7.Sonntag d. Osterzeit:Herbert Schlosser
Wir haben eine Zukunft, weil Gott uns nicht verlässt

„Bleiben wir betende Menschen“, schreibt Pfarrer i. R. Herbert Schlosser. Und plädiert: „Versammeln wir uns Sonntag für Sonntag gerne zum gemeinsamen Brotbrechen, bei dem der auferstandenen Jesus bei uns ist.“   | Foto:  Klaus Eppele – stock.adobe.com
  • „Bleiben wir betende Menschen“, schreibt Pfarrer i. R. Herbert Schlosser. Und plädiert: „Versammeln wir uns Sonntag für Sonntag gerne zum gemeinsamen Brotbrechen, bei dem der auferstandenen Jesus bei uns ist.“
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Über die „Himmelfahrt“ Christi wird unmittelbar vor unserer 1. Lesung erzählt. Da stehen die Apostel da, starren dem auferstandenen Jesus nach und können es einfach nicht begreifen, dass er jetzt nicht mehr leibhaftig bei ihnen sein wird. Da werden aber auch zwei Männer in weißen Gewändern erwähnt, die ihnen sagen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zu Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“

Die Apostel nehmen die Worte dieser Männer ernst. Es ist eben wirklich zu wenig nur dazustehen und zu schauen. Sie gehen zurück nach Jerusalem, weg vom Ölberg, wo sie in der Gründonnerstagnacht Jesus in seiner Todesangst allein gelassen hatten, wo einer von ihnen, Judas, ihn durch einen Kuss der Tempelpolizei verraten hatte und wo sich schließlich Jesus jetzt von ihnen verabschiedet und sich ihnen ein letztes Mal leibhaftig zeigt, um dann zu seinem Vater in den Himmel heimzukehren.

Apostel warteten betend

Die Apostel wollen einfach diesen Ort der unguten Erinnerungen hinter sich lassen. Sie meinen, die Zeit sei gekommen, dorthin zu gehen, wo Jesus sich ihnen in einem Stück Brot und einem Schluck Wein geschenkt hatte. Dort wollen sie warten, was kommen wird. Und in unserer 1. Lesung heißt es: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet …“

Betend wollen sie erwarten, was Gott weiter mit ihnen vorhat. Den Aposteln bleibt ja auch gar nichts anderes übrig, als zu warten und zu beten. Was hätten sie sonst schon tun können – diese elf Männer, dazu noch Maria, die Mutter von Jesus, einige andere Frauen und seine Brüder.

Vordergründig schaut es fast so aus, als hätten sie eine letzte Bestandsaufnahme gemacht, wenn man diese Namen hört. Da ist es fast wie bei einem Kaufmann, der noch einmal alles in den fast leeren Regalen zählt, um dann sein Geschäft zu schließen. Wenn man dann noch auf die Schattenseiten einiger dieser aufgezählten Männer schaut, – angefangen von Petrus, der in seiner Feigheit, nachdem man Jesus festgenommen hatte, dreimal sagt, Jesus überhaupt nicht zu kennen, über Jakobus und Johannes, die sich im Reich Gottes hohe Posten ausgerechnet hatten, bis zum sogenannten ungläubigen Thomas – ob es nicht besser gewesen wäre, alles liegen und stehen zu lassen und wieder in ihre alten Berufe zurückzukehren.

Bleiben wir trotz allem,
auch wenn unsere Zahl
kleiner werden mag,
betende Menschen.

Aber gerade das Wissen um ihre Schwächen und ihre kleine Zahl zeigt ihnen, wie sehr sie, egal, was da kommen wird, auf Gott angewiesen sind.

Und so kann nun Gott in seinem Heiligen Geist in sie hinein sinken wie in leere Schalen …
Ja, und somit sind auch wir Christen heute in unseren immer leerer werdenden Pfarren mitten unter den Aposteln im Abendmahlsaal. Auch wir sind vielleicht ein wenig hoffnungslos, wenn wir in die Zukunft unserer Kirche in Österreich und ganz Europa blicken.

Bleiben wir trotz allem, auch wenn unsere Zahl immer kleiner werden mag, betende Menschen. Versammeln wir uns Sonntag für Sonntag gerne zum gemeinsamen Brotbrechen, bei dem der auferstandene Jesus bei uns ist. Schauen wir nicht hinein in die Vergangenheit einer Volkskirche, die höchstwahrscheinlich so nicht mehr kommen wird.

Gehen wir als gläubige und lebendige Christen mutig hinein in unseren Alltag – und wir werden spüren, dass wir eine Zukunft haben, weil Gott uns nicht verlässt!

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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