Einfach Glauben | Teil 03
Nicht nur spirituelle Gustostückerln

Will man Meister auf einem Gebiet werden, so darf man sich nicht nur den „Launen“ hingeben.
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In Sachen Religion benehmen sich viele wie im Einkaufszen­t­rum. Man fährt mit dem Wagen die Regale entlang und holt sich heraus, was appetitanregend und der Stimmungslage entsprechend ist. So gesehen ist Religiosität ein emotionales Bedürfnis, das man von Zeit zu Zeit berücksichtigen muss, wenn es sich anmeldet: ein eindrucksvolles Erlebnis, ein bewegendes Konzert oder eine gewisse Bedrängnislage, in der man um Halt ringt. Das alles ist richtig, denn die religiöse Motivation erfährt man in den Höhen und Tiefen des Lebens.

Spontanität und Rhythmus
Es gibt aber eine Neigung, die subjektive Erfahrung und persönliche Befriedigung zum Maßstab aller Dinge zu machen. Verhaltensforscher bezeichnen den modernen Menschen als ein Wesen, das vom Augenblick her geprägt ist. Das Gestern und das Morgen sind nicht wichtig, entscheidend ist das Jetzt. Aber das Leben braucht immer zwei Elemente: die Spontaneität und den Rhythmus. Die höchste Spontaneität entwickelt der Mensch bis zu dem hin, was man Freiheit nennt. Diese Spontaneität ist ein kostbares Gut, das man etwa in der Erziehung unbedingt fördern muss. Trotzdem braucht jedes Lebewesen auch Rhythmus. Es kann nur gedeihen, wenn sich die Vollzüge wiederholen. Schon das Kind muss in gewissen Ordnungen mit Schlafen und Essen eingebettet sein, sonst wird es verstört. Der Ritus vom Zudecken bis zum Gute-Nacht-Kuss ist wichtig für Kinder, damit sie beruhigt einschlafen können.

Begeisterung und Alltag
Auch für die Lebensvollzüge der Erwachsenen gilt dieses Gesetz von Spontaneität und Rhythmus, erfüllender Motivation und Pflicht, Stunden der Begeisterung und unspektakulärem Alltag. Welcher Lehrer könnte sagen: „Ich unterrichte nur, wenn mich der pädagogische Eros ergreift. Sonst fällt der Unterricht wegen seelischer Nebellage flach!“ Welcher Arzt darf sagen: „Ich kümmere mich nur um Patienten, wenn ich vom hippokratischen Eifer durchglüht bin. Sonst bleibt die Ordination zu.“ Welche Hausfrau kann sagen: „Ich koche nur, wenn ich einen kulinarischen Anfall habe. Sonst bedient euch bitte aus dem Kühlschrank.“ Derartige Einstellungen wären mit dem Begriff einer guten Mutter, eines wahren Arztes und eines echten Lehrers unvereinbar.

Echte Frömmigkeit ist treu
Der echte und ernst gemeinte religiöse Lebensvollzug unterliegt den gleichen Gesetzen wie andere Lebensvollzüge. Eine Religiosität, die auf Stimmungen und beglückende Erfahrungen aus ist, ist nicht echt. Zu einer gesunden Frömmigkeit und Gottesverehrung gehören launenunabhängige treue Vollzüge. Ich kann nicht jede heilige Messe tief andächtig feiern, und nicht jeder Sonntagsgottesdienst reißt mich vor Begeisterung aus dem Sessel. Stunden tiefer Bewegtheit sind Geschenke, die dazukommen.

Gottesverehrung gilt dem Unendlichen und ist nicht eine Frage, ob ich, das winzige Geschöpf, gerade dazu aufgelegt bin. Erst die Treue schafft auf weite Sicht Verbundenheit, Frieden und Wertverankerung.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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