Glaube
Was darf die KI?

Anlässlich des jüngsten „KI-Ausbruchs“ nahm Kardinal Reinhard Marx, ein anerkannter Sozialethiker, zu aktuellen Fragen zur Künstlichen Intelligenz Stellung und verwies auf die Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV., die nun auch als Hörbuch verfügbar ist.
 | Foto: Vatican News
  • Anlässlich des jüngsten „KI-Ausbruchs“ nahm Kardinal Reinhard Marx, ein anerkannter Sozialethiker, zu aktuellen Fragen zur Künstlichen Intelligenz Stellung und verwies auf die Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV., die nun auch als Hörbuch verfügbar ist.
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Nach „KI-Ausbruch“: Kardinal Marx unterstreicht die unvertretbare Verantwortung und die unbedingte Würde des Menschen.

Nach dem Zwischenfall bei einem Test des ChatGPT-Entwicklers OpenAI­ sieht Kardinal Reinhard Marx die Mahnungen von Papst Leo XIV. zum verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz bestätigt. Bei dem Test war ein KI-Modell aus dem Testprogramm ausgebrochen und in ein fremdes Computersystem eingedrungen.

Marx, Erzbischof von München und Freising und früherer Professor für Katholische Soziallehre, verwies auf die Enzyklika Magnifica humanitas, in der Papst Leo XIV. vor der Auslagerung menschlicher Verantwortung auf Maschinen warnt. Nicht die KI als solche sei die eigentliche Gefahr, sondern der Auftrag, den Menschen ihr erteilten: „Am Anfang steht der grundsätzliche Auftrag, den die KI weit auffassen konnte und deswegen auch danach vorgegangen ist. Im Grunde belegt das genau, dass der Papst hier einen wichtigen Punkt trifft.“
Zugleich betonte der Kardinal, dass Leo XIV. der Technologie nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe: „Der Papst sieht auch die Möglichkeiten. Aber er tut das mit der klaren Überzeugung: Nur wir Menschen sollten bestimmen, was KI darf.“ Diese Verantwortung dürfe nicht an Algorithmen abgegeben werden, besonders in Fragen von Krieg und Sicherheit. Auch beim Aufstellen ethischer Leitplanken sei entscheidend, wer die zugrunde liegenden Werte bestimme und wer am Ende profitiere. „Da kommt auch die soziale, ethische und ökonomische Frage ins Spiel: Wer gewinnt Geld und Macht durch bestimmte Perspektiven?“

Marx forderte deshalb mehr demokratische Kontrolle und deutlich höhere Investitionen in Bildung: „Wir brauchen ein Gemeinwesen, auch weltweit, das Kontrolle ausübt, viele Menschen einbezieht und die Interessen nicht nur auf wenige beschränkt, die Macht ausüben oder Profit haben. Das ist nur in einem demokratischen, partizipativen System möglich.“ Zugleich müssten Menschen befähigt werden, die Technik zu verstehen und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen. „Ich bin überzeugt, dass wir für die Zukunft noch zu wenig in Bildung investieren, gerade in diesen herausfordernden Zeiten mit der KI.“ Marx erklärte: „Die Gefahr geht nicht von der Technik aus, sondern von denen, die die Technik beherrschen.“ Zugleich warnte er vor der weltweit wachsenden Auffassung, die Demokratie habe sich erschöpft und müsse durch autoritärere Formen ersetzt werden.

Die Kirche müsse ihre Stimme ebenso deutlich für den Schutz der Schöpfung wie für einen menschenwürdigen Umgang mit KI erheben. Dabei gehe es ihr um die ganze Menschheit, „um die Würde aller Menschen. Viele in der Welt warten auf eine Stimme, die unabhängig ist, die nicht wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen folgt, sondern eine Stimme für alle sein will.“

Quelle: Vatican News

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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