Werke der Barmherzigkeit - 2007/2008 | Teil 11
Betrübte trösten

Der Leidende braucht wirksamen Trost.

 

Ein schlimmes Ereignis kann einen untröstlich machen: Krankheit, der Tod eines lieben Menschen, in Not geraten oder nicht geliebt sein, sich schuldig wissen. Wie trostlos ist einem bisweilen ums Herz! – Gibt es da noch Trost? Sollte es uns einmal so elend ums Herz sein, dann wünsche ich uns, dass wir getröstet sein wollen. Dass wir nicht teilnahmslos und stumm vor uns hinbrüten. Getröstet sein wollen heißt auch, dass wir ansprechbar bleiben und das Herz sich nicht versteinert. Wenn wir Trost brauchen, wünsche ich uns, dass wir ihn nicht vordergründig suchen. Billige Vertröstungen und fromme Sprüche helfen nichts. Damit sollten wir uns weder trösten lassen noch andere damit trösten wollen.

Baruch, ein Gelehrter um 600 vor Christus, klagt, dass ihm immer noch mehr Kummer und Leid auferlegt werde, dass er erschöpft sei und keine Ruhe mehr finde. Der Prophet Jeremia, ein Freund von Baruch, vertröstet ihn nicht damit, dass schon wieder alles werden würde. Er tröstet ihn aber mit der Zusage, dass Gott trotz allem zu ihm steht, dass er entgegen allem Anschein sein Leben schützt und ihn nicht fallen lässt. Er braucht nicht zu verzagen (Jeremia 45,1–5).

Barmherzige Geduld braucht es auch, wenn man Betrübte trösten will. Nur so kann man sensibel für die Befindlichkeit anderer werden. Es gilt zu praktizieren, was Rabbi Mosche Löw von zwei Bauern gelernt hat. Er hörte, wie der eine weinselig den anderen fragte: „Liebst du mich?“ Als der das bejahte, sagte er: „Dann weißt du ja wohl, worunter ich leide?“ Darauf wieder der zweite: „Aber ich bitt’ dich, woher soll ich wissen, worunter du leidest?“ Die Antwort, die er erhielt, sagt alles: „Liebtest du mich in Wahrheit, du würdest es wissen.“ Das Resümee, das Martin Buber weitergibt, lautet: „Das ist die Liebe zu den Menschen, ihr Bedürfen zu spüren und ihr Leid zu tragen.“ Eben das ist ein geistliches Werk der Barmherzigkeit.

Diese hört mit solchem Erfassen und Mitleiden nicht auf, sie versucht Abhilfe zu schaffen. Sie darf sich dabei nicht auf ein billiges Vertrösten beschränken. Der Leidende braucht wirksamen Trost. Soll dieser nachhaltig sein, müssen die Quellen des Trostes erschlossen werden, von denen der christliche Glaube weiß. Das zu tun ist eine durchgängige Aufgabe des gesamten Religionsunterrichtes. Er muss erfahrbar machen, dass wir eine Frohbotschaft empfangen haben und weitergeben dürfen.

 

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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