Taize: Einfach Leben | Teil 06
Leben in der Freude Gottes

Wenn Stille (Silence) einen umfängt und Schweres trifft, müssen wir um Frieden ringen.
  • Wenn Stille (Silence) einen umfängt und Schweres trifft, müssen wir um Frieden ringen.
  • Foto: Foto: Sabine Leutenegger
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Ist Sorglosigkeit eine Tugend? Ernsthafte und verantwortliche Christen müssen sich doch um ihre Familie, ihre Kirche und ihr Land und dazu noch um weltweite Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sorgen! Wie würde es um uns stehen, wenn sich niemand um das alle Tage Nötige kümmern würde, wie zum Beispiel Martha es tat? Und doch hat Jesus ihre Schwester Maria, die ihre Sorgen vergaß, in Schutz genommen und ihre Entscheidung gelobt.

Es ist erstaunlich, fast ein wenig skandalös, dass der Heilige Geist nicht will, dass wir uns Sorgen machen. Aber es ist so: Jesus, Petrus und Paulus, alle vom selben Geist inspiriert, bekräftigen es. Jesus: „Sorgt euch nicht um euer Leben!“ Petrus: „Werft alle eure Sorge auf ihn!“ Paulus: „Sorgt euch um nichts!“

Aber was vermag uns von den Sorgen zu befreien? Es geht nicht darum, einfach leer zu werden. Das können nur ganz wenige Menschen. Aber wir können uns in Gottes Frieden hüllen lassen. Der Friede, der vom Heiligen Geist kommt, nimmt unseren Sorgen ihre schädliche und lähmende Kraft. Er hüllt uns in seinen Frieden, wie eine Mutter ihr besorgtes und unruhiges Kind in die Arme nimmt und ihre Zuneigung hüllt. In diesem Sinn spricht der Kirchenvater Makarios, in dessen syrischer Muttersprache der Geist weiblichen Geschlechts ist, vom Heiligen Geist als der „gütigen und himmlischen Mutter“

Jesus, unsere Hoffnung, dein Evangelium gibt uns zu verstehen, dass auch in dunklen Stunden Gott will, dass wir glücklich sind. Und der Friede unseres Herzens kann den Menschen in unserer Umgebung das Leben schön machen (Frère Roger)

Frère Roger, der letzten Sommer tragisch ums Leben gekommen ist, war sich als alter Mann bewusst, dass uns Brüdern und vielen anderen Menschen, die ihn liebten, die Trennung schwer fallen würde. Deshalb betonte er gerade in den letzten Jahren seines Lebens immer mehr, wie sehr Freude und Friede zusammengehören. Gott will nicht, dass uns Traurigkeit bedrückt. Er gibt uns seinen Frieden, in dem auch schon ein tiefes Glück auf uns wartet, die Freude, die vom Heiligen Geist kommt.

Wenn uns Schweres trifft, müssen wir manchmal innerlich darum kämpfen, um zum Frieden des Herzens zurückzufinden. Dabei wird es uns eine große Hilfe sein zu wissen, dass Gott nicht will, dass wir in Trübsal versinken. Er lädt uns ein, der kindlichen Freude, die irgendwo tief in uns wartet, Raum zu geben. Friede, der tiefer Herzensfreude entspringt, hat eine unermessliche Ausstrahlung.

Als ich mich vor vielen Jahren für das ganze Leben in der Communauté engagierte, bat ich, wie es unsere Texte vorsehen, um zwei Dinge: die Barmherzigkeit Gottes und die Gemeinschaft meiner Brüder. Beides wurde und wird mir gewährt. Dank Gottes Barmherzigkeit und Verzeihen bin ich von Neubeginn zu Neubeginn unterwegs. Und die Gemeinschaft meiner Brüder ist mein Zuhause geworden. Was aus mir ohne sie hätte werden können, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass unser gemeinsames Leben, Arbeiten und Beten meinem Glauben eine Art unbeschwerte Freude gibt.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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