Positionen - Theresia Heimerl
Kann Freunden helfen Sünde sein?
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Er habe sich nur um das Anliegen eines hilfesuchenden Bürgers gekümmert, begründete ein hochrangiger Politiker vor Kurzem seine Mithilfe bei einer Postenbesetzung zugunsten eines weniger qualifizierten Bewerbers. Ist es nicht ein christliches Grundgebot, seinem (Partei-)Nächsten zu helfen?
Die christliche Nächstenliebe und die daraus folgende Unterstützung bezieht sich in den Evangelien auf konkrete Notsituationen: ein Verletzter am Straßenrand, ein Hungernder – ein österreichischer Beamter entspricht keinem dieser Kriterien.
Simonie, das klassische Korruptionsdelikt aus der Apostelgeschichte, also der Kauf von (Kirchen-)Ämtern liegt hier aber auch nicht vor, hat doch ein österreichischer Bürger im Beamtenstand, der eine Leitungsfunktion haben möchte und dafür politische Unterstützung braucht, besagten Politiker gar nicht bezahlt, sondern ihn nur über einen anderen Parteifreund um Hilfe gebeten.
Eine Sünde? Das wird unser Politiker wohl erst beim Jüngsten Gericht erfahren, und dort gibt es keine Möglichkeit zur Diversion mehr. Als Mitglied einer sich als christlich bekennenden Partei könnte ihm eine Wallfahrt mit Beichte und Buße jedenfalls nicht schaden.
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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