Leben leben lassen | Teil 01
Das Leben – ein Schachbrett?

Um den Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen und Lebenslagen geht es beim „Tag des Lebens“.
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  • Foto: Wodicka
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Seit 1978 ist der 1. Juni ein besonderer Tag in Österreich: der „Tag des Lebens“. Und so ein international ausgerufener Tag verleitet zum Nachdenken – über das Leben und zwangsläufig auch über den Tod.

Die Botschaft dieses Tages ist deutlich: Es geht um den Schutz menschlichen Lebens in allen Phasen und Lebenslagen. Aber weder mit Angst machenden Worten noch auf unprofessionelle und radikale Weise solle man diesen Tag begehen, fordert Martina Kronthaler von der „Aktion Leben“, welche diesen „Feiertag“ ursprünglich österreichweit initiiert hat. Und: Es reiche nicht, dabei nur an Euthanasie und Abtreibung zu denken.

Auch die österreichischen Bischöfe haben vor elf Jahren beschlossen, aus diesem Anlass den Gottesdienst am letzten Sonntag im Mai auch dem Lebensschutz zu widmen. Gerade in Österreich sei es nach wie vor schwierig, über dieses facettenreiche Thema öffentlich zu sprechen und diskussionsbereite Leute überhaupt an einen Tisch zu bekommen, streicht Kronthaler hervor. Aus historischen Gründen passiere es allzu oft, dass Gesprächspartner wieder in alte Vorurteile hineinfallen, und aktive politische Reaktionen auf gegenwärtige Bedrohungen des menschlichen Lebens fehlen beinahe gänzlich.

Die großen Fortschritte in der Biomedizin, Embryonen- und Stammzellenforschung sowie Präimplantationsdiagnostik betrachtet die „Aktion Leben“ als die momentan größten Gefährdungen. Wie so oft in der Diskussion zum Lebensschutz geht es auch hierbei um Interessenabwägungen: um die Würde werdenden Lebens auf der einen und die Heilung von Schwerkranken auf der anderen Seite. „Der Mensch wird industriell verwertet und Frauen zu Lieferanten von Rohstoffen“, fürchtet Kronthaler. Und auch Ingrid Lackner, die Geschäftsführerin von „Aktion Leben“ in der Steiermark, äußert ihre Angst über medizinische Auswüchse: „Da gibt es einerseits Forscher, die viel entwickeln, und andererseits Menschen, die durch die Möglichkeiten und das große Wissen bei ihren individuellen Entscheidungen überfordert sind.“ Sie warnt davor, das Leben leichtfertig als ein Schachbrett anzusehen: „Viele Menschen glauben, sie können alles bewegen, um ans Ziel zu kommen. Wenn ihnen etwas nicht ins Konzept passt, geben sie es weg, und mit viel Geld lässt sich auch so manches herzaubern.“

Das Ziel vom „Tag des Lebens“ soll umfassend sein: „Man muss immer auch das Umfeld mit einbeziehen“, betont Kronthaler und streicht hervor, dass man Väter, Familien und vor allem Frauen stärken müsse. „Man kann nie gegen die Mutter Lebensschutz betreiben, sondern muss die Umstände für sie verändern.“ Das Betteln vieler Frauen um leistbare Wohnungen und Kinderbetreuungsplätze sei entwürdigend, meint sie und fügt hinzu: „Wenn wir es ernst meinen mit dem Leben, müssen wir uns um viel mehr kümmern.“

So ein Tag des Lebens will daher auch hinweisen, darüber nachzudenken, wie das Leben für jene lebenswert und würdig gestaltet werden kann, die bereits auf der Welt sind. Es geht in unserer Serie also um das Leben – für alle.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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