu, viele flüchten in (psychosomatische) Krankheiten. Riskantes Leben hat keine Garantie auf Glücken und Gelingen. Die gewonnene Freiheit erweist sich als verletzlich. Das Leben der für sich selbst Verantwortlichen kann leicht Schaden nehmen.

Der freie Markt der Liebe ist anstrengend geworden, das Glück flüchtig. Es wäre gut, gäbe es verbindliche und allgemein angenommene Spielregeln. In Netzwerken bilden sich auch solche wieder aus und entlasten. So macht es auch in der Liebe durchaus Sinn, darüber nachzudenken, ob es nicht Grenzen in der Belastbarkeit gibt, in dem, was ich den anderen an „Freiheiten“ zumuten kann. Aus der ökologischen Erfahrung kann gelernt werden, dass ständige kleine Belastungen des Systems auf den ersten Blick nicht schaden, aber, wenn sich genug davon angehäuft haben, das System als Ganzes kollabieren kann. Die Liebe ist einem ökologischen System sehr ähnlich. Wäre es nicht auch klug, statt Leid immer erst hinterher zu mindern, es präventiv zu meiden? Das war immer schon der eigentliche Sinn von Normen und Geboten.

Die zehn „Gebote“ des Alten Testaments waren Weisungen zum Leben, das Gott als Vor-Gabe seinem Volk eröffnet hat, indem er es aus der Sklaverei in Ägypten befreit und in das vor Leben strotzende Land Kanaan geführt hat: Also – so der Dekalog sinngemäß – hast du es nicht mehr nötig, den anderen umzubringen, ihm Hab und Gut zu rauben, die Ehe zu zerstören. Das alles wird dir gelingen, wenn du dein Leben auf den einen Gott setzt, weshalb das erste Gebot den freien Menschen für respektvolle Liebe zu seinem Gott gewinnen will.

Den Zweifelnden Recht raten – dieses geistige Werk der Barmherzigkeit entfaltet sich somit in modernen Gesellschaften in mehrere Richtungen. Es ereignet sich dann, wenn professionell oder auch nur alltäglich Rat gegeben wird. Es findet seine Verwirklichung, wenn Institutionen, Normen und Autoritäten den Einzelnen in der ihm zugemuteten Freiheit entlasten.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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