Gott in Frankreich | Teil 04
Frankreichs Kirchen bröckeln ab

In Frankreich gehören die historischen Gotteshäuser zum öffentlichen Besitz. Sie werden den Kirchen zur Nutzung überlassen.
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„Prächtig! Außergewöhnlich! Einmalig!“ Selbst den Parisern fehlen die Worte, wenn sie das dreischiffige gotische Juwel mit den 32 Säulen in der Nähe des südlichen Seine-Ufers beschreiben wollen: Die ehemalige Pariser Zisterzienser-Universität (Le collège des Bernardins), das größte französische nicht-liturgische Ge-
bäude aus dem Mittelalter, hat man nach Jahrzehnten der Vernachlässigung nun aufwändig restauriert. Doch nicht alle kirchlichen Bauwerke Frankreichs haben ein solches Glück: Die Verwahrlosung vieler Gotteshäuser erschreckt.

Fast der Hälfte der rund 100.000 französischen Kirchen, Klöster und Kapellen in ländlichen Gebieten drohe in den kommenden Jahrzehnten ein unsicheres Schicksal, warnt Beatrice de Andia und beschreibt ein düsteres Szenario: „In nächster Zeit könnten Zeugnisse für nahezu 2000 Jahre französischer Geschichte verloren gehen.“ Als Präsidentin der vor zwei Monaten in Paris gegründeten „Beobachtungsstelle für das religiöse Kulturerbe“ (Observatoire du Patrimoine Religieux) will sie den Franzosen den kulturellen Wert religiöser Gebäude bewusst machen, Initiativen zur Erhaltung von Gotteshäusern aller Konfessionen eine Stimme geben und die Verantwortlichen des Staates zum Handeln mobilisieren.

 

Kirchen gehören dem Staat
Seit dem Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat von 1905 sind die historischen Gotteshäuser in Frankreich im öffentlichen Besitz. Sie werden den Religionsgemeinschaften nur zur Nutzung überlassen. Die Kosten für Renovierungen der bis 1905 errichteten Gotteshäuser müssen daher aus öffentlichen Kassen finanziert werden. Dafür steht jedoch immer weniger Geld zur Verfügung. Selbst dringend erforderliche Arbeiten verschiebt man. In einigen Kirchen droht nach Angaben des staatlichen Denkmalschutzes bereits Gefahr, weil Brandschutz und Elektroinstallationen nicht mehr den geltenden Normen entsprechen.

Die Restaurierungsarbeiten am gotischen Münster in Straßburg waren vor einem Jahr wegen Geldmangels einige Monate lang eingestellt worden. Dies hatte zu heftigen Protesten örtlicher Politiker geführt, die schließlich selbst Geld aus den kommunalen Kassen herbeischafften – was bisher ein Einzelfall blieb. Im Jahr 2004 sind im französischen Staatsbudget noch 284 Millionen Euro für die Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude zur Verfügung gestanden, gegenwärtig aber nur noch 215 Millionen Euro. Nach Einschätzung von Politikern müsse das Budget um 100 Millionen Euro erhöht werden, um eine Verschlechterung des Bauzustandes der wichtigsten Kulturdenkmäler zu vermeiden.

 

Reges Interesse
Die Besucherzahlen französischer Sehenswürdigkeiten zeigen jedenfalls eine offensichtliche Wertschätzung historischer Kirchengebäude: Die gotische Kathedrale Notre Dame im Pariser Zentrum liegt mit 14 Millionen Besuchern pro Jahr an erster Stelle der meistbesuchten Attraktionen des Landes, gefolgt von der Basilika Sacré-Cœur im Norden der französischen Hauptstadt (zwölf Millionen). Auf den Eiffelturm steigen vergleichsweise „nur“ fünf Millionen Menschen jährlich. Nicht weit davon entfernt ist Mont Saint-Michel, das Kloster im Atlantik, mit seinen 3,5 Millionen Besuchern.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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