Die Adventzeit erleben und gestalten | Teil 03
Was bestimmt meinen Fahrplan durch den Advent?

Bitte warten! Eine adventliche Haltestelle, aufgebaut in der Kirche des Pflegezentrums Kainbach, gibt den Fahrplan durch den Advent vor.
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Warten, Sehnsucht, Verheißung, Geschenk, Erlösung. Das sind Worte, die uns in der Zeit des Advents und um Weihnachten gehäuft unterkommen. Und das nicht nur in religiösen Zusammenhängen. Denn Weihnachten ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Diesem Fest kann sich niemand völlig entziehen, weder seinen Emotionen, die uns irgendwo ganz tief in der Seele anrühren, noch der umtriebigen Geschäftigkeit, die ihm vorausgeht. Weihnachten ist wohl das wichtigste Ereignis des Jahres, der Top-Event, und es ist längst nicht mehr nur ein Fest der Christen.

Warten etwa kann lustvoll erlebt werden, als Vorfreude auf einen schönen Augenblick, wie das Warten der Kinder auf die Bescherung. Zum Alltag des Advents gehört heute aber auch das meist ungeduldig nervöse Warten auf die überfüllte Straßenbahn, das Gedränge in den Geschäften und das Anstellen an der Kassa, das Gerangel um einen Parkplatz beim Shoppingcenter und das Feststecken im Stau auf dem Weg dorthin.

In den Wintersportgebieten ist der Advent meistens geprägt vom sehnsüchtigen Warten auf den Schnee. Da ist eine knisternde Anspannung zu fühlen, die sich in einem erlösenden Aufatmen entlädt, wenn endlich dicke weiße Flocken als sprichwörtliches Geschenk des Himmels herabfallen. Das ist die alpine Variante von Sehnsucht und Erlösung.

Mit kaum noch erträglicher Penetranz werden einem zur vorweihnachtlichen Zeit in der Stadt und in den Medien die Verheißungen des Handels an den Kopf geknallt. Versuchen Sie einmal, mitzuzählen, wie viele Weihnachtsmänner während der Hauptsendezeit zwischen 19 und 20.15 Uhr über den Bildschirm flimmern. Die Handynetzbetreiber liefern sich ebendort ein brutales Gemetzel um die billigsten Tarife. Das Marienfest am 8. Dezember trägt inoffiziell mittlerweile den Titel „Einkaufsfeiertag“, an dem der Handel mit besonderen Angeboten lockt. Es hat seine Unbeflecktheit längst verloren.

Erlösung scheint da nur die Nachricht zu bringen, dass das Weihnachtsgeschäft gegenüber dem Vorjahr entsprechende Rekordzuwächse verbuchen kann. Den Einkaufenden ist von Erlösung, aber auch von adventlicher Hoffnung und Freude meist eher wenig anzumerken.

Wenn man unterwegs Bekannte trifft, ebenso gehetzt und schwer bepackt mit Einkaufstaschen wie man selbst, bleibt meist nicht viel mehr Zeit als für den obligatorischen Gruß: „Falls wir uns nicht mehr sehen – ein frohes Fest!“ Dort passiert dann vielleicht wirklich so etwas wie Erlösung, wenn man am Heiligen Abend erleichtert feststellt, dass man wieder einmal alles geschafft hat.

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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